
Karte der Schweiz mit 1.3 Millionen Nachbarschaften. Die Nachbarschaften mit dem niedrigsten sozio-ökonomischen Status sind in dunkelrot, diejenigen mit dem höchsten Status in dunkelgrün abgebildet. Grafik: ISPM, Universität Bern
Leben wir in einer Nachbarschaft mit einem tiefen sozioökonomischen Status, ist unser Sterberisiko erhöht: Diesen Zusammenhang haben Forschende mit einem neuen Index für die Schweiz nachgewiesen.
Dass sowohl unser sozioökonomischer Status als auch das regionale Umfeld Einfluss auf unsere Gesundheit haben, ist bereits bekannt. In der Schweiz gab es aber bisher keinen Index, um die nähere Nachbarschaft, in der wir leben, diesbezüglich zu beschreiben. Eine Gruppe um den Doktoranden Radoslaw Panczak und Professor Matthias Egger vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin (ISPM) der Universität Bern hat jetzt in Zusammenarbeit mit Forschenden in Lausanne und Bristol (UK) einen solchen Index entwickelt.
Dazu bestimmten sie für jedes Gebäude in der Schweiz die unmittelbare Nachbarschaft. Diese bestand aus rund 50 der umliegenden Häuser. Basierend auf den Mieten, der Bildung, den Berufen und den Wohnverhältnissen wurde der nachbarschaftliche sozioökonomische Index von insgesamt 1.27 Millionen Häusern errechnet. Die Daten stammten aus den anonymisierten Angaben der Volkszählung 2000 und wurden mit unabhängigen Daten über Einkommen und Sterberaten von 2001 bis 2008 kombiniert. Daraus entstand der «Swiss neighbourhood index of socioeconomic position» (Swiss-SEP), dessen Ergebnisse nun im «Journal of Epidemiology & Health» publiziert wurden.
Niedrigste Index-Kategorie weist höchstes Sterberisiko auf
Der Index wurde in zehn Kategorien unterteilt, mit 1 als tiefstem und 10 als höchstem Indexwert. Anhand dieser Kategorien analysierten die Forschenden die Sterblichkeit in der Schweizer Kohortenstudie (Swiss National Cohort). Dabei zeigten sich je nach Wohnort für einige Todesursachen beträchtliche Unterschiede im Sterberisiko. Insgesamt war das Risiko, von 2001 bis 2008 zu sterben, in Haushalten in der niedrigsten Index-Kategorie um 40 Prozent höher als in den Haushalten in der höchsten Kategorie.
Am stärksten erhöht war das Risiko für den Tod durch Verkehrsunfälle, Atemwegserkrankungen, Lungenkrebs sowie Herzinfarkte. Hingegen war das Suizidrisiko in den Haushalten der niedrigsten Kategorie tiefer als in jenen der höchsten Kategorie. Die Forschenden erklären dies durch die in der Schweiz nicht ausdrücklich geregelte Suizidbeihilfe, die Studien zufolge vor allem in gut gebildeten, urbanen Schichten praktiziert wird.




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