Zum Jahreswechsel werden sie wieder aktuell: Die guten Vorsätze. Ob wir den nötigen Durchhaltewillen aufbringen, sie auch umzusetzen, hängt wesentlich davon ab, wie wir über die Willenskraft denken. Die Chancen, erfolgreich zu sein, steigen, wenn wir in ihr eine unversiegbare Quelle sehen. Neue Forschungsergebnisse widerlegen bisher gültige Annahmen und können den Menschen auch bei der Umsetzung ihrer guten Vorsätze helfen.
Eine Diät halten, sich von unliebsamen Gewohnheiten verabschieden oder weniger fernsehen – immer, wenn es darum geht, Impulse oder Wünsche zu unterdrücken, um ein Vorhaben umsetzen zu können, braucht der Mensch Willenskraft, respektive – präziser – Selbstkontrolle. Dabei scheint die Selbstkontrolle umso schwieriger zu werden, je mehr man davon bereits aufgewendet hat. Nach einem anstrengenden Arbeitstag auf Erholung und Fernsehen zu verzichten, um beispielsweise die Steuererklärung auszufüllen, ist deshalb für viele Menschen besonders schwierig.
Die Theorie, dass es sich bei der Selbstkontrolle um eine limitierte Ressource handelt, die sich aufbraucht, dominierte auch die Forschung zur Selbstkontrolle der letzten fünfzehn Jahre. Experimente hatten entsprechend gezeigt, dass bei Personen, die aufeinanderfolgende Aufgaben zu lösen hatten, die Selbstkontrolle erforderten, Leistungseinbussen auftreten.
Forschende gelangten nun zu neuen Erkenntnissen: Psycholog/innen konnten zeigen, dass eine entscheidende Rolle spielt, was Menschen über Willenskraft denken: Menschen, die glauben, dass Willenskraft eine limitierte Ressource ist, haben bei kontinuierlicher Beanspruchung auch tatsächlich Schwierigkeiten. Personen hingegen, die davon überzeugt sind, dass Willenskraft unlimitiert verfügbar ist, können sich auch bei wiederholter Beanspruchung gut selbst kontrollieren. Diesen Einfluss des Denkens auf die Fähigkeit zur Selbstkontrolle zeigen eine Reihe von drei Experimenten sowie eine Längsschnittstudie.
Willenskraft erschöpft sich nicht
In einem ersten Experiment wurde mittels Fragebogen erhoben, wie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über Willenskraft denken. Sie gaben an, ob sie Aussagen zustimmten wie: «Nach einer anstrengenden mentalen Tätigkeit ist meine Energie erschöpft und ich muss mich erholen, um sie wieder aufzutanken.» Anschliessend hatten sie eine Reihe von Aufgaben zu lösen, die Selbstkontrolle erfordern. Unter anderem mussten sie in einem Text den Buchstaben «e» durchstreichen oder die Farbe von Wörtern benennen, wobei die Bedeutung des Wortes häufig nicht mit der Farbe der Schrift übereinstimmte (z.B. war das Wort «rot» in grüner Farbe geschrieben).
Das Experiment zeigte, dass in den jeweiligen Folgeaufgaben ausschliesslich jene Personen schlechter abschnitten, die glauben, dass Willenskraft durch ihren Einsatz verbraucht wird, dass sie durch Anstrengung weniger wird. Personen hingegen, die davon überzeugt sind, dass Willenskraft nicht verbraucht wird, zeigten keine Leistungseinbussen.







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