In der Schweiz und in Europa bleibt die Forschung weitgehend eine Männerdomäne

    -     English  -  Français
Die Gleichstellung von Frau und Mann in der Forschung ist in Europa noch nicht erreicht, auch wenn der Frauenanteil in der Wissenschaft regelmässig steigt. In der Schweiz sind Frauen auf allen Stufen der wissenschaftlichen Karriereleiter untervertreten. Im internationalen Vergleich liegt die Schweiz noch oft unterhalb des europäischen Durchschnitts. Gemäss den Daten des Bundesamtes für Statistik (BFS), die im Bericht der Europäischen Kommission ’She Figures 2018’ zu Frauen in der Wissenschaft veröffentlicht wurden, verbessert sich die Situation jedoch langsam.

Seit mehreren Jahren besteht in der Schweiz beim Zugang zu den Hochschulen ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den Geschlechtern. 2016 machten die Frauen 51% der immatrikulierten Studierenden aus und sogar 54% der Diplomierten (Bachelor und Master). Nach ihrem Abschluss fällt es den Frauen aber schwer, Schlüsselfunktionen in der Forschung zu erlangen. Je höher man die akademische Karriereleiter hinaufsteigt, desto geringer ist der Frauenanteil. Dieses Phänomen wird auch ’Leaky Pipeline’ (löchrige Leitung) genannt (siehe Kasten).

Die geschlechterspezifischen Unterschiede in der akademischen Laufbahn lassen sich ab dem Doktorat beobachten. 2016 betrug der Frauenanteil bei den frisch Doktorierten in der Schweiz 44% (EU: 48%). Beim akademischen Personal sinkt er mit jeder Hierarchiestufe: Im unteren akademischen Mittelbau sind Frauen zu 41% und auf der höchsten Stufe der akademischen Karriereleiter nur zu 23% vertreten (EU: 46% bzw. 24%).

Fachbereich und Wirtschaftssektor: markante Unterschiede

Die in Abhängigkeit vom Fachbereich und von Wirtschaftssektoren ungleiche Verteilung von Frauen und Männern verstärkt zudem die ungleiche Geschlechterverteilung auf der akademischen Karriereleiter. In manchen wissenschaftlichen Laufbahnen finden sich kaum Frauen. In der Schweiz sind Frauen in den Informationsund Kommunikationstechnologien sowie im Ingenieurwesen, in denen 2016 15% bzw. 27% der neu erworbenen Doktorate auf Frauen entfielen, stark untervertreten. Hingegen sind sie in der Landwirtschaft und Tiermedizin (76%) sowie in der Pädagogik (61%) übervertreten.

Dieses Auswahlverhalten spiegelt sich dann im Frauenanteil auf der gesamten Karriereleiter wider. Am Höhepunkt ihrer akademischen Karriere haben Forscherinnen unter den Dozierenden mit Führungsverantwortung 29% der Stellen in Landwirtschaft und Tiermedizin inne. In den exakten und den Naturwissenschaften fällt dieser Prozentsatz auf 14% und im Ingenieurwesen und in der Technologie auf 13%.

In der Schweiz variiert der Anteil an Forscherinnen auch je nach Wirtschaftssektor: In den Hochschulen beträgt er 39%, beim Bund 36% und in den Unternehmen 23%.

Mehrheitlich Männer an der Spitze wissenschaftlicher Institutionen

In der Schweiz sind Frauen in strategischen Funktionen noch immer untervertreten. 2017 waren 27% der Mitglieder von Forschungsräten Frauen und 30% der Hochschulen wurden von Frauen geleitet.

In der Langzeitentwicklung zeigt sich, dass die Unterschiede zwischen Männern und Frauen tendenziell abnehmen, wenn auch relativ langsam. Seit 2009 ist der Prozentsatz an Frauen in der Schweiz, die ein Doktorat erwerben und an den Hochschulen in der Forschung die Stufe A erlangen, nur um 2 Prozentpunkte gestiegen (2009: 42% bzw. 21%; 2016: 44% bzw. 23%). Es ist davon auszugehen, dass es noch einige Zeit dauern wird, bis in diesem Bereich die Gleichstellung von Frau und Mann erreicht wird.