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Fernsehabend oder Sportanlass?

29 March 2010

Soll ich heute Abend daheim bleiben und einen Film anschauen oder ins Fitnessstudio gehen und etwas für meine zukünftige Gesundheit tun? Solche intertemporale Entscheidungen – die Wahl zwischen Belohnungen, die zu verschiedenen Zeitpunkten auftreten – sind allgegenwärtig im Leben. Forschende konnten nun die neurobiologischen Grundlagen dafür identifizieren.

Belohnungsaufschub ist die Fähigkeit, auf eine unmittelbare Belohnung zu verzichten, um eine grössere, in der Zukunft liegende Belohnung zu erhalten.Dazu gehört nicht nur die Wahl zwischen Fernsehabend und Fitnessstudio, sondern beispielsweise auch die Entscheidung, den gegenwärtigen Ausstoss von CO2 zu reduzieren, um die Klimaerwärmung in der Zukunft zu verringern.

In den letzten Jahrzehnten hat die Forschung in Psychologie, Ökonomie und Zoologie gezeigt, dass die Fähigkeit zum Belohnungsaufschub ein zentraler Mechanismus ist, der es Menschen – und Tieren – erlaubt, Entscheidungen zu treffen, die längerfristig optimaler sind, als nur den unmittelbaren Nutzen zu maximieren. Während die Verhaltensgrundlagen intertemporaler Entscheidungen mittlerweile relativ gut verstanden werden, lagen deren neurobiologische Grundlagen jedoch noch weitgehend im Dunkeln. Eine interdisziplinäre, vom Psychologen Dr. Bernd Figner geleitete Studie eines Teams aus Psychologen, Neurowissenschaftlern und Ökonomen hat nun die neurobiologischen Grundlagen des Belohnungsaufschubs aufgezeigt.

Der Versuchung widerstehen
Dazu haben die Forschenden eine nicht invasive Gehirnstimulation (transkranielle Magnetstimulation) angewendet, die eine schmerzfreie und kurzzeitige Minderung der Erregbarkeit des stimulierten Gehirnareals bewirkt. Anschliessend lösten die Probanden mehrere Entscheidungsaufgaben. Wer am Frontalhirn, genauer gesagt, am präfrontalen Cortex, stimuliert wurde, war weit weniger in der Lage, auf eine unmittelbare Belohnung zu verzichten – und liess sich damit grössere, jedoch in der Zukunft liegende Belohnungen entgehen. Damit konnten die Forschenden nachweisen, dass der präfrontale Cortex für den Belohnungsaufschub voll funktionsfähig sein muss.

Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass die Funktion des präfrontalen Cortex darin besteht, Selbstkontrolle auszuüben. Diese erlaubt es, der Versuchung einer kleineren, unmittelbaren Belohnung zu widerstehen und stattdessen die grössere, in der Zukunft liegende Belohnung zu wählen. Wenn die Funktion dieser Hirnregion gestört ist, gelingt dieser Belohnungsaufschub nicht mehr.

Die Resultate sind laut Dr. Bernd Figner und Prof. Daria Knoch auch im Licht der Gehirnentwicklung Heranwachsender interessant: Das Frontalhirn bei Kindern und Jugendlichen hat seinen vollen Funktionsumfang noch nicht erreicht, was ihre Tendenz, auf unmittelbare Belohnungen oft schlecht verzichten zu können, erklären könnte.

 
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