Impfbereitschaft abhängig von sozioökonomischen Faktoren

 (Immagine: Pixabay CC0)

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Menschen mit höherem Einkommen, höherem Bildungsstand oder aus urbanen Gebieten sind Überdurchschnittlich häufig gegen Covid-19 geimpft. Zugleich ist die Lebensqualität der Bevölkerung in den letzten Monaten stabil geblieben. Das zeigen Daten des COVID-19 Social Monitor der ZHAW.

In der Schweiz sind Menschen mit einem mittleren oder höheren Haushaltseinkommen oder mit höherer Bildung tendenziell häufiger gegen Covid-19 geimpft - trotz generell hoher Impfquote in allen Bevölkerungsgruppen. Das gleiche gilt für Personen aus urbanen Gebieten, mit einer chronischen Krankheit oder mit höherer Gesundheitskompetenz. Zu diesen Resultaten kommt eine aktuelle Studie der ZHAW School of Management and Law in der wissenschaftlichen Zeitschrift «Swiss Medical Weekly». Sie beruht auf Umfragedaten aus dem «COVID-19 Social Monitor», die zwischen Juni und Dezember 2021 bei rund 2400 Personen in der Schweiz erhoben wurden. Der COVID-19 Social Monitor wird regelmässig von der ZHAW in Zusammenarbeit mit den Universitäten Zürich und Bern durchgeführt.

Weniger häufig geimpft sind Menschen, die auf dem Land leben, sowie Personen, die sich weniger konsequent an Schutzmassnahmen halten oder den Behörden und der Wissenschaft ein geringeres Vertrauen entgegenbringen. «Die Entscheidung für oder gegen die Impfung hängt also unter anderem mit sozioökonomischen Faktoren und persönlichen Einstellungsmustern zusammen», erklärt Studienleiter Marc Höglinger vom Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie der ZHAW.

Diejenigen Befragten, die sich nicht haben impfen lassen, geben als Gründe am häufigsten die Angst vor Nebenwirkungen und Zweifel an der Wirksamkeit der Impfung an (je 57 Prozent der Ungeimpften). Etwas mehr als ein Drittel der Ungeimpften sagt zudem, dass sie natürliche oder traditionelle Heilmittel vorziehen. «Eine Rolle spielt vermutlich auch, wie einfach zugänglich die Impfung für eine Person ist», sagt Höglinger. Für manche Bevölkerungsteile könnte beispielsweise die Online-Registrierung eine Hürde dargestellt haben oder sie hatten Schwierigkeiten, für einen Impftermin von der Arbeit freizunehmen.

Die neusten Umfrageergebnisse des COVID-19 Social Monitors aus der zweiten März-Hälfte 2022 zeigen weiter, dass das Befinden der Schweizer Bevölkerung in den vergangenen Monaten relativ stabil geblieben ist: 86 Prozent stufen ihre aktuelle Lebensqualität als gut oder sehr gut ein. Im Dezember 2021 waren es 84 Prozent. «Diese Veränderungen sind relativ gering und bewegen sich im Rahmen üblicher saisonaler Schwankungen», erklärt Höglinger. Eine erhöhte psychische Belastung verspüren 24 Prozent der Gesamtbevölkerung (Ende 2021: 26 Prozent). Mit 37 Prozent liegt dieser Wert bei Menschen zwischen 18 und 29 Jahren aber immer noch deutlich höher. Dagegen haben Einsamkeitsgefühle in dieser Altersgruppe abgenommen, von 12 Prozent im Dezember 2021 auf 8 Prozent im März 2022.

Zuletzt wieder etwas gestiegen ist das Vertrauen der Bevölkerung in Behörden und Medien: 69 Prozent der Befragten geben an, den Behörden stark zu vertrauen. 61 Prozent sagen dies in Bezug auf die Medien. Die aktuellen Anteile liegen allerdings tiefer als zu Pandemiebeginn (April 2020: 82 und 69 Prozent). In die Wissenschaft haben 70 Prozent hohes Vertrauen. Das ist der höchste Wert seit zwei Jahren.

Parallel zu den Lockerungen der behördlichen Bestimmungen werden auch die Hygieneund Verhaltensmassnahmen zur Vermeidung von Ansteckungen weniger konsequent umgesetzt: So halten beispielsweise noch 56 Prozent der Befragten meistens Abstand zu anderen Menschen, während dies im Dezember 2021 noch 77 Prozent taten. «Ein nennenswerter Teil der Bevölkerung schränkt sich aber nach wie vor in verschiedenen Bereichen ein», sagt Höglinger. So verzichtet etwa ein Fünftel weiterhin meistens auf private Besuche oder bleibt eher zu Hause. Auch Home Office ist noch relativ verbreitet: 16 Prozent geben an, immer oder meistens vom eigenen Heim aus zu arbeiten.

Regelmässige Befragungen

Der COVID-19 Social Monitor untersucht seit Beginn der Pandemie mit regelmässigen Befragungen die Auswirkungen der Coronakrise auf die Bevölkerung. Es nahmen jeweils zwischen 1492 und 2802 Personen aus allen Landesteilen an der Umfrage teil. Das erlaubt für die Schweiz repräsentative Aussagen zur Entwicklung der erfassten Indikatoren über die Zeit. Die Untersuchung zeigt damit Veränderungen im Wohlbefinden, im Gesundheitszustand, in der Erwerbssituation und im Verhalten der Schweizer Bevölkerung im Verlauf der Pandemie. Die aktuellen, detaillierten Ergebnisse werden jeweils wenige Tage nach der Erhebung online veröffentlicht. Die Studie ist ein Gemeinschaftsprojekt des Winterthurer Instituts für Gesundheitsökonomie der ZHAW, des Instituts für Epidemiologie, Biostatistik und Prävention der Universität Zürich und der Clinical Trial Unit der Universität Bern. Bisher wurden 22 Befragungen im Zeitraum vom 30. März 2020 bis zum 24. März 2022 durchgeführt.


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