Krebs kann ausgehungert werden

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Microscopic photograph of a tumour section surrounded by healthy tissue. Tumour

Microscopic photograph of a tumour section surrounded by healthy tissue. Tumour blood vessels are represented in red, healthy tissue is coloured in green. (Photo: Philochem AG)

Forschende haben einen neuen Ansatz entwickelt, um Krebs zu bekämpfen. Mit einem doppelfunktionalen Molekül werden Blutgefässe im Umfeld eines Tumors zum Absterben gebracht, wodurch der Tumor «ausgehungert» wird. Die neue Methode hat gegenüber bestehenden eine Reihe von Vorteilen.

Moderne Krebsmedikamente, die biotechnologisch hergestellt werden, basieren häufig auf Antikörpern. «Meistens kommen diese Antikörper unverändert zum Einsatz, was allerdings — mit wenigen Ausnahmen — nicht sehr effizient ist», sagt Dario Neri der ETH Zürich. Ein bedeutender Trend in der Entwicklung von neuen Chemotherapeutika ist daher, die Antikörper zu «bewaffnen», beispielsweise indem man sie an einen zelltötenden Wirkstoff koppelt, um deren Effizienz zu erhöhen.

Die Wissenschaftler haben einen solchen bewaffneten Antikörper entwickelt. In Laborversuchen konnten sie zeigen, dass damit behandelte krebskranke Mäuse rund doppelt solange überlebten als ohne Behandlung.

Geringeres Risiko für Resistenzen

Neris vielversprechender Ansatz unterscheidet sich in mehreren Punkten von anderen sich in Entwicklung befindenden bewaffneten Antikörpern. Die Makromoleküle der Forschenden richten sich nicht gegen Krebszellen direkt, sondern gegen neugebildete Blutgefässzellen im Umfeld des Tumors. Dadurch wird die Nährstoffzufuhr des Tumors unterbunden und dessen Wachstum gehemmt. Dieser Ansatz hat den Vorteil, dass sich damit nicht nur eine bestimmte Krebsart, sondern im Grundsatz alle Krebsarten bekämpfen lassen. Zudem erwarten die Forscher, dass die Krebszellen dadurch weniger schnell Resistenzen gegen Chemotherapeutika bilden.

Weitere Forschungsarbeit nötig

Zum Dritten sind in Neris neuem Ansatz Antikörper und pharmazeutischer Wirkstoff nicht über ein Bindemolekül verbunden, sondern über eine direkte chemische Bindung. «Dadurch wird die Synthese der Makromoleküle einfacher und besser kontrollierbar», sagt Forscher Gonçalo Bernardes. Zudem entfielen dadurch eine Reihe von Problemen, die solche Bindemoleküle potenziell verursachen können.

«Mit der neuen Studie konnten wir zeigen, dass der neue Ansatz funktioniert», sagt Neri. In Mäusen angewandt, hatte das neue Makromolekül eine messbare krebshemmende Wirkung. Von Krebs geheilt wurden die Tiere allerdings nicht. «Bevor das neue Molekül in klinischen Versuchen bei Menschen getestet werden könne, ist daher noch weitere Forschungsarbeit nötig.»