Neue Erkenntnisse helfen mit, die Kastration von Kälbern möglichst schmerzfrei zu machen. Die neue Methode kann den Abheilungsprozess um einen Drittel der Zeit reduzieren.
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Tierforschende entwickeln schonende Kastrationsmethode
Jährlich werden in der Schweiz rund 25’000 Kälber im Rahmen der Nutztierhaltung kastriert. Die Bedingung für den äusserlichen Eingriff ist nach eidgenössischer Tierschutzverordnung aus dem Jahr 2001 eine Anästhesie des Tieres. Die Schweiz ist zusammen mit österreich europaweit das einzige Land, das verlangt, die Tiere jeden Alters für den Eingriff schmerzunempfindlich zu machen.
Bei der Kastration wird über den Hoden ein Gummiring um das Gewebe gelegt, welches in der Folge nicht mehr durchblutet wird. Der Abheilungsprozess, bis der Körper den abgebundenen Körperteil abgestossen hat, geht mit einer Entzündung des Gewebes einher, die dem Tier einige Zeit Schmerzen bereitet. Tierärzte der Nutztierklinik der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern warten nun mit einer Optimierung der Methode auf, welche die Abheilungszeit wesentlich verkürzt und die Schwellung des gesunden Gewebes nach dem Eingriff um rund 75 Prozent verringert.
Abheilungszeit um 30 Prozent verkürzt
«Das Tierwohl ist uns wichtig, weshalb wir nach einer noch besseren Praxis gesucht haben», erklärt Adrian Steiner von der Nutztierklinik. Die Kastration wird in den meisten Fällen von den Schweizer Landwirten selber durchgeführt; die gesetzliche Verordnung erlaubt dies, wenn die Bauern den vom Bund verlangten Kurs zur Schmerzausschaltung absolviert haben.
«In diesen Kursen wird den Bauern bereits die neue Methode aus der Nutztierklinik vermittelt», so Steiner: Bereits zehn Tage nach Anlegung des Gummirings kann nach neuen Erkenntnissen das abgebundene Gewebe durch einen Schnitt abgetrennt werden; damit wird die Entzündungs- und Abheilungszeit um mehr als einen Drittel – auf rund fünf Wochen – verkürzt, als wenn der Gewebeteil vom Körper selber abgestossen werden muss.
Genaue Anleitung in den Kursen
«Selbstverständlich empfehlen wir den Bauern als Erstes, die Herden nach Geschlechtern zu trennen, damit eine Kastration gar nicht erst nötig wird», betont Steiner. Das sei aber je nach Betriebssituation nicht möglich und die männlichen Kälber, die in der Mutterkuhhaltung bis zehn Monate und beim Bioweidebeef bis achtzehn Monate in der Herde sind, bringen unkastriert Unruhe in die Rinderherden. Ebenfalls unterstreicht der Berner Veterinärmediziner die Wichtigkeit einer begleitenden Schmerzmitteltherapie für die kastrierten Kälber.
Zusammen mit einer genauen Anleitung zur neuen Kastrationsmethode werden den Bauern in den Kursen des Bundesamtes für Veterinärwesen (BVET) zur Schmerzausschaltung und Kastration weitere Empfehlungen und Hintergrundwissen über den tierschonenden Eingriff mitgegeben. Adrian Steiner ist sicher, dass dadurch das Tierwohl in der Nutztierhaltung noch verbessert werden kann.
Bibliographische Angaben:
Johanna Becker, Marcus G. Doherr, Rupert M. Bruckmaier, Michèle Bodmer, Patrik Zanolari, Adrian Steiner: Acute and chronic pain in calves after different methods of rubber-ring castration, The Veterinary Journal, May 2012, DOI: http-//dx.doi.org/10.10#4281449
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