UZH gibt Benin-Bronzen aus dem Völkerkundemuseum an Nigeria zurück

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Die nigerianische Historikerin Enibokun Uzebu-Imarhiagbe sichtet mit Alice Hertz
Die nigerianische Historikerin Enibokun Uzebu-Imarhiagbe sichtet mit Alice Hertzog und Alexis Malefakis. Foto: Kathrin Leuenberger, 2021

Die Universität Zürich hat entschieden, 14 Objekte aus ihrem Völkerkundemuseum an die Bundesrepublik Nigeria zu restituieren. Die Objekte stammen ursprünglich aus dem Königreich Benin im heutigen Nigeria und sind für die dortige Bevölkerung von herausragender kultureller und spiritueller Bedeutung.

Die National Commission for Museums and Monuments (NCMM) in Nigeria hat im März 2024 im Auftrag der nigerianischen Regierung eine formelle Restitutionsforderung für 14 Benin-Artefakte aus dem Völkerkundemuseum der Universität Zürich (UZH) gestellt. Die Universität Zürich (UZH) hat entschieden, dieser Forderung nachzukommen.

’Als Universität möchten wir uns kritisch mit der Herkunft der Kulturgüter in unseren Sammlungen auseinandersetzen und einen verantwortungsvollen Umgang damit finden’, sagt Elisabeth Stark, Prorektorin Forschung an der UZH. ’Die Provenienzforschung zu den Benin-Bronzen im Völkerkundemuseum hat ergeben, dass ein Grossteil dieser Objekte mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit geraubt wurde, bevor sie in unseren Besitz gelangten. Deshalb geben wir sie zurück.’

Bis heute sind die betroffenen Artefakte für die Menschen in Nigeria von herausragender kultureller und spiritueller Bedeutung. NCMM-Generaldirektor Olugbile Holloway nimmt den Entscheid mit grosser Genugtuung zur Kenntnis: ’Die Restitution wird auf jeden Fall dazu beitragen, bestimmte Aspekte unserer kolonialen Vergangenheit zu heilen. Ich bin sicher, dass der Königspalast von Benin, die Bevölkerung von Benin und alle Nigerianerinnen und Nigerianer die Symbolik dieser bedeutsamen Rückgabe aufrichtig zu schätzen wissen.’

Bis zum 8. März 2026 waren die Benin-Artefakte aus dem Völkerkundemuseum der UZH Teil der Ausstellung ’Benin verpflichtet’. Aktuell werden sie umfassend digitalisiert. 14 der Objekte werden bis Ende August ins Nigerian National Museum in Lagos überführt, wo sie die National Commission of Museums and Monuments (NCMM), als Vertreterin der Bundesrepublik Nigeria, in Empfang nehmen wird.

In den letzten Jahren kam es bereits zu anderen bedeutenden Restitutionen: 2022 übertrugen deutsche Museen rund 1100 Objekte an Nigeria, 2025 folgte die Rückgabe von 119 Objekten durch die Niederlande. Im Februar 2026 hat die University of Cambridge über die Eigentumsübertragung von 116 Objekte an Nigeria informiert.

Zeitgleich mit dem Völkerkundemuseum der UZH restituieren auch das Museum Rietberg (MRZ) und das Musée d’ethnographie de Genève (MEG) geplünderte Kulturgüter aus dem Königtum Benin an Nigeria. Die Direktorinnen der drei Schweizer Museen, Dr. Carine Ayélé Durand (MEG), Dr. Annette Bhagwati (Museum Rietberg) und Alice Hertzog (Völkerkundemuseum der UZH), halten in einer gemeinsamen Stellungnahme fest: ’Im Rahmen der Benin Initiative Schweiz haben unsere Museen die Herkunft ihrer Benin-Werke mit wissenschaftlicher Sorgfalt und im engen Austausch mit nigerianischen Partner:innen erforscht. Die Ergebnisse lassen keinen Zweifel zu: Eine Reihe von Objekten gelangte im Zuge des britischen Angriffs auf das Königtum Benin im Jahr 1897 durch Plünderung und über den internationalen Kunsthandel in unsere Sammlungen.

Die Übergabe der Benin-Bronzen an Nigeria schafft die Grundlage dafür, dass das Land seine Geschichte auf eigene Weise erforschen, bewahren und vermitteln kann. Als Schweizer Museen und Institutionen, die sich ihrer ethischen Verantwortung bewusst sind und den Dialog mit Herkunftsgesellschaften aktiv suchen, befürworten wir den Eigentumstransfer. Er ist ein notwendiger Schritt der historischen Aufarbeitung, ein Zeichen des Respekts - und ein Ausdruck gelebter internationaler Zusammenarbeit.’

Historischer Kontext

1897 plünderten britische Soldaten den Königspalast in Benin im heutigen Nigeria und beschlagnahmten Tausende von Artefakten - darunter Reliefs, Ahnendarstellungen und rituelle Gegenstände. Diese gelangten als sogenannte Benin-Bronzen über den internationalen Kunsthandel in Museen und Sammlungen weltweit. Das Rohmaterial stammte teils aus Europa und wurde im Rahmen des transatlantischen Handels unter anderem gegen gefangene Afrikaner:innen eingetauscht, die verschleppt und an europäische Sklavenhändler verkauft wurden.

2021 schlossen sich acht Schweizer Museen unter Leitung des Museums Rietberg zusammen, um gemeinsam mit nigerianischen Partnerinnen und Partnern die Herkunft ihrer Benin-Artefakte zu erforschen. Insgesamt befinden sich 96 Objekte in den beteiligten Häusern in der deutschund französischsprachigen Schweiz, darunter das Musée d’ethnographie de la Ville de Genève (9), das Museum Rietberg (16) und das Völkerkundemuseum der Universität Zürich (18). Im Zuge der mehrjährigen Forschungsarbeit innerhalb der BIS wurde nachgewiesen, dass 14 der 18 Artefakte im Völkerkundemuseum mit hoher Wahrscheinlichkeit geplündert wurden und daher restitutionswürdig sind. Alice Hertzog, die heutige Direktorin des Völkerkundemuseums UZH, hat eine zentrale Rolle gespielt bei der Provenienzforschung in allen beteiligten Museen der Benin Initiative Schweiz (2021-2024). Das Bundesamt für Kultur (BAK) förderte das Forschungsprojekt.

Alle Forschungsergebnisse sind öffentlich zugänglich unter: https://www.musethno.uzh.ch/de/Ueber_uns/benin-initiative-schweiz.html