Ein internationales Team schreibt an der Entwicklungsgeschichte der Menschheit. Die Forschenden haben in Südafrika eine neue Hominidenart entdeckt. Die rund 1,9 Millionen Jahre alten Fossilien zeigen Merkmale sowohl der Gattung Australopithecus als auch der Gattung Homo. Die neue Hominidenart Australopithecus sediba könnte deshalb auch eine Ahnenform des Homo sein. Die bisher unbekannte Übergangsform liefert neue Erkenntnisse für den Stammbaum des Menschen.
Am 15. August 2008 fand Matthew Berger, der kleine Sohn des Paläoanthropologen Lee Berger, in Südafrika das Fragment eines menschenartigen Schlüsselbeins. Als erstes Grabungsteam konnte die Swiss Fieldschool des Anthropologischen Instituts der Universität Zürich unter der Leitung von Peter Schmid die neue Fundstelle Malapa nördlich von Johannesburg bearbeiten. Das Zürcher Grabungsteam hat inzwischen mehr als 180 Elemente von mindestens vier Individuen eines bisher unbekannten, möglichen Vorfahren des Menschen gefunden.
Peter Schmid und seine Forscherkollegen der University of the Witwatersrand, der Texas A&M University, der Duke University und der James Cook University haben jetzt in der neuesten Ausgabe von «Science» zwei Typen beschrieben. Das jugendliche Individuum besteht aus einem Schädelfragment, einem Unterkieferfragment, sowie einem Teilskelett. Das erwachsene Individuum umfasst Einzelzähne, Unterkieferfragmente und ein Teilskelett. «Diese Skelette sind besser erhalten und vollständiger als diejenigen der bekannten Lucy» stellt Peter Schmid vom Anthropologischen Institut der Universität Zürich fest.
«Die Fossilien sind zwischen 1,78 und 1,95 Millionen Jahre alt», so Peter Schmid weiter. Die Funde passen zu keiner bisher bekannten Hominidenart – sie bilden deshalb einen neuen Meilenstein in der Geschichte der Menschheit. Aufgrund des Alters und der Morphologie ordnen die Forscher die neue Hominidenart vorsichtigerweise der Gattung Australopithecus zu. Sie gaben ihr den Namen Australopithecus sediba, was in der seSotho-Sprache «Brunnen» oder «Quelle» bedeutet. Die Australopithecinen umfassen verschiedene Arten wie beispielsweise den Australopithecus africanus, den Australopithecus afarensis oder den Australopithecus garhi. Sie sind vor gut 4 Millionen Jahren aufgetaucht und vor circa 1,4 bis 1,5 Millionen Jahren ausgestorben. Sie kommen nur auf dem afrikanischen Kontinent vor und aus ihnen entwickelte sich die Gattung Homo und damit der Homo sapiens.
Wie Peter Schmid und seine Kollegen in «Science» schreiben, besitzt die neue Hominidenart einen relativ kleinen Schädel – ein typisches Merkmal des Australopithecus. Die Schädelkapazität umfasst nur 420 Kubikzentimeter und ist deutlich kleiner als beim Australopithecus africanus mit durchschnittlich 480 Kubikzentimetern.






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