ETH-Tag 2011: Qualität der Lehre sichern

Rektorin Heidi Wunderli-Allenspach hat am heutigen ETH-Tag die Einbettung der ETH-Ausbildung ins duale Bildungssystem thematisiert. In ihrer Rede wies sie darauf hin, dass der Fokus auch in Zukunft primär auf der Sicherung der hohen Qualität liegen müsse und nicht auf der Messung quantitativer Aspekte – was auch bedeute, ohne „Wenn und Aber“ ins duale System zu investieren

Der ETH-Tag ist ein festlicher Anlass mit langer Tradition, der die Gelegenheit bietet, auf das vergangene Jahr Rückschau zu halten, aber auch in die Zukunft zu blicken. Es ist der Tag der Lehre, an dem diese «selbstbewusst aus dem Schatten ihrer attraktiveren Schwester, der Forschung, tritt», wie ETH-Rektorin Heidi Wunderli-Allenspach dies in ihrer Rede formulierte. Die Qualität der Lehre sei um jeden Preis zu sichern, so die Rektorin, die verschiedene Elemente des Qualitätssicherungssystems erwähnte. Klar sei aber auch, dass «die Schere, die sich zwischen den Mitteln des Bundes und der Zunahme der Studierenden auftue, alarmierend sei». Die steigenden Studierendenzahlen, vor allem in den Ingenieur- und Naturwissenschaften, seien erfreulich, aber dies dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass Kennzahlen wie die Neueintritte oder Abschlüsse nur etwas über die Quantität und nicht über die Qualität aussagen.

Hohe Maturandenquote nicht automatisch ein Mehrwert

Die Frage, ob die Schweiz eine höhere Maturandenquote brauche, müsse im Kontext des dualen Bildungssystems betrachtet werden. Dieses sei ein international anerkanntes Erfolgsmodell und es gäbe keinen Grund, «über Szenarien für einen Sanierungsfall nachzudenken, auch wenn unser Bildungssystem Verbesserungspotential hat,» so Wunderli-Allenspach. Es stelle sich jedoch die Frage, wie die Leistung in den Kernfächern wie Mathematik und der Erstsprache verbessert werden könne. Es habe sich gezeigt, dass die Leistungen bei einer tiefen Maturandenquote signifikant besser sind als bei einer hohen Quote. Zudem hätten Länder wie z.B. Finnland mit einer Maturandenquote von 90% eine erschreckend hohe Jugendarbeitslosigkeit von über 20%. Eine hohe Maturandenquote stelle also nicht automatisch einen Mehrwert dar, so die ETH-Rektorin.

World Food System: Das neue Kompetenzzentrum

Einen zweiten thematischen Schwerpunkt am ETH-Tag bildete die Präsentation des World Food System, das die Forschung im Bereich Welternährungssystem bündelt. Das ETH-Kompetenzzentrum, welches Professorinnen und Professoren unterschiedlicher Disziplinen miteinander vernetzt, wurde 2011 gegründet. Zusammen mit drei Studierenden stellte die Leiterin, Nina Buchmann, am ETH-Tag die Arbeit des Kompetenzzentrums anhand ihrer Forschungsaktivitäten vor. So untersuchen die jungen Wissenschaftlerinnen zum Beispiel, welche Folgen steigende Nahrungsmittelpreise auf die Ernährung der Stadt- und Landbevölkerung haben oder wie sich die Kraftfutterreduktion auf verschiedene Kuhtypen auswirkt.

Umfassendes Problemverständnis nötig

Auch der diesjährige Festredner, Bernard Lehmann, seit 1. Juli 2011 Direktor des Bundesamtes für Landwirtschaft, sprach über die Herausforderungen eines funktionierenden Welternährungssystems. Wichtig sei, so Lehmann, ein umfassendes Problemverständnis, das alle Faktoren von der Nutzung und Schonung der natürlichen Ressourcen, über den Verbrauch der Nahrungsmittel bis hin zur Rezyklierung der Stoffe berücksichtige. Effektive und effiziente Lösungsansätze könnten nur auf der Basis von naturwissenschaftlich-technischer Forschung erarbeitet werden, die dann zwingend mit Erkenntnissen aus Sozialwissenschaften und der Ökonomie verbunden werden muss. Er stelle mit Genugtuung fest, «dass die ETH Zürich Voraussetzungen geschaffen und ein Cluster von Forschenden in neuen Departementsstrukturen und über die Departemente hinweg aufgebaut hat, um diese Herausforderungen anzugehen», lobte Bernhard Lehmann seine ehemalige Wirkungsstätte.

Zwei Ehrendoktoren, ein Ehrenrat

Weitere Höhepunkte des ETH-Tags sind jeweils die Vergabe der Ehrendoktorwürde und die Ernennung der Ehrenräte. Der Japaner Kazuo Okamoto erhielt die Ehrendoktorwürde für seine innovativen Technologien, welche Sicherheit, Umweltfreundlichkeit und Kosteneffizienz von Fahrzeugen verbessern. Gerhard Wegner — der zweite Ehrendoktor — ist bekannt für seine kreativen Beiträge zur Polymerwissenschaft. Besonders seine Einsichten in die chemischen und physikalischen Zusammenhänge bei weicher Materie finden weltweit Beachtung.

Eduard Rikli erhielt den Titel eines Ehrenrates. Er hat als Mitglied des Vorstandes von Swissmem und Leiter des Industrial Advisory Boards des ETH-Departements Maschinenbau und Verfahrenstechnik entscheidend dazu beigetragen, eine tragfähige Brücke zwischen Hochschule und Industrie zu schlagen.

Goldene Eulen für gute Lehre

Traditionellerweise werden auch die besten Lehrkräfte am ETH-Tag ausgezeichnet. Der Verband der Studierenden an der ETH Zürich (VSETH) verlieh je einer resp. einem Dozierenden pro Departement die Goldene Eule für besonders engagierte und exzellente Lehre. Alle Gewinnerinnen und Gewinner einer Goldenen Eule sind automatisch für den Credit Suisse Award For Best Teaching nominiert, welcher dieses Jahr an Donald Hilvert vom Departement Chemie und Angewandte Biowissenschaften ging.

Liste der Preisträger und Preisträgerinnen
Die Namen und Kurzbiographien der diesjährigen Ehrendoktoren, sowie eine Liste aller Preisträger und Preisträgerinnen des ETH-Tags 2011 unter:
http://www.ethz.ch/news/ethtag/impressionen11/ehrungen_preise


 
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