Schweizer Jugendliche haben mehr Straftaten begangen - und wurden häufiger Opfer

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Im Vergleich zu 2013 gaben mehr Jugendliche in der Schweiz an, dass sie in ihrem
Im Vergleich zu 2013 gaben mehr Jugendliche in der Schweiz an, dass sie in ihrem Leben schon einmal ein Delikt verübt oder Opfer eines Deliktes geworden sind.

Die Zahl der Jugendlichen, die Gewalt ausgeübt oder selbst erfahren haben, hat zugenommen. Dies zeigt eine Studie der ZHAW und der Fachhochschule Westschweiz, bei der schweizweit über 11 000 Schüler:innen befragt wurden.

Im Vergleich zu 2013 gaben mehr Jugendliche in der Schweiz an, dass sie in ihrem Leben schon einmal ein Delikt verübt oder Opfer eines Deliktes geworden sind. Dies geht aus einer repräsentativen Befragung von über 11 000 Jugendlichen im Jahr 2021 hervor. «In der Tendenz bestätigen unsere Ergebnisse die polizeiliche Kriminalstatistik», sagt Co-Studienleiter Patrik Manzoni vom Institut für Delinquenz und Kriminalprävention der ZHAW.

Zugenommen seit der letzten Befragung vor acht Jahren haben vor allem Delikte, die gehäuft im Jugendalter vorkommen. So gaben 29 Prozent (2013: 16 Prozent) der Befragten an, in ihrem Leben schon einmal einen Ladendiebstahl begangen zu haben. Zu Vandalismus bekannten sich 15 Prozent (2013: 11 Prozent), und über 14 Prozent (2013: 11 Prozent) trugen schon mindestens einmal eine Waffe mit sich. Zudem haben sich auch die seltenen aber schwerwiegenderen Raubdelikte verdoppelt (2013: 1 Prozent; 2021: 2,3 Prozent). Die Jugendlichen wurden 2021 erstmals auch zu online ausgeübten Taten befragt. Dabei gaben 8 Prozent an, mindestens einmal in ihrem Leben eine Hassnachricht verschickt zu haben und über 4 Prozent belästigten schon einmal jemanden im Internet sexuell.

Sowohl 2013 wie auch 2021 wurden die Jugendlichen gefragt, ob sie ein bestimmtes Delikt in den vergangenen 12 Monaten vor der Befragung ausgeübt haben. Zunahmen zeigten sich hier bei den häufiger vorkommenden Delikten Ladendiebstahl und Vandalismus sowie bei seltener vorkommenden Delikten wie Raub. Da die Jugendlichen 2021 befragt wurden, sind Einflüsse der Covid-19-Situation möglich.

Insgesamt stieg die Rate an Jugendlichen, die in ihrem Leben schon einmal Opfer eines Deliktes geworden sind, deutlich an. Dies geschieht am häufigsten bei einfachen Diebstählen (43 Prozent), elterlicher Gewalt wie Schlagen, Ohrfeigen und Stossen (33 Prozent) und Drohungen in sozialen Netzwerken (19 Prozent). Was die schwerwiegenden Gewaltdelikte betrifft, so haben fast 9 Prozent der Jugendlichen schon einmal einen körperlichen Angriff und immerhin jede:r Zehnte schwere elterliche Gewalt wie Faustschläge oder Fusstritte erfahren.

Rund 12 Prozent gaben 2021 zudem an, schon Opfer eines Hassverbrechens geworden zu sein, das heisst eines Verbrechens aus Feindseligkeit oder Vorurteilen gegenüber Menschen anderer Herkunft, Hautfarbe, Religion oder sexueller Orientierung; bei der letzten Befragung 2013 waren erst knapp 7 Prozent von einem sogenannten «Hate Crime» betroffen. Noch mehr Jugendliche, nämlich fast jede:r Fünfte (19 Prozent), erfuhren schon einmal Bedrohungen auf Sozialen Medien. Knapp die Hälfte davon (8 Prozent) berichtete in der aktuellen Studie, dass ein intimes Foto oder Video gegen den eigenen Willen in Sozialen Medien gepostet oder weitergeschickt wurde.

Prävention ist zentral

Trotz der Zunahme werden die meisten Straftaten von einem geringen Prozentsatz der Jugendlichen begangen. Laut der Studie begehen 5 Prozent der Jugendlichen drei Viertel aller berichteten Straftaten. «Um die Jugendkriminalität zu reduzieren, ist es also wichtig, gute Interventionsprogramme für diese jungen Menschen zu entwickeln», sagt Co-Studienleiterin Sandrine Haymoz von der Fachhochschule Westschweiz. Neben gezielter Prävention sind auch Präventionsprogramme, die sich an alle Jugendlichen richten, von Bedeutung. Diese können auf verschiedenen Ebenen durchgeführt werden, beispielsweise in Schulen und Wohnvierteln. Dabei ist die Koordination der Akteur:innen wie Eltern, Lehr-personen, Sozialarbeitenden und Polizei zentral.

Internationale Studie zu Jugendkriminalität und Viktimisierung

Die Studie wurde vom Schweizerischen Nationalfonds gefördert und in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule für soziale Arbeit Fribourg (HETS-FR) der Fachhochschule Westschweiz (HES-SO) zwischen Februar und Mitte Juli 2021 durchgeführt. Teilgenommen haben Schüler:innen im Alter von 14 bis 15 Jahren aus 24 Schweizer Kantonen aus allen Sprachregionen. Die Studie ist Teil der International Self-Report Delinquency Study (ISRD). Diese weltweit grösste internationale Erhebung zur Analyse von Jugendkriminalität und Viktimisierung, an der 53 Länder teilnehmen, wurde zum vierten Mal durchgeführt.