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Gemeinsame Grabungen im Elsass

29 July 2009

Archäologenteams der Universitäten Strassburg und Basel graben zurzeit gemeinsam in einer Höhle in der elsässischen Gemeinde Lutter. Sie erhoffen sich neue Erkenntnisse über die Übergangszeit zwischen den letzten nomadisierenden Wildbeutern und den ersten sesshaften Bauern in der Oberrhein-Region vor rund 7500 Jahren.

Der Fundplatz Abri St. Joseph im elsässischen Lutter liegt in einer Übergangszone zwischen dem elsässischen Sundgau und den ersten Solothurner Jurahügeln.Es handelt sich dabei um ein kleines Felsschutzdach (Abri). Erste Sondierungen von 1983 hatten ergeben, dass das Abri erstmals während der mittleren Steinzeit vor etwa 9000 Jahren als temporären Siedlungsplatz von Jägern und Sammlern aufgesucht wurde. Weitere Besiedlungsspuren stammen aus der frühesten Phase der Jungsteinzeit vor etwa 7500 Jahren, als die Menschen bereits erstmals ihre Nahrungsmittel durch den Anbau von Kulturpflanzen und die Haltung von Haustieren selber produzierten. Über diesen beiden Fundschichten wurden weitere Horizonte aus der Jungsteinzeit, der Bronzezeit, der Eisenzeit und der Römerzeit gefunden.

Mittlere und frühe Jungsteinzeit erforschen

Im Rahmen einer Kooperation zwischen den Universitäten Strassburg und Basel findet nun eine archäologische Ausgrabung im Abri statt. Hauptziel ist die Erforschung des Übergangs zwischen den letzten Wildbeutergesellschaften und den ersten Bauern in der Region südlicher Oberrhein. Anlässlich der diesjährigen Ausgrabungskampagne werden Schichten der mittleren und frühen Jungsteinzeit (zwischen 4500 und 5500 v. Chr.) und der späten Mittelsteinzeit (um 6000 v. Chr.) ausgegraben.

Elsässer Kühe sömmern im Solothurner Jura

Die Forschenden nehmen an, dass die frühesten Elsässer Bauern ihr Vieh während den Sommermonaten in den nahe gelegenen Jurahügeln geweidet haben. Das Abri St. Joseph könnte dabei als Unterschlupf für die Hirten gedient haben. Aufgrund der Bestimmungsergebnisse der Tierknochenfunde wurde von diesem Standort aus auch eine spezialisierte Jagd auf Pelztiere, wie Dachs, Marder oder Biber betrieben.

Um die Lebensweise während den verschiedenen Phasen des Überganges zwischen den letzten Wildbeutern und den ersten Bauern unserer Region rekonstruieren zu können, werden Ausgrabungssedimente systematisch geschlämmt. Dadurch werden auch kleinste, wenige Millimeter grosse Werkzeuge oder Schmuckstücke gefunden, welche von blossem Auge während der Ausgrabungen nicht erkannt werden können. Besonderes Augenmerk gilt dabei den botanischen und zoologischen Überresten in den Sedimenten. Zum Beispiel können verkohlte Getreidekörner gefunden werden, welche Auskunft darüber geben, welche Getreidearten angebaut wurden und ab wann diese Getreide in der Regio Basiliensis genutzt wurden.

Tag der offenen Grabung
Am Samstag, 1. August 2009, sind Interessierte eingeladen, von 9.00 bis 17.00 Uhr die Ausgrabung Abri St. Joseph zu besichtigen. Die Besucherinnen und Besucher lernen die Arbeit der Archäologen und die aktuellen Ausgrabungstechniken kennen und erhalten einen Einblick in die Rekonstruktion der Lebensbedingungen der damaligen Bewohnerinnen und Bewohner. (Zeige diesen Ort bei Google Maps)

Weitere Auskünfte
Dr. Rose-Marie Arbogast, Universität Strassburg, CNRS, UMR 7044 , E-Mail: rosemarie.arbogast at free.fr
Prof. Dr. Jörg Schibler, Institut für Prähistorische und Naturwissenschaftliche Archäologie der Universität Basel, Tel. 061 201 02 12, mobil 079 474 83 41, E-Mail: joerg.schibler at unibas.ch

 

 
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