Prototyp für rätoromanische Übersetzungssoftware

 (Image: Pixabay © CC0)

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Forschende der FH Graubünden haben mit «Translatur-ia» einen Prototyp für rätoromanische Übersetzungssoftware entwickelt

20. Mai 2021

Mit den Mitteln der Digitalisierung wollen Forschende aus Graubünden die rätoromanische Sprache auf nationaler Ebene stärken. Ein von der Fachhochschule Graubünden entwickelter Prototyp zeigt das Potenzial für die Übersetzung von Sprachen mit geringen Datenmengen auf. Basierend auf den Erkenntnissen des Pilotprojekts wird das Tool nun weiterentwickelt.

Auch nach über 80 Jahren ist es kaum möglich, sich auf nationaler Ebene adäquat auf Rätoromanisch zu informieren. Die Digitalisierung bietet die Möglichkeit, dies zu ändern. Das Projekt Translatur-ia der FH Graubünden realisiert derzeit ein Tool, um Anwendungen im Zusammenhang mit der rätoromanischen Sprache (z.B. Übersetzungsdienstleistungen) mithilfe von Computertechnologie zu optimieren. Gemeinsam mit der Lia Rumantscha ist es gelungen, einen Prototyp zu entwickeln. Dieser zeigt, dass eine qualitativ gute Übersetzungshilfe trotz der geringen verfügbaren Datenmenge umsetzbar ist.

Das Schweizerische Institut für Informationswissenschaft der FH Graubünden hat das Web-Portal translaturia.fhgr.ch geschaffen, mit dem computerbasiert ein beliebiger deutscher Text ins Rätoromanische übersetzt werden kann. Während Übersetzungsdienste bei grossflächig gesprochenen Sprachen auf mehrere Milliarden Übersetzungen zurückgreifen können, liegt die Herausforderung bei der romanischen Sprache in der geringen Datenmenge. Entsprechend ist die Qualität der Übersetzungen heute noch unzureichend, allerdings zeigt sich sehr wohl das Potenzial des gewählten Ansatzes. In zukünftigen Forschungsprojekten soll nun auf den gewonnenen Erkenntnissen aufgebaut und der Prototyp weiterentwickelt werden. Das Vorhaben wurde im vergangenen Jahr durch den Förderverein der Fachhochschule Graubünden gefördert.

Interessengruppe für die weitere Entwicklung

Moderne Online-Übersetzer erreichen durch die Anwendung von neuronalen Netzen fast menschenähnliche Qualitätsniveaus. Bei diesem neuartigen Ansatz werden immense Datenmengen genutzt, um durch wiederholte Trainings ein Computermodell zu erstellen. Die Anwendung dieses Modells ermöglicht es anschliessend, in den trainierten Sprachen beliebige Texte zu übersetzen. Um der Herausforderung der geringen Datenmenge im Fall der rätoromanischen Sprache zu entgegnen, sucht die FH Graubünden nach neuen Wegen, mit den verfügbaren Daten effizienter umzugehen sowie neue Daten zu generieren.

Für die Entwicklung des Prototyps hat die Lia Rumantscha Übersetzungsdaten zur Verfügung gestellt. «Für die Zukunft der rätoromanischen Sprache ist es absolut zentral, dass der Übersetzungsprozess von Texten in und aus dem Rätoromanischen beschleunigt werden kann. Dadurch können mit weniger Aufwand mehr Texte generiert werden. Ausserdem dient es der besseren Verständigung unter den Sprachgemeinschaften der Schweiz», so Conradin Klaiss, Leiter Bildung bei der Lia Rumantscha. Um das Projekt weiter voranzutreiben, wurde eine Interessengruppe gebildet. Diese soll als Motor für die künftige Weiterentwicklung von Technologien und deren branchenspezifischen Adaption dienen. Gesucht werden Text-Datensätze in Rumantsch Grischun und allen Idiomen, idealerweise mit einem Pendant in deutscher Sprache, sowie Anwendungsfälle, die vom Gebrauch romanischer Sprachtechnologien profitieren würden. Anwendende sowie Interessierte sind eingeladen, sich bei der FH Graubünden oder der Lia Rumantscha zu melden.

Weitere Details:

  • Prototyp Übersetzungssoftware Translatur-ia: https://translaturia.fhgr.ch
  • Schweizerisches Institut für Informationswissenschaft: https://fhgr.ch/sii
  • Lia Rumantscha: http://liarumantscha.ch

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