Schweizer Impfstoffkandidaten starten in klinische Studienphase

Im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms «Covid-19» (NFP 78) des Schweizerischen Nationalfonds SNF entwickeln Forschende aus Bern, Genf, Berlin und Riems zwei Impfstoffkandidaten gegen SARS-CoV-2, die nun dank einer soeben unterzeichneten Forschungskooperation mit dem Basler Biotechunternehmen RocketVax AG für die Phase I der zur Zulassung notwendigen klinischen Studien vorbereitet werden.

Weltweit stehen zwar bereits sehr viele Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 zur Verfügung, doch müssen neue Technologien laufend entwickelt, um bestmöglich gegen neue Virusvarianten immunisieren zur können. Impfstoffe der zweiten Generation haben neben Sicherheit und hoher Wirksamkeit auch eine einfache Produktion und Lagerung zu gewährleisten und sollen wenn immer möglich die Verabreichung vereinfachen.

Perspektive für Impfstoff in Form eines Nasensprays

Das Team von Volker Thiel, Virologe an der Universität Bern und am Eidgenössischen Instituts für Virologie und Immunologie, entwickelt einen abgeschwächten Lebendimpfstoff, also eine Form des Virus, die nicht krank macht, aber dennoch eine Immunantwort hervorruft. Lebendimpfstoffe haben sich bereits bei anderen Impfungen, wie etwa gegen die Masern, bewährt. Von den Impfstoffen der ersten Generation heben sich die beiden neuen Impfstoffkandidaten in verschiedenen Punkten ab: Sie werden auch bei neuen Virusvarianten aktiv, weil sie alle Virusproteine beinhalten und nicht nur das Spike-Protein. Sie bieten sie eine breitere Immunantwort, die durch die Aktivierung der T-Zellen gegen alle Virusproteine entsteht. Der künftige Impfstoff soll in Form eines Nasensprays zur Verfügung gestellt werden, was nicht nur die Verabreichung vereinfacht., sondern auch die wichtige Immunantwort auf den Schleimhäuten aktiviert. Transport und Lagerung werden erleichtert, da der Impfstoff auch bei höheren Temperaturen stabil bleibt und somit in wärmeren Ländern eingesetzt werden kann. Der nächste Entwicklungsschritt ist der Übergang zu den klinischen Studien der Phase I. Hierzu müssen die Forschenden unter anderem eine genauere Charakterisierung der Impfstoffkandidaten und der Immunreaktionen vornehmen, um besser zu verstehen, warum die Viren abgeschwächt und warum sie immunogen sind.

Forschungskooperation als Basis zur Produktion eines Schweizer Covid-19 Impfstoffes

Das Schweizerisch-deutsche Forschungsteam hat nun eine dreijährige Forschungsvereinbarung mit dem Basler Biotechunternehmen RocketVax AG unterzeichnet, welche es ermöglicht, den neuen Impfstoff für klinische Studien weiter zu entwickeln. Das breit abgestützte Konsortium besteht aus beteiligten Forschungsinstituten des Eidgenössischen Instituts für Virologie und Immunologie, der Universität Bern, der Universität Genf, der Freien Universität Berlin und des Friedrich-Löffler-Instituts.

Die ersten Entwicklungsschritte der Impfstoffkandidaten wurden im Rahmen eines NFP78 Projekts des Schweizerische Nationalfonds gemacht, und ein Innosuisse-Gesuch für die weitere Implementierung nach Ende des Nationalen Forschungsprogramms zu Covid-19 ist bereits in Arbeit. Die Kooperation mit RocketVax bietet Unterstützung beim Aufbau der Produktion sowie des Upscaling und sie eröffnet die Perspektive, nach erfolgreichem Abschluss der klinischen Studien künftig einen Impfstoff in der Schweiz zu produzieren und weltweit zur Verfügung zu stellen.

Referenzen

J. Trimpert et. al: Development of safe and highly protective live-attenuated SARS-CoV-2 vaccine candidates by genome recoding. Cell Report (2021) https://doi.org/10.1016/j.celrep.2021.109493

Das vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) finanzierte NFP 78 hat zum Ziel, neue Erkenntnisse zu Covid-19 und zur weiteren Entwicklung der Pandemie zu gewinnen, Empfehlungen für das klinische Management und das Gesundheitswesen zu erarbeiten sowie die Entwicklung von Impfstoffen, Behandlungen und Diagnostika zu unterstützen.

In vier Modulen werden Aspekte der Biologie, Pathogenität und Immunogenität von SARS-CoV-2, neue Ansätze in der Covid-19-Epidemiologie und Prävention, Grundlagen für Impfstoffe, Medikamente und Diagnostika sowie innovative klinische Ansätze und therapeutische Interventionen zur Behandlung von Covid-19 Erkrankungen erforscht.

Die Forschung im NFP 78 startete im Herbst 2020 und dauert zwei Jahre. Es ist mit einem Budget von 20 Millionen Schweizer Franken ausgestattet. Aus den 190 eingereichten Gesuchen wählte der SNF im Juli 2020 28 Forschungsprojekte aus, deren Ergebnisse schnellstmöglich veröffentlicht, kommunikativ begleitet und mit Politik und Gesellschaft diskutiert werden sollen. NFP 78


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