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Böögg ist guter Klimaprognostiker

Böögg ist guter Klimaprognostiker
Explodiert der Kopf des Sechseläuten-Bööggs rasch, soll ein schöner Sommer in der Schweiz folgen. Diese Legende ist zwar längst widerlegt, jetzt haben aber Wissenschafter nachgewiesen, dass die Zeiten bis zur Explosion sprunghafte Wechsel im globalen Klima vorhersagen.
Klimawissenschafter am Wasserforschungsinstitut Eawag haben für die Periode von 1965 - 2010 die Überlebenszeiten des Sechseläuten-Bööggs mit statistischen Methoden untersucht und Erstaunliches herausgefunden. Aus früheren Untersuchungen war bereits bekannt, dass die Zeit bis zur Explosion des Kopfes («head-bang time», HBT) keine zuverlässigen Hinweise auf das Wetter im folgenden Sommer liefert. Die neuen Analysen der Eawag-Forscher zeigen jetzt, dass die HBT jedoch ein sehr guter Indikator für künftige Änderungen im globalen Klimasystem ist.
Aus einer kurzen HBT kann also nicht auf einen schönen Sommer geschlossen werden. Doch sind die HBTs seit 1990 eindeutig kürzer als in der Periode von 1973-1989. Das stimmt sehr gut mit einem sprunghaften Wechsel zu einer ganzen Serie von deutlich wärmeren Jahren überein, den Klimaforschende weltweit 1989 feststellen, bisher aber keine Ursache dafür gefunden haben. Auch ein früherer Wechsel des Klimaregimes, ein Anstieg der globalen Niederschlagsmengen um 1976, hätte sich mit der HBT vorhersagen lassen. «Hier hat die Analyse der Datenreihe den Sprung bereits auf 1973 gelegt. Das ist aber immer noch sehr präzise», sagt Umweltwissenschafter Matthias Brennwald, der Hauptautor der heute im renommierten Online-Journal «arXiv» der Cornell University publizierten Studie. Vor allem, so Brennwald, zeigen die Daten, dass die Lebenszeit des Bööggs nicht vom globalen Klima abhänge, sondern dass die HBT ihrerseits als Prognosegrösse für den Klimawandel verwendet werden könne.
Brennwalds Abteilungsleiter an der Eawag, der Geophysiker und ETH-Professor Rolf Kipfer, hat die statistische Analyse zunächst mit viel Skepsis aufgenommen. Er hat die Ergebnisse zusammen mit seinem Eawag-Kollegen David Livingstone, einem ausgewiesenen Experten für die Analyse von Klimadatenreihen, genaustens geprüft. Aber sie konnten kein Haar in der Suppe finden: «Wir haben alles Unmögliche eliminiert, also muss das scheinbar Unwahrscheinliche die Wahrheit sein», sagt Kipfer. Eine wissenschaftlich nachweisbare Erklärung für die hohe Übereinstimmung hat sein Team allerdings noch nicht gefunden. «Wir vermuten, dass ein Zusammenhang besteht zwischen der aktuellen head-bang time und darauf folgenden Aktivitäten im nahe gelegenen Zürcher Finanzzentrum», sagt Brennwald. Oder anders ausgedrückt: Bankfachleute scheinen dem Böögg mehr zu trauen als komplizierten Prognosemodellen. Sie treffen ihre ökonomischen Entscheidungen aufgrund der HBT, und die entsprechenden Konsequenzen auf die globale Wirtschaft bewirken indirekt Veränderungen im globalen Klimasystem.
Originalpublikation: Böögg Bang drives global climate change ; M.S. Brennwald, D.M. Livingstone, R. Kipfer; arXiv [physics.geo-ph]; 2011. / [pdf], in English only, 0.5 MB, Download ab: http://arxiv.org/
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