
Wenn Sie Ihre Haut tätowieren, "tätowieren" Sie auch Ihr Immunsystem. Dies ist das Ergebnis einer innovativen Studie, die von der Gruppe " Infection and Immunity " des Instituts für Biomedizinische Forschung (IRB) der Università della Svizzera italiana (USI) unter der Leitung von Prof. Santiago F. González durchgeführt und heute in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlicht wurde.
Obwohl Tätowierungen inzwischen sehr weit verbreitet sind - Schätzungen zufolge hat jeder fünfte Mensch mindestens eine -, weiss die Wissenschaft immer noch wenig über die potenziell toxischen Auswirkungen der verwendeten Pigmente, insbesondere über ihre Wechselwirkungen mit dem Immunsystem. Die neue IRB-Studie, die in Zusammenarbeit mit 12 internationalen Gruppen durchgeführt wurde und das Ergebnis von sieben Jahren Forschung ist, analysierte den Weg der Tinte im Körper anhand von Tiermodellen und menschlichen Proben, wobei der Schwerpunkt auf den drei am häufigsten verwendeten Farben lag: Schwarz, Rot und Grün.
Die Tinte erreicht schnell die Lymphknoten
Die Forscher fanden heraus, dass die Tinte nach dem Auftragen einer Tätowierung schnell durch das Lymphsystem wandert und sich innerhalb weniger Stunden in grossen Mengen in den Lymphknoten ansammelt. Dort nehmen Immunzellen, so genannte Makrophagen, alle Arten von Pigmenten auf und lösen eine zweistufige Entzündungsreaktion aus: eine akute Phase, die etwa zwei Tage dauert, und eine chronische Phase, die jahrelang andauern kann.
Diese langanhaltende Entzündung kann das Immunsystem schwächen und die Anfälligkeit für Infektionen und Tumore erhöhen. Die Studie zeigt auch, dass die Makrophagen nicht in der Lage sind, die Tinte abzubauen, was zu ihrem Absterben führt, insbesondere bei roten und schwarzen Pigmenten, was darauf hindeutet, dass diese Farben toxischer sind. Das Ergebnis ist ein ständiger Kreislauf aus Pigmentaufnahme, Zelltod und weiterer Ansammlung von Tinte in den Lymphknoten.
Tattoos und Impfstoffreaktion
Die Studie geht auch einer Frage nach, die während der COVID-19-Pandemie aufkam: Beeinträchtigt eine Tätowierung die Wirksamkeit eines Impfstoffs? In den untersuchten Tiermodellen wiesen tätowierte Mäuse nach der Impfung deutlich niedrigere Antikörperspiegel auf. Ähnliche Auswirkungen wurden auch bei menschlichen Immunzellen beobachtet, die zuvor mit Tinte in Kontakt gekommen waren und eine geringere Immunantwort zeigten.
Neue Forschungsperspektiven
Die Ergebnisse werfen wichtige Fragen zur Sicherheit von Tätowierungen und zum möglichen Zusammenhang zwischen chronischen Entzündungen, die durch Tinten verursacht werden, und anderen Krankheiten wie Krebs oder Autoimmunkrankheiten auf. Weitere Studien werden erforderlich sein, um unser Verständnis dieser Phänomene zu erweitern und sicherere Verfahren für eine zunehmend verbreitete Praxis zu definieren.




