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Alte Drucke per Mausklick verfügbar
Schweizer Bibliotheken machen neu ihre kostbaren Drucke auf der Web-Plattform e-rara.ch zugänglich. Die Plattform startet mit über 800 Büchern aus dem 16. bis ins 19. Jahrhundert und soll bis Ende 2011 mehrere tausend Titel umfassen.
Wertvolle Bücher aus Schweizer Bibliotheken sind begehrt. Jährlich kommen Dutzende von Forschenden aus aller Welt in die Schweiz, um diese Drucke zu studieren, und die Bibliotheken erhalten fast täglich Anfragen für Kopien der interessanten Quellen. Viele Wissenschaftler sind darauf angewiesen, sich die seltenen Werke, die nicht in modernen Editionen greifbar sind, ansehen zu können. Sie auf dem Web allen zugänglich zu machen, bedeutet deshalb eine enorme Erleichterung für die nationale und internationale Forschung. Aber auch interessierte Laien werden von einem solchen Angebot profitieren. Mit e-rara.ch machen Schweizer Bibliotheken ihre bibliophilen Kostbarkeiten per Mausklick verfügbar und schaffen so einen neuen Zugang zum gedruckten Kulturerbe.
E-rara.ch ist ein nationales Gemeinschaftsprojekt, das im Rahmen des Schweizer Innovations- und Kooperationsprogramms E-lib.ch: Elektronische Bibliothek Schweiz realisiert wird. Kooperationspartner sind die Bibliothèque de Genève, ETH-Bibliothek Zürich, Universitätsbibliothek Basel, Universitätsbibliothek Bern und die Zentralbibliothek Zürich. Die Partner digitalisieren die Bücher mit modernsten Technologien dezentral an den einzelnen Standorten. Die Projektleitung sowie Hosting und Betrieb der Plattform liegen bei der ETH-Bibliothek. Als erster Schwerpunkt werden die Schweizer Drucke des 16. Jahrhunderts online veröffentlicht. Die Plattform dient jedoch darüber hinaus als Gefäss für alle digitalisierten alten Drucke — von den Anfängen des Buchdrucks bis etwa 1900 — aus Schweizer Bibliotheken. Die Plattform soll bis zum Ende des Projekts mehr als 10’000 Titel und damit rund 2.5 Mio. Seiten umfassen und wird nach 2011 kontinuierlich erweitert.
Goldenes Zeitalter des Buchdrucks
Zuerst einen Schwerpunkt auf die Drucke des 16. Jahrhundert zu legen, ist gleich aus mehreren Gründen sinnvoll. Ganz allgemein gilt das 16. Jahrhundert mit seinen Bibelausgaben, Prachtdrucken, Kartenwerken, Reformations- und Flugschriften als das "goldene Zeitalter" des Schweizer Buchdrucks. Während die Basler Drucke zu Themen wie Humanismus, Medizin (Vesal, Paracelsus) und antiken Klassikern in der europäischen Geistesgeschichte eine wichtige Rolle spielten, waren die Zürcher und Genfer Drucke für die Reformation (Zwingli, Bullinger, Calvin, usw.) und deren internationale Rezeption besonders bedeutungsvoll.
Bedeutung von e-rara.ch
Schon seit Jahren hegen die Schweizer Bibliotheken den Wunsch, ihre alten Drucke koordiniert zu digitalisieren, aber es fehlte an Ressourcen und konkreten Initiativen. «Die Schweiz ist in Sachen Digitalisierung im internationalen Vergleich im Rückstand. In Deutschland werden ähnliche Projekte mit Millionenbudgets gefördert», so Projektleiterin Franziska Geisser. «Mit e-rara.ch gelingt es aber, diesen Rückstand schnell wettzumachen — zumal auch weitere Bibliotheken Interesse an diesem Projekt haben.» E-rara.ch ist die erste nationale Initiative dieser Art, die über die Sprachgrenzen hinweg und mit einer grossen inhaltlichen Breite Schweizer Kulturgut dauerhaft auffindbar und verfügbar macht.
Hoher Qualitätsanspruch
Die Kooperationspartner waren sich einig, dass die neue Plattform hohen Qualitätsansprüchen genügen muss. Die digitalisierten Drucke stehen in einer Auflösung von 300 dpi bereit und sind damit am Bildschirm gut lesbar — fast so, als hätte man das Original in Händen. Da eine Volltextsuche bei den alten Schrifttypen keine befriedigenden Resultate liefern würde, investierte man beim Projekt in die Strukturierung der einzelnen Bücher. Kapitelüberschriften, Inhaltsverzeichnisse und Angaben über Illustrationen machen die Suche und Navigation benutzerfreundlich. Ganze Bücher und einzelne Kapitel lassen sich im PDF-Format kostenlos herunterladen.
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