Globale Maßnahmen zur Bekämpfung von pandemiebedingtem Hunger und Armut erforderlich

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Die wirtschaftlichen Folgen dieser Krise für die am stärksten marginalisierten B

Die wirtschaftlichen Folgen dieser Krise für die am stärksten marginalisierten Bevölkerungsgruppen sind weltweit verheerend. (Foto: Swiss TPH)

Der Ausbruch der COVID-19-Pandemie führte weltweit in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen zu einem starken Rückgang des Lebensstandards und einer zunehmenden Ernährungsunsicherheit, so eine neue Studie eines internationalen Teams von Wirtschaftswissenschaftlern, dem auch Mitarbeitende des Schweizerischen Tropenund Public Health-Instituts (Swiss TPH) angehören. Die Studie, die heute in der Fachzeitschrift «Science Advances» veröffentlichte wurde, liefert neue Erkenntnisse über die sozioökonomischen Kollateralschäden der Pandemie und fordert die internationale Gemeinschaft auf, dringend Massnahmen zur Linderung der Krisenfolgen zu ergreifen

Mehr als zwei Millionen Menschen sind mittlerweile der COVID-19-Pandemie zum Opfer gefallen, und die globale Lage bleibt prekär: Zwar sind die Impfungen angelaufen, doch das Virus breitet sich weiterhin und durch neue Mutationen noch schneller aus. Die wirtschaftlichen Folgen dieser Krise für die am stärksten marginalisierten Bevölkerungsgruppen sind weltweit verheerend.

In einer gerade in der Fachzeitschrift Science Advances veröffentlichten Studie gibt ein internationales Team von Wirtschaftswissenschaftlern, darunter auch vom Swiss TPH, detaillierten Einblick in die sozioökonomischen Auswirkungen von COVID-19 in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Für die Studie wurden Zehntausende Haushalte in neun Ländern befragt.

"Wir haben mehr als 30’000 Menschen in Asien, Afrika und Lateinamerika interviewt und mussten einen unmittelbaren, weit verbreiteten Rückgang der Beschäftigung und der Einkommen sowie eine zunehmende Ernährungsunsicherheit feststellen", so Günther Fink, Wirtschaftswissenschaftler und Public Health Spezialist am Swiss TPH. "48 Prozent der Haushalte in ländlichen Regionen Kenias, 69 Prozent der Haushalte von Landarbeitern ohne eigenen Landbesitz in Bangladesch und 87 Prozent der Haushalte in ländlichen Regionen von Sierra Leone sind nach eigenen Angaben dazu gezwungen, während der Pandemie auf bestimmte Mahlzeiten zu verzichten oder die Portionsgrösse der Mahlzeiten zu verkleinern."

Schwerwiegende wirtschaftliche Folgen

COVID-19 und die damit verbundene schwere Wirtschaftskrise stellen für die Bewohner von Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen eine enorme Bedrohung dar. In diesen Ländern, in denen der Grossteil der Weltbevölkerung lebt, fehlt die soziale Absicherung, die in reichen Ländern gegeben ist. Die in der Studie aufgezeigten Erkenntnisse deuten auf schwerwiegende wirtschaftliche Folgen hin, einschliesslich steigender Ernährungsunsicherheit und sinkender Einkommen. Wenn dagegen nichts unternommen wird, könnte dies Millionen hilfsbedürftiger Haushalte in die Armut stürzen.

Die Studie zeigt, dass die Pandemie und die begleitenden Eindämmungsmassnahmen nicht nur zu einer zunehmenden Ernährungsunsicherheit geführt, sondern auch verschiedene andere Aspekte des Wohlbefindens der Menschen sehr eingeschränkt und den Zugang zur Gesundheitsversorgung erschwert haben. Darüber hinaus waren die Schulen in allen Stichprobenländern während des grössten Teils oder des gesamten Erhebungszeitraums geschlossen.

Sofortige globale Massnahmen sind nötig

Trotz des beeindruckenden Tempos, in dem von Wissenschaft und Industrie neue Impfungen entwickelt wurden, wird ein Grossteil der Länder im globalen Süden wesentlich länger darauf warten müssen, bis die gesamte Bevölkerung dort geimpft werden kann. "In der Zwischenzeit werden einkommensschwache Familien weiterhin gegen die extreme Armut und den Hunger ankämpfen müssen", so Fink.

Die Autoren der Studie stützen sich auf fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse, die in jahrzehntelanger Arbeit gewonnen wurden. Sie fordern die internationale Gemeinschaft, einschliesslich Regierungen, Geldgeber und multilateralen Organisationen, dazu auf, Massnahmen zu ergreifen, um die Hungerund Armutskrisen zu entschärfen. Zu diesen Massnahmen gehören zum einen die unmittelbare Bekämpfung von Armut und Hunger, indem Investitionen für Hilfszahlungen und die Ernährungssicherheit intensiviert werden.

Zum anderen sind diejenigen Wiederaufbaustrategien zu priorisieren, die den langwierigen Charakter der Krise berücksichtigen. Die internationale Gemeinschaft kann die Basis für eine langfristige Erholung legen, wenn sie ihre Bemühungen auf fortgesetzte substanzielle wirtschaftliche Hilfen sowie auf die faire und ausgeglichene Verteilung von Impfstoffen konzentriert. Unzureichende Massnahmen zum jetzigen Zeitpunkt werden diese Erholung verzögern und die bestehende Ungleichheit noch verschärfen.

Partner

Die an der Studie mitwirkenden Wissenschaftler stammen aus den folgenden Institutionen: University of California, Weltbank, Innovations for Poverty Action, University of California, Davis, Northwestern University, Global Poverty Lab und die Kellogg School of Management, Yale University, Universität Basel, Schweizerischen Tropenund Public Health-Instituts, Princeton University, Busara Center for Behavioral Economics, Stanford University, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, Columbia University, London School of Economics and Political Science, Vyxer Remit Kenya, American University, Universität Göttingen, Harvard University sowie Universität Wageningen.


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