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Älteste Eisfunde der Alpen stammen vom Schnidejoch

Älteste Eisfunde der Alpen stammen vom Schnidejoch

22. August 2008

Die prähistorischen Objekte, die seit 2003 auf dem Schnidejoch im Berner Oberland aus dem Gletschereis aufgetaucht sind, haben sich als weit älter erwiesen als bisher angenommen. Sie stammen aus der Zeit um 4500 v. Chr. und sind damit mindestens 1000 Jahre älter als die Gletschermumie Ötzi.


Die ältesten Eisfunde in den Alpen

Das Alter von 46 der insgesamt über 300 Eisfunde auf dem Schnidejoch, einem auf 2756 Meter über Meer gelegenen Übergang zwischen dem Berner Oberland und dem Wallis, der in klimatisch günstigen Zeiten als Verkehrsweg genutzt wurde, wurde an der ETH Zürich mit Hilfe der Radiocarbonmethode exakt bestimmt. Die 2003 bis 2007 entdeckten Objekte reichen von prähistorischen Kleidungsstücken aus Leder und Bast, über einen Köcher und Pfeile, bis zu bronzenen Gewandnadeln und römischen Schuhnägeln. Nun hat sich gezeigt, dass die Funde rund 1500 Jahre älter sind als ursprünglich angenommen. «Wir wissen nun, dass es sich bei den Eisfunden vom Schnidejoch um die ältesten dieser Art in den Alpen handelt», sagt Albert Hafner, der Verantwortliche des Schnidejoch-Projekts beim Archäologischen Dienst.


Archäologen und Klimaforschende arbeiten zusammen

Seit die Gletscher schmelzen, gibt das Eis auf der ganzen Welt archäologisch hochinteressante Fundstücke frei. Doch auch für die Klimaforschung liefern diese Gegenstände aus prähistorischer und frühgeschichtlicher Zeit wertvolle Informationen. Wie die am 21. und 22. August 2008 in Bern durchgeführte Tagung «Ötzi, Schnidi und die Rentierjäger: Eisfeldarchäologie und der Klimawandel des Holozäns» zeigte, können die beiden Forschungsrichtungen voneinander profitieren. «Dem Einfluss des Klimas auf geschichtliche Entwicklungen wie zum Beispiel Migrationsbewegungen wurde bisher viel zu wenig Beachtung geschenkt», erklärt der Archäologe Albert Hafner. Und Martin Grosjean, Professor für Geographie an der Universität Bern sowie Direktor des Oeschger Zentrums erklärt: «Die Schnidejoch-Funde erlauben die bis anhin präziseste Rekonstruktion von Gletscherschwankungen im Alpenraum in prähistorischer Zeit.»


DNA-Analyse von 5000jährigen Lederfunden

Auch die DNA von 5000jährigen Lederfunden vom Schnidejoch wurde analysiert. Damit steht fest, dass die Hose, welche ein vermutlich verunfallter steinzeitlicher Berggänger bei seinem Marsch zwischen dem Berner Oberland und dem Wallis trug, aus dem Leder einer Hausziege gefertigt worden war.

Links

Oeschger Center for Climate Change Research

Archäologischer Dienst des Kantons Bern

 

 
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