Entdeckung eines eingeschleppten Fettkrauts

Entdeckung eines eingeschleppten Fettkrauts

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Eine eingeschleppte Pflanzenart konnte sich seit einigen Jahren unentdeckt im Schatten einer nahen Verwandten ausbreiten. Dank der Zusammenarbeit mit den Landwirten sind ihr die Forschenden nun auf die Schliche gekommen.

 

Im Jahr 2006 wandte sich ein Landwirt der Region Emmental im Kanton Bern an die Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Futterbaues AGFF, nachdem er seit Jahren erfolglos versucht hatte, seine von einer Fettkraut-Art überwucherten Wiesen zu säubern. Das Aussehen der Problempflanze liess die Experten von Agroscope Reckenholz-Tänikon ART vermuten, dass sie es mit dem Kaukasus-Fettkraut (Phedimus spurius, syn. Sedum spurium) zu tun hatten. Dieses kommt in der Schweiz schon an vielen Standorten vor. Es ist aber nicht dafür bekannt, dass es in Fettwiesen andere Arten verdrängt. Jetzt zeigen genauere Untersuchungen von ART, dem Institut für systematische Botanik und dem Botanischen Garten der Universität Zürich, dass es sich beim Unkraut gar nicht um das Kaukasus-Fettkraut (Phedimus spurius), sondern um seinen nahen Verwandten, das Ausläuferbildende Fettkraut (Phedimus stoloniferus) handelt. Diese Pflanze galt in der Schweiz bisher nicht als wildlebende Art, ist aber vielleicht schon mal fälschlich als Kaukasus-Fettkraut bestimmt worden.

 

Kleiner Unterschied, grosse Wirkung
Auch wenn der Unterschied im Aussehen nur klein sein mag - das Ausläuferbildende Fettkraut ist weitaus aktiver. Unter günstigen Bedingungen wächst es bis zu zwanzig Zentimeter im Jahr. Dabei bilden ihre oberirdischen Ausläufer ein Geflecht, das sich im Grasland stark ausbreiten kann. Es gedeiht sowohl auf kiesigen als auch auf schweren Böden, in basischer wie in leicht saurer Erde, unter direkter Sonnenbestrahlung wie im Schatten eines Waldes.

 

Von Gärten in die freie Wildbahn
Das Ausläuferbildende Fettkraut stammt ebenfalls aus dem Kaukasus und wird in der Schweiz gelegentlich in Gärten oder Friedhöfen angepflanzt. Die Forschenden von ART vermuten, dass es von dort entwichen ist und sich dann auf den nahe gelegenen Matten etabliert hat. Zurzeit haben die Forschenden etwa 50 betroffene Standorte im unteren Emmental gefunden.

Den betroffenen Landwirten bereitet die Pflanze einige Probleme. Sie verdrängt die Gräser und reduzierter so den Futterertrag. Auch das Heuen wird schwieriger. Wegen ihrer fleischigen, wasserhaltigen Blätter benötigt das Schnittgut länger, um zu trocknen. Und da die eingeschleppte Pflanzenart im Vergleich zum Gras nur wenige Wurzeln bildet, erhöht sich wahrscheinlich das Erosionsrisiko einer befallenen Wiese.

 

Bekämpfung schwierig
Das Ausläuferbildende Fettkraut lässt sich gegenwärtig nicht wirtschaftlich beseitigen. Durch Ausreissen oder Pflügen brechen die Ausläufer ab. Wo diese Bruchstücke mit Erde in Kontakt kommen, beginnen sie sofort wieder zu wachsen. Versuche von ART haben gezeigt, dass die Pflanze eine herkömmliche Herbizidbehandlung überlebt. Darum ist die Früherkennung sehr wichtig, denn wo die Pflanze sich erst einmal etabliert hat, lässt sie sich nicht mehr ausrotten. ART testet zurzeit, ob eine alternative Bewirtschaftung für eine Bekämpfung in Frage kommt.
Als Sofortmassnahme haben die Forschenden die Aufnahme dieser neuen invasiven Art auf der Watchlist der Schweizerischen Kommission für die Erhaltung von Wildpflanzen beantragt.

Ein Bericht zum Ausläuferbildenden Fettkraut (Phedimus stoloniferus) ist im Fachmagazin Botanica Helvetica erschienen: 118, Seiten 77-80, 2008.

 

Erkennungsmerkmale des Ausläuferbildenden Fettkrauts (Phedimus stoloniferus)
Pflanze: bildet lange Kriechtriebe, blütentragende Stängel sind glatt und aufsteigend.
Blätter: fleischig, eiförmig, 10 bis 25 mm lang, kreuzgegenständig angeordnet, gekerbte oder gezähnte Blattränder, kahl.
Blüte: blüht im Juni (bis Juli) hellrosa, Blüte fünfteilig und sitzend, Blütenblätter sind lanzettlich, 6 bis 8 mm lang und weit von einander abgespreizt, bildet lockere Blütenstände aus 20 bis 30 Einzelblüten.

Kontakt

Olivier Huguenin, Futterbau/Graslandsysteme, Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART, Reckenholzstrasse 191, 8046 Zürich. E-Mail: olivier.huguenin at art.admin.ch, Tel. 044 377 72 42

Atlant Bieri, Mediendienst, Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART, Reckenholzstrasse 191, 8046 Zürich.E-Mail: atlant.bieri at art.admin.ch, Tel. 044 377 72 74, M. 079 763 70 36
CW