Der chinesische Wirkstoff Tribendimidine könnte einen wichtigen Beitrag zur Behandlung von Leberegelinfektionen leisten

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 Der Verzehr von rohem Fisch birgt das Risiko einer Wurmerkrankung (Bild: Christ

Der Verzehr von rohem Fisch birgt das Risiko einer Wurmerkrankung (Bild: Christian Heuss, Swiss TPH) Kleine Dosis, grosse Wirkung

Der chinesische Wirkstoff Tribendimidine könnte einen wichtigen Beitrag zur Behandlung von Leberegelinfektionen leisten


Bereits eine Dosis von 100mg des chinesischen Wirkstoffs Tribendimidine befreit Patienten von einer Wurminfektion mit dem Saugwurm Opisthorchis viverrini. Das zeigen Resultate einer klinischen Studie des Schweizerischen Tropenund Public Health-Instituts (Swiss TPH) und des National Institute of Public Health (NIOPH) in Laos. Tribendimidine könnte sich somit als viel versprechendes künftiges Präparat gegen Leberegelerkrankungen herausstellen. Die Resultate werden am 27. Juli 2016 in der renommierten Fachzeitschrift Lancet Infectious Diseases veröffentlicht.

8 Millionen Menschen leiden weltweit an einer Wurminfektion durch den Saugwurm Opisthorchis viverrini, der grösste Teil in Laos und Thailand. Der Parasit gelangt durch den Verzehr von rohem Fisch in den Körper, führt zu Entzündungen der Gallenblase und letztendlich zum tödlichen Gallenblasenkrebs. Wissenschaftler des Swiss TPH und NIOPH ermittelten in zwei Phase-2-Versuchen die ideale Dosierung von Tribendimidine, einem chinesischen Medikament gegen Hakenund Spulwurmerkrankungen und bestätigten die Wirksamkeit des Wirkstoffs gegen Opisthorchis viverrini. «Bereits eine niedrige Dosis von Tribendimidine vermag die Betroffenen zu heilen und die Zahl der Wurmeier signifikant zu reduzieren», sagt Studienleiterin Jennifer Keiser vom Swiss TPH.



Der Verzehr von rohem Fisch birgt das Risiko einer Wurmerkrankung (Bild: Christian Heuss, Swiss TPH)


Kleine Dosis, grosse Wirkung

Die Forschergruppe aus Laos und Basel ermittelte in zwei klinischen Versuchen in endemischen Gebieten in Laos die ideale Dosierung von Tribendimidine für Erwachsene und Kinder. Die Resultate zeigen einen Behandlungserfolg bereits bei einer niedrigen Dosierung: 100mg des Wirkstoffs führen zu einer Heilungsrate von 61% und einer Reduktion der Wurmeier von 97% bei Erwachsenen und einer Heilungsrate von über 77% und einer Reduktion der Wurmeier von 99% bei Kindern. Tribendimidine ist somit gleich wirksam wie die herkömmliche Therapie mit Praziquantel. «Der Wirkstoff ist eine gute Alternative zum herkömmlichen Praziquantel, der Standardtherapie gegen Wurminfektionen», sagt denn auch Jennifer Keiser.
Tribendimidine - Ein Wirkstoff mit breitem Anwendungspotential
Die Studie zeigte, dass Tribendimidine über ein sehr breites Wirkspektrum verfügt. Das Medikament kann gegen 20 verschiedene Wurminfektionen, wirksam eingesetzt werden. Es wirkt gegen die weit verbreiteten Spul,-, Haken-, oder Peitschenwürmer, wie gegen den asiatischen Leberegel. Tribendimidine ist somit ein viel versprechender Wirkstoffkandidat, der in weiten Teilen Asiens und Afrikas zur Kontrolle von Leberegelund anderen Infektionen eingesetzt werden könnte.


Vernachlässigte Wurmerkrankungen
Wurmerkrankungen sind eine enorme gesundheitliche Belastung. Über eine Milliarde Menschen sind weltweit von einer Wurminfektion betroffen, viele von ihnen in einkom-mensschwachen Ländern Afrikas und Asiens. Wurminfektionen zählen zu den «vernach-lässigten» Krankheiten, gegen die nur selten neue Medikamente entwickelt werden.



 
 
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