ESA-Ministerratstagung: Schweiz beteiligt sich an neuen Programmen und übernimmt eine Vorreiterrolle in der Beseitigung von Weltraumschrott

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ESA-Ministerratstagung: Schweiz beteiligt sich an neuen Programmen und übernimmt eine Vorreiterrolle in der Beseitigung von Weltraumschrott

Bern, 28.11.2019 - Die Staatssekretärin für Bildung, Forschung und Innovation Martina Hirayama nahm an der Ministerratstagung der Europäischen Weltraumorganisation ESA (‘Space19+’) vom 27. und 28. November 2019 in Sevilla teil. An dieser Tagung, an der sich die für die Raumfahrt zuständigen Ministerinnen und Minister der 22 ESA-Mitgliedstaaten trafen, äusserte sich der Rat zur Weiterführung der laufenden Programme und den neu geplanten Initiativen. Er stellte die Finanzierung der Organisation für die nächsten drei Jahre und für alle Programme sicher.

Die verabschiedeten Beschlüsse zeigen den Willen der Mitgliedstaaten, die politische, institutionelle, programmatische und technologische Stärkung der ESA zu unterstützen, damit die Organisation ihre Rolle als tragende europäische Weltraumakteurin weiterhin wahrnehmen kann. Es wurden insgesamt rund 14,4 Mia. Euro für Europas Zukunft in der Raumfahrt verpflichtet. Die Staaten setzen sich auch für Programme ein, die sich in vier Hauptbereiche einteilen lassen.

Die Schweiz hat dabei ihr Engagement im Weltraumbereich weiter geschärft. Sie trägt weiterhin zur Sicherung eines unabhängigen Zugangs Europas zum Weltraum bei (Trägerraketen Ariane und Vega), beteiligt sich an einem global einzigartigen Umweltbeobachtungsprogramm und übernimmt eine Vorreiterrolle in der Verringerung von Weltraumschrott. Zudem liefert die Schweiz einen Schlüsselbeitrag an einen wiederverwendbaren ‘Mini-Shuttle’ und arbeitet an ‘Artemis’ mit, dem US-amerikanischen Programm zur bemannten Erforschung des Mondes.

Wissenschaft und Erkundung
Die Mitgliedstaaten haben ihr Bekenntnis zur Stärkung des wissenschaftlichen Programms der ESA erneuert. Dabei handelt es sich um ein wegweisendes Programm, das bereits zu mehreren erfolgreichen Missionen geführt hat. Auch Schweizer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern haben dadurch die Möglichkeit, sich an den weltweit fortschrittlichsten Projekten zu beteiligen. Das nächste dieser Projekte ist die ‘CHEOPS’-Mission unter der Leitung der Universitäten Bern und Genf. Der Satellit zur Charakterisierung von Exoplaneten wird voraussichtlich am 17. Dezember 2019 in den Weltraum transportiert. Dank den Investitionen der Schweiz in die ESA können Schweizer Weltraumakteure an internationalen Projekten mitwirken. Ein Beispiel dafür ist die enge Zusammenarbeit der Schweiz mit der NASA in der bemannten Mondmission ‘Artemis’ sowie Beiträge zu künftigen internationalen Erkundungsprogrammen zum Mond und zum Mars.

Schutz und Sicherheit
Die ESA-Mitgliedstaaten haben sich an der Ministerratstagung in Sevilla darauf geeinigt, alle Aktivitäten im Zusammenhang mit der Weiterentwicklung des Programms zur Erfassung der Weltraumlage sowie dem Aufbau eines europäischen Weltraumsicherheitssystems in einem einzigen Rahmenprogramm zu bündeln. Bei einer Teilkomponente des Rahmenprogrammes, der Mission ‘ADRIOS’, übernimmt die Schweiz die Federführung. Ziel dieser Mission ist die aktive Beseitigung von Raumfahrtrückständen (Weltraumschrott). Die ESA hat dazu ein Schweizer Unternehmen mit der Leitung des Industriekonsortiums beauftragt. Im Bereich der optischen und lasergestützten Weltraumbeobachtungen führt die Schweiz ihre Aktivitäten fort und trägt massgeblich zur Katalogisierung und Charakterisierung von Weltraumtrümmern bei.

Im Weiteren unterstützt die Schweiz die Entwicklung einer Mission zur Beobachtung des Weltraumwetters, welches einen direkten Einfluss auf die Verfügbarkeit von Satellitendiensten (Kommunikation, Navigation) sowie auch auf Einrichtungen auf der Erde haben kann. Auch bei einer Mission zum Schutz der Erde vor Asteroideneinschlägen (‘HERA’) und dem Aufbau eines Systems zur automatischen Kollisionsvermeidung zwischen Satelliten (‘CREAM’) engagiert sich die Schweiz.

Dienste und Anwendungen
Die Nutzung der Weltrauminfrastrukturen und -daten veranschaulicht, wie unverzichtbar diese für unsere Gesellschaft sind. Die europäische Raumfahrt hat dies mit der Wahl ihrer Missionen im Bereich der Erdbeobachtung einmal mehr unterstrichen. Diese Missionen werden das Wissen und das Verständnis der Erde und ihrer Prozesse verbessern und die Umweltbeobachtungskapazitäten weiter steigern (u.a. bezüglich Klimawandel, vom Menschen verursachter CO2-Ausstoss, Beobachtung der Polarregionen). Mit ihrem Engagement trägt die Schweiz zu diesen Bestrebungen der ESA bei.

Die ESA hat zudem neue Initiativen im Bereich der optischen Kommunikation und der 5G-Technologien lanciert, darunter Projekte für künftige Infrastrukturen wie etwa Quantenkommunikationsnetze (‘SAGA’). Diese Projekte bieten vielversprechende Nischen, in denen Schweizer Unternehmen und Institute über einzigartige und anerkannte Kompetenzen verfügen. Ortung, Navigation und Timing sind Exzellenzbereiche der Schweiz, die ein strategisches und kommerzielles Potenzial aufweisen. Dabei kommt der Beherrschung der Technologien künftiger Atomuhren eine prioritäre Bedeutung zu.

Weltraumtransport und Technologien
Die Entwicklung von Weltraumtransportsystemen und der damit verbundenen Technologien gewährleistet Europa den unabhängigen Zugang zum Weltraum. Dieser unabhängige Zugang ist einer der Pfeiler der Schweizer Weltraumpolitik. Die hiesigen Unternehmen leisten dazu entscheidende Beiträge und haben durch ihre Mitarbeit an aktuellen und künftigen europäischen Trägerraketen (Ariane 6 und VEGA C), die auf die Marktentwicklung, den zunehmenden Wettbewerb und die Nachfrage nach nachhaltigen Lösungen reagieren, entsprechende Kompetenzen entwickelt. Die Entwicklung und Umsetzung eines ‘Mini Shuttle’ wie ‘Space Rider’ ist ein grundlegender Bestandteil von logistischen Raumfahrtaktivitäten. ‘Space Rider’, der autonom, ökonomisch erschwinglich und wiederverwendbar ist, entspricht zudem der Strategie, die Wettbewerbsfähigkeit auf europäischer Ebene zu stärken.