Neue Methode bringt Licht in die Laktoseverdauung

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 (Bild: Pixabay © CC0)

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Rund zwei Drittel der erwachsenen Weltbevölkerung können Laktose (Milchzucker) nicht verdauen, weil ihnen das für den Stoffwechsel erforderliche Enzym fehlt: die Laktase. Die Betroffenen wissen in der Regel nicht, ob ihr Körper den in Milchprodukten enthaltenen Milchzucker aufnehmen kann. Nun haben Forschende von Agroscope und dem Universitätsspital Lausanne (CHUV) herausgefunden, wie man Laktase im menschlichen Körper nachweist und ob der Organismus Laktose verdauen kann. Die neue Methode ist für die Patentierung angemeldet.

Agroscope und das CHUV haben im Rahmen einer vor kurzem im American Journal of Clinical Nutrition publizierten Studie neue Erkenntnisse zur Laktoseverdaulichkeit im Körper entdeckt. Guy Vergères, Leiter der Forschungsgruppe Funktionelle Ernährungsbiologie bei Agroscope, und seine Kollegen vom CHUV, François Pralong und Nathalie Vionnet, leiteten die Forschungsarbeiten in einem gemeinsamen Projekt.

Beweis für Laktosetoleranz?

Schon 10’000 Jahre vor unserer Zeitrechnung konsumierten Hirtenvölker die Milch ihrer Tiere und profitierten dabei von einer genetischen Mutation: Sie behielten die Fähigkeit, Laktase zu produzieren, das Enzym, das für die Verdauung der Laktose im Körper verantwortlich ist. Diese Fähigkeit verschwindet normalerweise nach der Kindheit. Heutzutage kann durchschnittlich ein Drittel der erwachsenen Weltbevölkerung im Körper Laktase produzieren. Weltweit gibt es jedoch beträchtliche Unterschiede: während zum Beispiel 96% der dänischen Bevölkerung Laktose verdauen können, sind es in China 15% und in der Schweiz 80%. Es gibt Menschen, die Milch konsumieren und nicht wissen, dass sie diese nicht verdauen können, während andere auch an Laktoseintoleranz leiden und mit Bauchschmerzen und anderen Magenbeschwerden reagieren.

Galactitol und Galactonat: zwei neue Biomarker

Um herauszufinden, ob der Organismus Milchprodukte verdauen kann, setzten Agroscope und das CHUV moderne Methoden der Metabolomik ein, die es ermöglichen, zahlreiche Moleküle in unserem Stoffwechsel anhand der Masse zu identifizieren. In Blutund Urinproben von den vierzehn Studienteilnehmenden, die Laktose konsumiert hatten, wies das Forscherteam zwei neue Substanzen nach: das Galactitol und das Galactonat. Dies sind Derivate von Galaktose, einem Kohlenhydrat, das im Dünndarm mittels Laktase aus Laktose produziert wird. Mit anderen Worten, Galactitol und Galactonat sind zwei neue Biomarker für Laktaseaktivität: mit Hilfe dieser Moleküle lässt sich Laktase im menschlichen Körper nachweisen.

Interessante Möglichkeiten für die Zukunft

Die Entdeckung des Forscherteams aus Bern und Lausanne leistet einen wichtigen Beitrag zur Ernährungsforschung und erlaubte die Anmeldung eines Patents. Die neue Methode ermöglicht es, die Laktaseaktivität des Körpers direkt zu untersuchen anstatt sie aufgrund der genetischen Anlagen eines Individuums oder anhand von Symptomen wie Verdauungsbeschwerden zu beurteilen.

Für die Zukunft zeichnen sich zwei konkrete Anwendungsbereiche ab: Zum einen könnte die Methode neben anderen bestehenden klinischen Tests zur Diagnose von Verdauungsstörungen infolge Laktosekonsum eingesetzt werden. Zum anderen könnte sie in Form eines Schnelltests einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden. Anhand dieses Tests kann sich der Konsument oder die Konsumentin informieren, ob der Körper Milch verdauen kann und so personalisierte Informationen zur Ernährung erhalten.

Publikation

Nathalie Vionnet, Linda H Münger, Carola Freiburghaus, Kathryn J Burton, Grégory Pimentel, François P Pralong, René Badertscher, Guy Vergères; Assessment of lactase activity in humans by measurement of galactitol and galactonate in serum and urine after milk intake, The American Journal of Clinical Nutrition , Volume 109, Issue 2, 1 February 2019, Pages 470’477, doi.org/10.1093/ajcn­/nqy296