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| 19.8.2009 - Bis in die Gegenwart spielen Karten bei der Visualisierung raumpolitischer Interessen eine wichtige Rolle. Sie repräsentieren politische Entitäten, reflektieren die räumlichen Bedingungen von Politik und dienen der Inszenierung von Machthabern. Welche Rolle kam Karten im Mittelalter zu, in der die Territorienbildung noch nicht abgeschlossen war und auch eine koordinatengebundene Darstellung noch nicht möglich war? Karten als Instrument von Herrschaftsausübung? In der Tat wurden koloniale und nationale Kartierungen im späten Mittelalter als staatliche Machtinstrumente gebraucht. Forschende der Universität Zürich untersuchen nun die Rolle kartographischer Darstellungen bei der Zurschaustellung politischer Absichten und Herrschaftsausübung im mittelalterlichen Reich. Analysiert werden zum einen Produktion und Erscheinungsformen von Karten im herrschaftlichen Umfeld, zum anderen wird analysiert, in welcher Weise Kartenbilder politische Interessen spiegeln bevor die koordinatengebundene Darstellung üblich wurde. Ein dritter Aspekt betrifft das mittelalterliche Wissen um die Möglichkeiten kartographischer Aufzeichnung, das Voraussetzung für jegliche Form ihrer politischen Nutzung ist. Erste kartographische Darstellung der Eidgenossenschaft Ein schönes Beispiel hierfür ist die erste kartographische Darstellung der Eidgenossenschaft. Albrecht von Bonstetten, Dekan des Klosters Einsiedeln, zeichnete 1480 die erste Karte der Eidgenossenschaft, erschienen in seiner Beschreibung der damaligen Schweiz "Superioris Germaniae Confoederationis Descriptio". Auf den ersten Blick zeigt die Karte wenig: drei von einem Streifen Land und einem blauen Meeresband umgebene Berge. Beschriftet ist die Karte mit den vier Himmelrichtungen (Oriens, Meridies, Occidens, Septentrio), den acht damals die Eidgenossenschaft bildenden Orten (Uri, Schwyz, Unterwalden, Luzern, Glarus, Zürich, Zug, Bern) sowie der Rigi (Regina mons). Auch wenn die Orte aus heutiger Sicht geographisch korrekt wiedergegeben sind, so schien die Aussagekraft der Karte doch gering zu sein. Die Darstellung wirkt an der modernen Kartographie gemessen reichlich unbeholfen. Kontakt Martina Stercken, Tel: 0041-(0)44-634 5116, Email: stercken at hist.uzh.ch Abbildungslegende Die erste kartographische Darstellung des Gebiets der Eidgenossenschaft, Albrecht von Bonstetten, 1479/80 (Paris, Bibliothèque nationale de France, Ms. Lat. 5656, fol. 8) |
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