11'000 Tier- und Pflanzenarten in Europa eingeschleppt

11'000 Tier- und Pflanzenarten in Europa eingeschleppt

Erstmals liegt eine Übersicht über Tier- und Pflanzenarten vor, die zwar in Europa vorkommen, aber eigentlich nicht hierher gehören. Viele dieser Arten haben erhebliche Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft. Für Umweltplaner enthält die Datenbank wichtige Informationen über Früherkennung und Kontrolle fremder Arten.

Nicht-einheimische Arten sind Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen, die mit menschlicher Hilfe aus ihrem natürlichen Habitat in einen neuen Lebensraum gebracht wurden. Mehr als 11'000 solcher Arten wurden jetzt im Rahmen des DAISIE-Projektes («Delivering Alien Invasive Species Inventory for Europe») dokumentiert. Es ist ein einmaliges Dreijahresprojekt von über 100 europäischen Wissenschaftlern, das von der Europäischen Union finanziert wurde und nun neues Wissen über diese biologischen Eindringlinge in Europa vorlegt. Bislang wurden die Schäden durch eingeschleppte Arten in Europa – vor allem ausserhalb der Landwirtschaftszone und der Forstwirtschaft sowie bei Arten, die nicht die menschliche Gesundheit beeinträchtigen – stark unterschätzt. «Weil verlässliche Angaben fehlten, blieben viele europäische Staaten passiv in der Bekämpfung nicht-einheimischer Arten, was sich zunehmend katastrophal auf Europas Biodiversität, Gesundheit und Wirtschaft auswirkt», erläutert Professor Wolfgang Nentwig vom Institut für Ökologie und Evolution der Universität Bern. Er ist der verantwortliche Herausgeber des DAISIE «Handbook on alien species in Europe», das gestern erschienen ist. Die weiteren Autoren sind Dr. Montserrat Vilà (Spanien), Dr. Petr Pysek (Tschechien) und Prof. Philip E. Hulme (Neuseeland).

Keine harmlosen Besucher

Die Mehrzahl der über 11'000 nicht-einheimischen Arten sind unproblematisch. Rund 15 Prozent von ihnen verursachen jedoch beträchtlichen ökonomischen und gesellschaftlichen Schaden, indem sie etwa neue Krankheiten übertragen. Ebenfalls 15 Prozent der Arten beeinträchtigen die biologische Diversität: Sie schaden der Umwelt, einzelnen Lebensräumen, einheimischen Pflanzen, Tieren oder Mikroorganismen. Dies ergaben die Untersuchungen im Rahmen des DAISIE-Projektes. Die Informationen sind nicht nur im Handbuch, sondern auch über eine Internet-Datenbank (www.europe-aliens.org) frei zugänglich.

Praktische Information für Betroffene

Die Erkenntnisse des DAISIE-Projektes sind äusserst wichtig im Kampf gegen biologische Eindringlinge in Europa. Das durch DAISIE verfügbare Wissen dient der Dokumentation aktueller Invasionen und erlaubt, neue Eindringlinge und ihr Ausmass vorherzusagen. Für Entscheidungsträger, Umweltplanerinnen und weitere Betroffene werden wichtige Angaben zur Früherkennung, Ausrottung oder Kontrolle von nicht-einheimischen Arten zur Verfügung gestellt.

Kontakt

Prof. Dr. Wolfgang Nentwig, Institut für Ökologie und Evolution, Universität Bern, Baltzerstrasse 6, 3012 Bern, Tel. +41 (0)31 631 45 20, wolfgang.nentwig [at] zos.unibe.ch

 
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