Schweizer Private Banking trotzt der Finanzkrise

Schweizer Private-Banking-Anbieter gehören trotz starken Ertragseinbrüchen im Zuge der Finanzkrise weiterhin international zu den wettbewerbsfähigsten Instituten. Offshore-Strategien stagnieren allerdings und kommen unter Druck. Dies zeigt die neueste «International Private Banking Study» des Instituts für schweizerisches Bankwesen der Universität Zürich, welche die Wettbewerbsfähigkeit von 263 Private-Banking-Anbietern aus elf Ländern für die Jahre 2007 und 2008 untersucht hat.

Schweizer Private-Banking-Anbieter konnten im Jahr 2008 trotz beträchtlichen Geld-Abflüssen bei einzelnen Instituten einen leichten Zufluss von Kundengeldern verzeichnen. Banken, die ein klassisches Offshore-Geschäftsmodell verfolgen, verzeichneten dabei deutlich geringere Wachstumsraten als solche mit einem Onshore-Fokus. Etwas überraschend zeigen die Zahlen einen negativen Zusammenhang zwischen der Höhe der verwalteten Kundenvermögen pro Mitarbeiter und den Margen, die darauf erzielt werden. Zudem besteht eine verstärkte Tendenz hin zu «offenen Produktarchitekturen».

«Die Margen im Private Banking sind in den letzten Jahren in den meisten Ländern zunehmend unter Druck geraten», erklärt Studienleiter Prof. Teodoro D. Cocca. Banken aus der Schweiz, Liechtenstein, den Benelux-Länder und Skandinavien schafften es jedoch, die Margen trotz schwierigen Rahmenbedingungen auf einem konstanten Niveau zu halten. Die Eigenkapitalrenditen haben im Vergleich zu 2007 durchwegs abgenommen. Berücksichtigt man die dem Eigenkapital zugrunde liegenden Risiken, sind die Schweizer und liechtensteinischen Banken auf Grund ihrer hohen durchschnittlichen Kernkapitalquote führend.

Grösse nicht entscheidend

Die Studie des Instituts für schweizerisches Bankwesen untersuchte weiter, wie Grösse, Rentabilität, Effizienz und Wachstum untereinander zusammenhängen. «Die Grösse war im beobachteten Zeitraum kein eindeutiger Vorteil», so Prof. Cocca. Zwar besteht ein positiver Zusammenhang zwischen der Grösse einer Bank und der durchschnittlich realisierten Marge. Andererseits gibt es jedoch Hinweise dafür, dass kleinere Institute höhere Pro-Kopf-Erträge und -Gewinne erwirtschaften. «Der Zusammenhang zwischen Effizienz und Grösse scheint daher nicht eindeutig», folgert Cocca. Ferner zeigt die Studie, dass es für sehr erfolgreiche Banken schwierig ist, ihren Leistungsvorsprung über einen gesamten Marktzyklus zu halten. Banken, die im Aufschwung erfolgreich sind, werden im Abschwung besonders hart getroffen. Dies deutet auf erhöhte Risiken, welche diese vermeintlich «erfolgreichen» Banken eingehen.

«Die Finanzkrise hat im Private-Banking-Markt deutliche Spuren hinterlassen», erklärt Prof. Cocca. Obwohl diese Krise noch kaum verdaut ist, folgt in der Form der regulatorischen Herausforderungen rund um das Bankgeheimnis schon die nächste Prüfung. «Die damit stark gestiegenen strategischen Risiken im Private Banking werden zu neuen Gewinnern und Verlierern führen und die Private-Banking-Landschaft unvermeidbar neu ordnen», ist Cocca überzeugt.

Auffällig ist die zunehmende Vielfalt der Geschäftsmodelle. Während einige Anbieter die klare Strategie der Unabhängigkeit verfolgen, verschreiben sich andere der genau entgegengesetzten Strategie eines integrierten Geschäftsmodells. Da keine Überlegenheit eines der beiden Modelle evident ist, sprechen beiden Modelle offensichtlich unterschiedliche Kundenpräferenz an und werden weiterhin nebeneinander existieren.

Margen unter Druck

Wie Prof. Cocca ausführt, wird der Trend hin zu steuerkonformen Geschäftsmodellen die Private-Banking-Welt in den kommenden Jahren stark prägen. Diese Entwicklung stellt insbesondere für Banken mit einem hohen Anteil an nicht deklarierten Vermögenswerten eine Herausforderung dar. «Banken, die keine Anpassung der Strategie vornehmen, riskieren aufgrund des aufgebauten regulatorischen Druckes in eine strategische Falle zu geraten», sagt Prof. Cocca. Die Transformation zu einem vom Ausland als steuerkonform akzeptierten Modell wird Druck auf die Margen verursachen. Gelingt es aber, die eigenen Cross-Selling-Strategien zu verfeinern und die Produkt- und Dienstleistungsbreite auszubauen, sollten die Margen mittelfristig gehalten werden können. Einen wichtigen Beitrag kann dabei die Politik leisten, falls es ihr gelingt, die Rechtssicherheit für bestehende Bankkunden bei einem Übergang zu neuen Modellen zu wahren und den Schweizer Banken den Zugang zu ausländischen Märkten zu sichern.

Originalbeitrag

The International Private Banking Study 2009: Link

Kontakt

Prof. Dr. Teodoro D. Cocca, Tel: +43 650 441 25 07, E-Mail teodoro.cocca [at] jku.at. Daniel Ettlin, Tel.: +41 44 634 27 83, E-Mail ettlin [at] isb.uzh.ch

C. Wirth, Editor