Mikro-Helikopter werden flügge

Die Flugroboter sind vollgepackt mit ETH-Know-how und wurden zusammen mit einer

Die Flugroboter sind vollgepackt mit ETH-Know-how und wurden zusammen mit einer spezialisierten Firma in München entwickelt. (Bild: Peter Rüegg / ETH Zürich)

Forschende haben eine neue Art von Flugrobotern entwickelt, die nur mit Bordkameras und einem Mini-Computer bestückt, navigieren können. Die Mikro-Helikopter kommen ohne GPS und Fernsteuerung aus und erreichen somit eine neue Stufe von Autonomie.

Weltweit wird geforscht und getüftelt, um Mikro-Helikopter — so genannte Micro Aerial Vehicles (MAV) — laufend weiter zu entwickeln und zu verbessern. Von der Eleganz eines Vogels im Flug ist man mit den bisherigen Lösungen allerdings noch weit entfernt. Die heutigen Flugroboter sind gross und schwer und sind im Einsatz im freien Feld oft abhängig von GPS oder von einem trainierten Piloten. Das 2009 gestartete EU-Projekt "sFly" hatte sich deshalb zum Ziel gesetzt, Flugroboter zu entwickeln, die einige dieser Fesseln sprengen würden. Inzwischen sind die Entwicklungsarbeiten abgeschlossen und die Flugroboter haben ihre Feuertaufe im freien Feld bestanden.

Kameras zur Navigation und Kartierung

Eine Innovation der Flugroboter besteht darin, dass die Geräte mithilfe von Kameras und einem Mini-Computer an Bord in der Lage sind, ihren Flug zu stabilisieren und sich zu orientieren, ohne für die Navigation auf eine Verbindung zur Bodenstation angewiesen zu sein. Konkret werden die Flugbewegungen des Helikopters in Echtzeit aus den Kamerabildern berechnet und von einer Flug-steuereinheit mit den Sollwerten verglichen und bei Abweichungen korrigiert.

Diese Technologie, entwickelt am Labor für Autonome Systeme der ETH Zürich, hat zwei gewichtige Vorteile gegenüber GPS-basierten Flugrobotern. Zum einen funktionieren sie sowohl im Freien wie auch in geschlossenen Räumen. Zum andern können die Flugroboter auch dann noch navigieren, wenn das GPS z.B. wegen zu dichten Bauten seinen Dienst versagt. Die kamera-basierte Technologie erlaubt erst noch eine viel genauere Positionierung der Fluggeräte, als es mit GPS möglich ist, sagt Projektkoordinator Davide Scaramuzza. Je nach Umgebung könne der GPS-Fehler bei 70 m liegen — viel zu ungenau, wenn mehrere Flugroboter nahe aneinander fliegen.

Während eine von insgesamt drei Bord-Kameras der Flugsteuerung dient, werden die zwei andern Kameras der Mikro-Helikopter für die 3-D-Modellierung verwendet. Der Bord-Computer übermittelt die aufgenommenen Bilder über WLAN an einen Computer am Boden, der dann daraus eine 3-D-Karte des überflogenen Geländes erstellt. Einerseits zeigt die 3-D-Karte Hindernisse für die Flugroboter auf, andererseits können damit z.B. bestmögliche Positionen zur lückenlosen Geländeüberwachung berechnet werden. Die Technologie der 3-D-Modellierung stammt vom Institut für Visual Computing der ETH Zürich.

Prädestiniert für den Katastropheneinsatz

Eine Schwachstelle herkömmlicher Bauweisen von Flugrobotern betrifft ihr Gewicht und ihren Energiehunger. Eines der Ziele von "sFly" war denn auch, effizientere Algorithmen zu entwickeln, die weniger Rechenleistung benötigen, aber auch die Rechenleistung auf flugfähigen Geräten erhöhen. In Zusammenarbeit mit der auf Flugroboter spezialisierten Firma Ascending Technologies in München entstand schliesslich ein Flugroboter mit sechs Rotoren und einem Gewicht von 1500 Gramm, inklusive 3 Bordkameras und einem Mini-Computer.

Die neuen Mikro-Helikopter haben einen Durchmesser von rund 50 Zentimetern. Sie sind dafür geschaffen, auch in engen oder gar geschlossenen Räumen zu manövrieren und allfällige Hindernisse zu erkennen und zu umfliegen. An-wendungen ergäben sich bei Schutz- und Rettungseinsätzen, wenn es zum Beispiel darum geht, ein Katastrophengebiet zu überfliegen und ein Bild von der Situation aus der Luft zu liefern oder auch mögliche Opfer zu orten. «Es handelt sich hier um ein Forschungsprojekt, das vor allem die technischen Möglichkeiten ausloten möchte. Wir stellen uns aber vor, dass die Flugroboter, die im "sFly"-Projekt entwickelt wurden, in einer nicht allzu fernen Zukunft eine wichtige Hilfe sein könnten für Rettungskräfte im Katastropheneinsatz», so Roland Siegwart, Leiter des Labors für Autonome Systeme.

 

 
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