KMU befürchten Folgen der geopolitischen Lage

 (Image: Pixabay © CC0)

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60 Prozent der Schweizer KMU rechnen wegen der geopolitischen Entwicklung in den kommenden zwölf Monaten mit negativen Auswirkungen auf ihr Geschäft. Dagegen erwarten weniger als ein Drittel noch Nachteile aufgrund der Pandemie. Das zeigt das siebte Coronavirus-KMU-Panel der ZHAW.

Für die Mehrheit der kleinen und mittleren Unternehmen in der Schweiz hat die Pandemie ihren Schrecken verloren: 66 Prozent erwarten entweder keinen Einfluss auf ihre Geschäftstätigkeit in den nächsten zwölf Monaten oder rechnen sogar mit positiven Folgen. Von negativen Auswirkungen gehen noch 31 Prozent aus. Das sind acht Prozentpunkte weniger als vor einem halben Jahr. Allerdings rechnen drei Fünftel der KMU stattdessen damit, dass sich die aktuelle geopolitische Lage negativ oder sehr negativ auf ihr Unternehmen auswirkt. Dies zeigt das siebte Coronavirus-KMU-Panel der ZHAW School of Management and Law , welches auf einer aktuellen Befragung von rund 200 KMU basiert.

«Der Krieg in der Ukraine hat die Pandemie im Sorgenbarometer der KMU abgelöst», sagt Studienleiter Andreas Schweizer von der Fachstelle Corporate Performance and Sustainable Financing der ZHAW. Am deutlichsten ausgeprägt sind die Befürchtungen bei Unternehmen, die in der Herstellung von chemischen Erzeugnissen, im Detailhandel oder in der Maschinenund Elektroindustrie tätig sind. Allerdings halten es insgesamt nur neun Prozent der KMU für wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich, dass sie in den nächsten zwölf Monaten wegen der Folgen der geopolitischen Konflikte in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Aufgrund der Pandemie rechnet ebenfalls nur eine von zehn Firmen mit künftigen finanziellen Problemen.

Pessimistischer sehen die befragten Unternehmen die Verfügbarkeit von Rohstoffen und Halbfabrikaten: Etwas mehr als die Hälfte beurteilt sie aktuell und für die kommenden drei Monate als eher schlecht bis existenzbedrohend. 36 Prozent machen diese Prognose auch bezüglich der Verfügbarkeit in einem Jahr. «Der kurzfristige Ausblick in diesem Bereich fällt schon länger skeptisch aus. Nun mehren sich bei den KMU auch die Sorgen auf lange Sicht», erklärt Schweizer.

20 Prozent der KMU mussten während den letzten sechs Monaten Mitarbeitende entlassen. Rund die Hälfte davon (11 Prozent) gibt als Grund die Pandemie an. Im Vergleich dazu sprach in der Zeit von März bis September 2021 über ein Viertel der befragten Firmen Entlassungen aus, und dies mehrheitlich aufgrund der Pandemiefolgen. «Die Auswirkungen der Coronakrise sind somit inzwischen nicht mehr der klar dominierende Faktor für Entlassungen in kleineren und mittleren Firmen», sagt Andreas Schweizer.

Um die wirtschaftlichen Folgen zu dämpfen, hatten im Verlauf der Pandemie drei von fünf KMU mindestens eine der Unterstützungsmassnahmen von Bund oder Kantonen in Anspruch genommen. 45 Prozent nutzten die Kurzarbeitsentschädigung, 38 Prozent einen Covid-19-Kredit und 20 Prozent erhielten Härtefallgelder. Die Mehrheit der Firmen, die Unterstützungsleistungen entgegennahmen, beurteilen diese als nützlich für ihr Unternehmen.

Die jüngste Ausgabe des «ZHAW Coronavirus-KMU-Panels» schliesst an sechs vorhergehende Befragungen in der Zeit seit März 2020 an. Für die aktuelle Erhebung führten die ZHAW-Forschenden vom 16. bis 27. März 2022 eine Online-Umfrage unter 197 kleinen und mittleren Unternehmen aus der deutschsprachigen Schweiz durch. Da die befragten Firmen bereits an den früheren Umfragen teilnahmen, vermittelt die Untersuchung ein Bild davon, wie sich die wirtschaftliche Lage der KMU während der Pandemie entwickelte. Im Interesse einer möglichst hohen Aktualität wurde auf eine komplett repräsentativ gewichtete Abdeckung sämtlicher Branchen und Unternehmensgrössen verzichtet.


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