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Die eigenen Gefühle in den Griff bekommen
Rot hervorgehoben sind die stärker, blau die reduziert aktivierten anatomischen Zonen; gelb umkreist ist die linke Amygdala (Mandelkern). Dargestellt sind die Aktivierungen während der emotionalen Introspektion («Wie fühle ich mich?»): Während die Regionen, die für Selbst-Repräsentation und körperliche Empfindungen bekannt sind, erwartungsgemäss stärker aktiviert sind (rot), ist die Amygdala-Aktivität herunterreguliert (blau).
Die eigenen Gefühle unter Kontrolle zu haben, ist gelegentlich schwer. Nun haben Forscher der Universität Zürich erstmals auf neurobiologischer Ebene nachgewiesen, dass schon das einfache achtsame Wahrnehmen der eigenen Gefühle beruhigend sein kann. Die Ergebnisse der Studie, die von grundlegender Bedeutung für den Umgang mit unseren Gefühlen sind, werden in der April-Ausgabe des Wissenschaftsjournals NeuroImage publiziert.
Die Hirnaktivität von dreissig gesunden Versuchspersonen wurde mittels funktioneller Magnetresonanz-Tomographie erfasst, während sie sich in zweierlei Hinsicht mit sich selbst auseinandersetzten: Einerseits vergegenwärtigten sie sich mit der Frage «Wie fühle ich mich?» bewusst ihre aktuellen Gefühle und körperlichen Empfindungen. Andererseits dachten sie aktiv über sich selbst nach, indem sie sich fragten: «Wer bin ich?». Dabei zeigte sich, dass beide selbst-bezogenen Aufgaben mit neuronalen Aktivierungen in Mittellinien-Regionen des Stirnhirns einhergingen, bei der kognitiv-selbstreflexiven Aufgabe (Wer bin ich?) lag diese weiter vorne, bei der emotional-introspektiven (Wie fühle ich mich?) weiter hinten.
Besonders interessant dabei war, dass das Achten auf die Gefühle die Aktivität in den emotionsverarbeitenden Mandelkernen reduzierte. Denn die Mandelkerne aktivieren sich grundsätzlich bei emotionaler Erregung und zwar umso stärker, je intensiver die aktuellen Emotionen, zum Beispiel die Ängste, sind. Uwe Herwig von der Klinik für Soziale Psychiatrie und Allgemeinpsychiatrie der Psychiatrischen Universitätsklinik und Leiter der Studie bringt das entscheidende Ergebnis auf den Punkt: «Die Versuche zeigen, dass wir schon durch momentanes achtsames Vergegenwärtigen und Beobachten der eigenen Empfindungen unsere emotionsbezogene Hirnaktivität regulieren und uns so gewissermassen beruhigen können.»
Diese Erkenntnis ist von grundlegender Bedeutung für den alltäglichen Umgang mit unseren Gefühlen, insbesondere mit den unangenehmen. Denn wenn wir uns über etwas aufregen oder uns ängstigen, kann so schon das Gewahrwerden der Empfindungen während der Aufregung helfen, sich von ihr zu distanzieren und sich zu beruhigen. Mit anderen Worten: Wenn ich mich aufrege und darauf achte, wie sich diese Aufregung anfühlt, dann rege ich mich auch schon wieder ab. Wie der Wecker, der mit dem Klingeln aufhören kann, sobald ich ihn wahrgenommen habe und ihn abstelle, so können auch die Mandelkerne aufhören, so stark zu «feuern», sobald wir das emotionale Signal registriert haben. Wichtig dabei ist, dass dieses Mittel jedem und jederzeit zur Verfügung steht.
Die Befunde stützen zudem bestehende psychotherapeutische Anwendungen zum Beispiel beim Umgang mit Stress und zur Vorbeugung von Depressionen. Uwe Herwig hofft, dass es in Zukunft möglich sein wird, auch den biologischen Hintergrund von persönlichen Schwierigkeiten mit der Emotionsregulation gezielter zu erfassen sowie – unter anderem – antidepressive Therapieerfolge neurobiologisch überprüfen und geeignete Therapien vorhersagen zu können. «Ausserdem», fasst er den weiteren Nutzen dieser Erkenntnisse wie auch deren Bedeutung zusammen, «könnte wissenschaftlich untersucht werden, ob die Echtzeit-Rückmeldung der Hirnaktivität genutzt werden kann, um die psychische Emotionskontrolle besser zu üben. Dies würde eine neue Qualität der Verknüpfung von Psychotherapie und Biologie bedeuten.»
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