SwissCube im All unterwegs

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SwissCube im All unterwegs

SwissCube, der erste komplett in der Schweiz gebaute Satellit, wurde von der indischen Raketenbasis Sriharikota aus ins All geschickt. Er wird Messungen in der Atmosphäre vornehmen.

Vor genau zwei Monaten hat SwissCube die Schweiz Richtung Indien verlassen. myScience.ch hat darüber berichtet. Nun hat SwissCube unsere Erde endgültig hinter sich gelassen. Die indische Trägerrakete «Polar Space Launch Vehicle» startete am 23. September 2009 mit dem von der ETH Lausanne (EPFL) und ihren Partnern gebauten Satelliten SwissCube um 08.22 Uhr Schweizer Zeit. Zwanzig Minuten später, in fast 720 Kilometern Höhe, löste sich SwissCube von der Trägerrakete. Um 09.37 wurden die ersten jemals von einem Schweizer Satelliten ins All gesendeten Signale in Stanford (USA) empfangen. Nach dreieinhalb Jahren Bauzeit nimmt der zehn Zentimeter Seitenlang und 820 Gramm leichte SwissCube nun seine Messungen im All auf: Mission erfüllt.

Neue Erkenntnisse zum Nachthimmelleuchten  

Mit seinem Teleskop soll SwissCube das Nachthimmelleuchten (Airglow) an der Grenze der Erdatmosphäre beobachten. Bei diesem Phänomen spalten sich in hundert Kilometern Höhe Sauerstoffmoleküle durch Sonneneinstrahlung. Vereinigen sich die Moleküle wieder, entsteht ein schwaches Leuchten im Infrarotbereich. SwissCube soll das Airglow besonders während des Tag-Nacht-Wechsels besser erforschen.  

Daneben verfolgt SwissCube auch ein pädagogisches Ziel: Am Bau haben sich fast zweihundert Studierende der EPFL, der Fachhochschule Westschweiz (HES-SO), der Universitäten Bern und Neuenburg und der Technischen Hochschule Brugg (FHNW) beteiligt. Für die jungen Ingenieur/innen bot die Konzeption, das Design und der Bau des Satelliten die einmalige Gelegenheit, bei einem Raumfahrtprojekt von den ersten Ideen bis zum Raketenstart dabei zu sein. Die Dimension geht über ein reines Studienprojekt hinaus: Der Umsatz der Schweizer Raumfahrtindustrie beläuft sich jährlich auf über zweihundert Millionen Franken.  

Ein innovativer low-cost-Satellit  

Die Gesamtkosten inklusive Start betrugen nur 600’000 Franken. Zum Vergleich: Telekommunikationssatelliten kosten sonst oft mehrere hundert Millionen. Finanziert wurde SwissCube hauptsächlich von Ruag Space, Loterie Romande und dem Bund. Daneben trugen zahlreiche Schweizer (Centre Suisse de l’Electronique et de Microtechnique (CSEM), EOTEC, BOBST, Stadt Le Locle) und europäische Partner (EADS-Astrium) zur Finanzierung des Projekts bei.   Um die Kosten so tief wie möglich zu halten, verwendeten die Konstrukteure Standard-Elektrokomponenten. Wenn sie für die Raumfahrt zertifiziert sind, kosten solche Bestandteile schnell das Zehntausendfache. Die schwierigste Herausforderung beim Bau war die Grösse. Im Weltraum treten enorme Temperaturunterschiede von -50 bis +70 Grad Celsius auf. Zudem ist das Material durch die starke Sonneneinstrahlung oder die Luftleere extremen Belastungen ausgesetzt. Die starken Schläge beim Start erlauben nicht den geringsten Fehler in den Schweissnähten. Jedes auch noch so kleine Einzelteil durchlief daher zahlreiche Belastungstests.   Ein enges finanzielles Korsett kann manchmal auch als Innovationsfaktor wirken. Die Ingenieure haben ein System aus Kupferblöcken entwickelt, das die Solarzellen des Satelliten mit seinen Wänden verkoppelt und die elektrische Ladung ins Innere des Satelliten leitet. Beim Experimentieren mit Grösse, Form und Abstand der Kupferblöcke haben die Forschenden eine kostengünstige und zugleich effizientes System entwickelt, welche künftig die Kosten von kommerziellen Satelliten senken könnte.  

Eine Erdumrundung in 99 Minuten  

SwissCube wird zwischen drei Monaten und einem Jahr im All bleiben. Er fliegt mit einer Geschwindigkeit von über sieben Kilometern pro Sekunde, umrundet also alle 99 Minuten die Erde. Ein- bis zweimal pro Tag gelangt der Satellit in die Reichweit der Bodenstationen der EPFL und der HES-SO in Freiburg. Für die Übermittlung der hochkomplexen Daten wie die Bilder des Teleskops, die Temperaturmessungen oder Angaben über die elektrische Spannung bleiben nur zirka zehn Minuten. Neben den wissenschaftlichen Informationen über das Airglow erwarten die Forschenden auch wertvolle Daten, um einen weiteren Schweizer Satelliten zu bauen. Neue Projekte sind bereits in Planung.

Kontakt

Maurice Borgeaud, Tel. +41 (0)79 593 87 33

PhC