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Sonderklasse erschwert Berufsbildung
Verbessert schulische Integration von „Lernbehinderten“ deren spätere berufliche und soziale Situation? Eine Studie gibt nun eindeutige Antworten auf diese Frage.
Ob schulschwache Kinder in Sonderklassen oder in Regelklassen unterrichtet werden sollen, wird in vielen Kantonen kontrovers diskutiert. Besonders brisant ist diese Frage, weil in Sonderklassen, oft auch „Kleinklassen“ genannt, heute Kinder aus sozial benachteiligten Familien, insbesondere mit Migrationshintergrund, übervertreten sind. Zudem sind die Kriterien für eine Sonderklasseneinweisung unklar und hängen stark von regionalen Gegebenheiten ab.
Eine Studie bringt nun Klarheit zu den langfristigen Wirkungen der Separation in Sonderklassen und der Integration in Regelklassen. Bei bildungspolitischen Schlussfolgerungen ist zu beachten, dass sich die Studie nicht auf Kinder mit geistigen Behinderungen in Heilpädagogischen Sonderschulen bezieht.
Abgänger aus Sonderklassen beim Berufseintritt benachteiligt
Junge Erwachsene mit Sonderklassen-Vergangenheit haben in der Regel nur Zugang zu Berufen mit sehr tiefem Anspruchsniveau oder bleiben häufig arbeitslos. Für vergleichbare junge Erwachsene, die jedoch keine Sonderklasse besucht haben, sieht die Berufsperspektive deutlich besser aus. Selbst drei Jahre nach der Schulzeit hat rund ein Viertel der ehemaligen Sonderklassenschülerinnen und -schüler keinen beruflichen Zugang gefunden. Für junge Erwachsene ohne Sonderklassenvergangenheit, aber mit vergleichbarer Schulschwäche, ist diese Gefahr etwa vier Mal kleiner. Sie haben sogar gewisse Chancen auf einen Ausbildungszugang im mittleren oder höheren Segment. Dies ist für ehemalige Sonderklassenschülerinnen und schüler kaum je der Fall. Während des Übergangs in die Berufsausbildung brechen sie häufig mehrere berufliche Einstiegsversuche ab.
Die Studie zeigt zudem, dass der Selbstwert der jungen Erwachsenen aus Sonderklassen tiefer ist als bei vergleichbar schwachen ehemaligen Regelklassenschülerinnen und -schülern. Sie verfügen über bedeutend kleinere Beziehungsnetze als vergleichbare junge Erwachsene aus Regelklassen. Das sind Hinweise auf eine wenig erfolgreiche gesellschaftliche Eingliederung.
Positive Auswirkungen von Integrationserfahrungen in der SchulzeitWeiter belegen die Resultate, dass sich eine gute Integration während der Schulzeit im jungen Erwachsenenalter mehrheitlich auszahlt. Schulische Integrationserfahrungen tragen zu wohlwollenden Einstellungen gegenüber Ausländerinnen und Ausländern bei. Wenn jedoch positive Integrationserlebnisse während der Schulzeit fehlen, ist mit eher ausländerfeindlichen Einstellungen im jungen Erwachsenenalter zu rechnen. Die Studie erbringt bildungs- und sozialpolitisch bedeutsame Zusammenhänge: Wer in der Schulzeit mehr persönliche Kontakte zu ausländischen Schülerinnen und Schülern hatte, der hat auch als Erwachsener mehr Kontakte und positivere Einstellungen zu Ausländerinnen und Ausländern. Eindrücklich zeigt sich dies bei Freundschaften: Junge Schweizerinnen und Schweizer, die in der Schulzeit bereits ausländische Freundinnen und Freunde hatten, besitzen auch im jungen Erwachsenenalter häufiger enge Bezugspersonen mit ausländischer Nationalität. Positiv erlebte Kontakte mit Kindern anderer Herkunft können sich somit nachweislich über die Schulzeit hinaus bis zu den Kontakten im jungen Erwachsenenalter fortsetzen.
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