Körbchenmuscheln filtern fünfmal den Rhein

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Muschelproben vom Grund des Bodensees vor und nach dem Waschen und eine Körbchen

Muschelproben vom Grund des Bodensees vor und nach dem Waschen und eine Körbchenmuschel (ca. 2,5 Zentimeter breit). Foto: Madleina Gerecke, Eawag / ETHZ

Die in den 1980er-Jahren in Europa und erst nach 2000 in den Bodensee eingeschleppte Asiatische Körbchenmuschel (Corbicula fluminea) hat sich im Bodensee, vor allem im östlichen Teil, breit gemacht. Nun zeigt eine am Wasserforschungsinstitut Eawag betreute Bachelor-Arbeit einer Umweltnaturwissenschaftlerin der ETH Zürich auf, welche Dimension diese Invasion hat:

Pro Quadratmeter Seeboden zählte sie bis 900 Muscheln. Der an gewissen Stellen fast flächendeckende Teppich aus Körbchenmuscheln kann - für den ganzen See hochgerechnet - täglich etwa 0,16 Kubikkilometer Wasser filtern. Das entspricht 1,85 Millionen Liter pro Sekunde oder gut fünfmal mehr als der mittlere Abfluss des Rheins bei Neuhausen. «Mit diesem Tempo filtern die Muscheln den ganzen See in einem Jahr», schätzt Madleina Gerecke, die Autorin der Studie. Nimmt man nur das Wasser über der Sprungschicht - die «produktive» Zone des Sees, so reduziert sich diese Zeit sogar auf zwei Monate. «Das ist viel mehr, als man bisher angenommen hat», sagt Gereckes Betreuer, Jukka Jokela von der Abteilung Aquatische Ökologie. Und es ist auch rund 2000-mal mehr als was die Wasserflöhe (Daphnien) schaffen. Man müsse daher davon ausgehen, dass die ursprünglich aus Asien kommende Muschel die Verfügbarkeit von Nahrung für das Zooplankton im See stark beeinflusse. Ob die Muschel damit indirekt verantwortlich ist dafür, dass die Fischer aktuell sehr wenige Speisefische fangen im Bodensee? Jokela wagt keine Antwort: «Dazu brauchen wir noch mehr Daten und Analysen zur Dynamik der Muscheln.»