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Intelligenzfördernde Nuggis
1. April - Schon länger wurde vermutet, dass gewisse Stoffe das Nervenwachstum im Hirn beschleunigen. Nun wurde nachgewiesen, dass das Eiweiss Amidocytin B-2 die Intelligenz bei Kleinkindern fördert. Anwendungen sind bereits in Planung.
Der Markt an sogenannt intelligenzfördernden Mitteln ist gross: Von Fischölkapseln bis Ginsengpräparate wird alles angeboten zur Steigerung der Konzentration oder Merkfähigkeit. Hingegen fehlt der Nachweis, dass diese Mittel eine nachhaltige Auswirkung auf unsere Hirnstrukturen ausüben.
Nun ist es Forschenden der Universität Bern gelungen, eine Eiweissverbindung, genannt Amidocytin B-2, zu isolieren, die eine nachhaltige Wirkung auf das Nervenwachstum bei Kleinkindern hat. "Die Nerven wachsen nicht nur schneller, sie gehen auch vermehrt Verbindungen ein", erklärt P. Cort, Leiter des Forschungsprojekts. "Dies hat konkrete Auswirkungen auf die Intelligenz."
Jungtiere lernen schnellerf
Der Effekt wurde zuerst bei Tieren nachgewiesen: Junge Ratten, denen Amidocytin B-2 verabreicht wurde, machten gegenüber ihren unbehandelten Geschwistern enorme Fortschritte. "Wir waren platt", sagt Sabrina Fellmann, Mitautorin der Studie. "Die Jungtiere lernten innerhalb kürzester Zeit, sich in Labyrinthen zurecht zu finden und sich komplizierte Wege zu merken. Aufgaben, die normalerweise ein gewisses Alter und damit eine gewisse Hirnreife erfordern." Die Untersuchung der Hirnstrukturen bestätigte, dass die Grosshirnrinde dieser Tiere zahlreichere Nervenverbindungen aufwies, als es in diesem Alter üblich ist.
Unterdessen wurde in klinischen Studien Amidocytin B-2 Kleinkindern verabreicht. Der Effekt war derselbe: "Das Sprachverständnis von sechsmonatigen Babies entsprach demjenigen von 12 - 18 Monate alten Kindern", so Fellmann. "Die Babies nickten beispielsweise bejahend, wenn man sie fragte, ob sie Milch trinken möchten. Oder sie krabbelten zu Mama, wenn man sie dazu aufforderte." Reaktionen, zu denen normalerweise ein Kind erst nach dem ersten Geburtstag fähig ist.
Ob diese Intelligenzsteigerung auch bei Erwachsenen möglich ist, wird bezweifelt. "Die Plastitzität des Hirns nimmt mit dem Alter ab", so Corti, "und es wird wahrscheinlich schwierig sein, bei Erwachsenen ähnliche Effekte zu erzeugen." Doch ausgeschlossen sei es nicht. Die Forschungsarbeiten laufen auf jeden Fall weiter.
Interessierte Pharmaindustrie
An den bahnbrechenden Forschungsresultaten ist auch die Pharmaindustrie interessiert. "Wir stehen in Kontakt mit verschiedenen Firmen", bestätigt Corina Wirth, Mitverantwortliche des Forschungsprojekts. Es ist geplant, bald die ersten Produkte auf den Markt zu bringen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Babies das intelligenzsteigernde Amidocytin B-2 zu verabreichen, beispielsweise über mit Amidocytin B-2 angereichertem Milchpulver oder mit Babynahrung. In Diskussion sind auch spezielle Schnuller, die Amidocytin B-2 über den Tag verteilt abgeben.
Das Forschungsteam schaut den Entwicklungen gespannt entgegen. Bald wird es möglich sein, Kinder gezielter zu fördern und früher einzuschulen. "Wir Forschende begrüssen dies", sagt Cort. Denn es sei schwierig, in der Schweiz Doktorierende zu rekrutieren, und der Markt an guten Naturwissenschaftler/innen sei ausgetrocknet. Curty freut sich daher: "In Zukunft können wir mit viel jüngerem Forschungsnachwuchs rechnen!"
Originalbeitrag
Wirth, C.; Fellmann, F.; Cort, P.: How Amidocytin B-2 favours nerve groth in an early age and enhances intelligence of babies. myScience, 32, 4433-39.
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