ETH plant Kompetenzzentrum für ganzheitliche Rehabilitation

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Das ETH-Team von Varileg entwickelt gemeinsam mit dem Anwender das Exoskelett we

Das ETH-Team von Varileg entwickelt gemeinsam mit dem Anwender das Exoskelett weiter. ( ETH Zürich / Alessandro Della Bella)

Mit einer breit angelegten Initiative wollen ETH-Forschende gemeinsam mit Partnern wie Kliniken, Stiftungen und Behörden die Lebensqualität und die Teilhabe von Menschen mit körperlichen Einschränkungen verbessern. Ein Zentrum, das die Kompetenzen an der ETH bündelt, bis zu acht neue Professuren sowie ein neuer Masterstudiengang sind die Kernelemente der Initiative.

Mit den Erfahrungen aus dem Cybathlon 2016 - einem Wettkampf, bei dem Menschen mit Behinderungen alltagsrelevante Aufgaben mittels modernster technischer Assistenzsysteme lösen - veränderte sich Robert Rieners Blick auf die Rehabilitation von Menschen mit körperlichen Einschränkungen. «Ich stellte fest, dass die tatsächlichen Bedürfnisse der Menschen mit einer Behinderung zu wenig in die Entwicklung von unterstützenden Technologien einfliessen, und dass umgekehrt wichtige Ergebnisse aus der Forschung nicht in der Praxis ankommen», sagt Riener, Professor für sensomotorische Systeme an der ETH Zürich und an der Universitätsklinik Balgrist. Doch erst fundiertes Wissen über die Wirkung von Prävention, Therapie und Training ermöglichen es, diese Bereiche zu verbessern. Deshalb will die ETH mit einer neuen Initiative der Forschung und dem Technologietransfer neue Impulse verleihen.

Breit abgestützte Initiative

Aus Rieners Vision einer integrierten, ganzheitlichen Rehabilitation entwickelte sich nun die breit abgestützte Reha-Initiative. Kernstück der Initiative ist ein neues Kompetenzzentrum, in dem Forschende aus unterschiedlichen Disziplinen mit Patientinnen und Patienten, Ärztinnen und Ärzten sowie Behindertenorganisationen und Unternehmen zusammenarbeiten sollen.

«Die Reha-Initiative stellt den Menschen ins Zentrum und bezieht die Betroffenen von Beginn mit in die Forschung ein. Die Initiative stützt sich dabei auf eine breite wissenschaftliche Expertise und deckt auch die Lehre und den Wissenstransfer ab», hebt ETH-Präsident Joël Mesot hervor. Dazu ist die ETH bestens gerüstet. Bereits heute ist rund ein Drittel der Professorinnen und Professoren in verschiedenen Departementen direkt oder indirekt in der medizinischen Forschung tätig. Dazu kommen weitere Kompetenzen, beispielsweise aus den Bereichen Informatik, Robotik, Geisteswissenschaften, Gesundheitsökonomie und Architektur. Dieses Know-how gilt es noch besser zu verzahnen und anderen Partnern in diesem Bereich zugänglich zu machen.

Vier neue Professuren bereits gesichert

Um die Forschung auf diesem Gebiet zu stärken, plant die ETH neben dem erwähnten Kompetenzzentrum auch einen neuen Masterstudiengang in «Rehabilitation Science and Technology» und bis zu acht neue Professuren. In vier Fällen ist die Finanzierung bereits gesichert. So beteiligt sich die Wilhelm Schulthess-Stiftung mit 10 Millionen Franken an der geplanten Professur für Datenwissenschaften für personalisierte Gesundheit. Die Stavros Niarchos Foundation sichert eine äquivalente Anschubfinanzierung für eine Professur im Bereich barrierefreie und inklusive Architektur. Beide Stiftungen engagieren sich zudem als Partner für den Cybathlon, der am 2. und 3. Mai 2020 zum zweiten Mal stattfindet. Zwei weitere Professuren - für mobile Gesundheitssysteme einerseits und für gesundes Altern anderseits - werden von der ETH Zürich selbst finanziert. Weitere vier Professuren sind zu den folgenden Themen geplant: ökonomische Aspekte von Gesundheitstechnologien, Behinderung und Gesundheitstechnologien in der Gesellschaft, Wundheilung sowie personalisierte Gesundheit in der Paraplegiologie. Zu deren Anschubfinanzierung sucht die ETH Foundation weitere Kooperationspartner.

Von den Ergebnissen der Forschung sollen langfristig vor allem Menschen mit physischen Einschränkungen, Unfallpatienten sowie ältere Personen profitieren. Gleichzeitig möchten die ETH-Forschenden auch dazu beitragen, dass ökonomisch tragbare Lösungen für diesen Bereich gefunden werden.

Medienmitteilung