Zukunftswald Schweiz: Projektstand nach zwei Jahren

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Wetterstation auf der Testfläche des Projekts «Testpflanzungen zukunftsfähiger B
Wetterstation auf der Testfläche des Projekts «Testpflanzungen zukunftsfähiger Baumarten» in Ronco sopra Ascona. (Foto: Gottardo Pestalozzi)
Welche der Baumarten, die gegen Ende des 21. Jahrhunderts auf einem Standort als geeignet gelten, können dort bereits heute gedeihen? Dieser Frage geht das Projekt «Testpflanzungen zukunftsfähiger Baumarten» der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL nach. Ortstermin in Losone und Ronco s. Ascona, zwei der sechs Tessiner Testflächen.

In der gesamten Schweiz befinden sich 57 Versuchsflächen mit unterschiedlichen Baumarten. Erst kürzlich wurde die letzte Fläche bepflanzt. 55’000 Bäume von 18 Arten, welche sich unter den künftigen Klimabedingungen wohlfühlen könnten, sind am Heranwachsen. Nun geht das Projekt in die nächste Phase - die Inventurphase, wo Überwacht wird, wie die Bäume gedeihen.


Am 6. Juni fand am Standort der WSL in Cadenazzo ein Betriebsanlass zum Fortschritt der Testpflanzungen statt. Die Forstbetriebe, welche für die Pflege der Flächen im Tessin und der Deutschschweiz zuständig sind, waren eingeladen. Die Betriebsleiter halten beispielsweise die Zäune instand und schneiden konkurrenzierende Vegetation zurück. Der Anlass gab Gelegenheit, sich über Erfahrungen und Probleme mit dem Unterhalt der Flächen auszutauschen.

Bewässern oder nicht bewässern?

Die Projektleiterin Kathrin Streit von der WSL informierte über den weiteren Verlauf des Projekts. Die erste Hürde für die Bäumchen ist es, gut anzuwachsen. In den ersten zwei Jahren wird je nach Fläche auch noch etwas nachgeholfen, so werden einige Flächen im Wallis und in Graubünden bewässert. Ob das auch im Tessin geschehen soll, steht zur Diskussion. Einerseits verfälscht eine Bewässerung die Resultate, schliesslich soll der Wald der Zukunft mit Extremen wie Trockenheit zurechtkommen. Andererseits gefährdet eine zu hohe Mortalität der Setzlinge das Projekt. In den ersten zwei Jahren werden die ausgefallenen Bäumchen zwar noch nachgepflanzt. Doch zum Teil gibt es Lieferengpässe bei bestimmten Arten und Herkünften. Es liegt im Ermessen der einzelnen Betriebsleiter, ob sie ihre Flächen während der ersten zwei Jahre bewässern oder nicht. Danach ist das Experiment dann in vollem Gange und es wird nicht mehr eingegriffen.

Auch Damian Caminada, der für die Testpflanzungen in Losone und Ronco sopra Ascona zuständig ist, steht vor dieser Entscheidung. ,,Unsere Ende 2021 hier angepflanzten Buchen sind schlecht angewachsen und bis jetzt sind mindestens ein Drittel davon abgestorben", erklärt Förster Caminada. Der Schneeballblättrige Ahorn und die Zerr-Eiche hingegen haben sich bisher gut gehalten. Losone ist der tiefst gelegene Standort der Testpflanzungen, die Fläche liegt auf 250 Metern über Meer. Obwohl die Fläche nordexponiert ist, ist es im Mittel sehr warm dort. Diesen Herbst wird Streit die gestorbenen Bäume ersetzen.

Caminada ist auch für die Fläche bei Ronco sopra Ascona zuständig, welche erst im Herbst 2022 bepflanzt wurde. Die Fläche liegt zwar rund tausend Meter höher, ist jedoch südexponiert und sehr trocken, weswegen Streit auch dort eine hohe Mortalität erwartet. Für konkrete Ergebnisse ist es allerdings noch zu früh. Die gesammelten Ergebnisse zur Mortalität auf allen Flächen werden voraussichtlich 2024 publiziert. Im Sommer 2025 werden die Bäumchen zum ersten Mal ausgemessen.

Eingezäunte Bäume

Es wurden auch Vereinbarungen über die Sicherung der Flächen getroffen, dies ist bei jeder der 6 Flächen im Tessin etwas anders. Braucht es Zäune oder nicht? Da es im Tessin eine grosse Anzahl von Wildschweinen, Hirschen und anderen Pflanzenfresser hat, ist es unabdingbar die Flächen mit äusserst resistenten Zäunen abzusichern. Laut Caminada sollen die betroffenen Testpflanzungen «Elefantensicher» gemacht werden.


Auch die Begleitgruppen der Betriebsleiter und Vertreter des Kantons Tessin und des Bundesamtes für Umwelt, welches das Projekt finanziert, waren anwesend. Adrian Foncelli vom Kanton Tessin gab Rückmeldung, wie die Betreuung der vom Kanton angestellten Betriebsleiter funktioniert hat. Grösstenteils waren alle zufrieden mit den Abläufen, das Projekt ist auf Kurs.



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