Was macht Forschende zufrieden?

Was macht Forschende zufrieden?

Wie zufrieden sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in ihrem Beruf? Welche Faktoren fördern ihre berufliche Zufriedenheit? Welche Länder schneiden diesbezüglich am besten ab? Eine Studie zeigt: Am zufriedensten sind die Befragten in Dänemark und den Niederlanden, am unzufriedensten in Japan. Weiteres Resultat: Die Gehälter von Frauen liegen an den Hochschulen immer noch zwischen 18 % und 40 % unter denjenigen der Männer.

Für diese Untersuchung wurden insgesamt 10.500 Forscherinnen und Forscher weltweit befragt. Die Ergebnisse aus 16 Ländern (China, Indien, Japan, Südkorea, Australien, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Italien, Niederlande, Spanien, Schweden, Schweiz, England, Kanada, USA) gingen anschließend in die engere Analyse ein. Am zufriedensten sind die Forscherinnen und Forscher in Dänemark, den Niederlanden und Schweden. Am unzufriedensten sind sie in Japan, China und Indien.

Bei der Messung der Gesamtzufriedenheit wurden die folgenden Einzelaspekte berücksichtigt: Gehalt, Arbeits- und Ferienzeiten, Krankenversicherung, Pensions- bzw. Rentenansprüche, Elternzeit, Unabhängigkeit und Anleitung durch Vorgesetzte und Kolleg/inn/en. Gene Russo und Sara Grimme, die die Studie verfassten, untersuchten, welche der genannten Aspekte für die Gesamtzufriedenheit am wichtigsten sind. Den größten Einfluss hat demnach – noch vor dem Gehalt – die Anleitung und Beratung durch Vorgesetzte und Kolleg/inn/en. Am drittwichtigsten für die befragten Forscherinnen und Forscher: ihre Unabhängigkeit.

Die Studie zeigt auch, dass die berufliche Zufriedenheit mit dem Voranschreiten auf der Karriereleiter steigt. Dieser Befund gilt insbesondere für Asien und Nordamerika. In Europa sinkt sie hingegen mit dem Ende der Postdoc-Phase, um erst mit dem Erreichen einer Professur wieder anzusteigen.

Problematisch für die berufliche Zufriedenheit scheint für viele der Befragten, was Russo und Grimme als das „two-body problem“ bezeichnen. Gemeint sind sog. „Dual career couples“, in denen beide Partner eine berufliche Laufbahn im Wissenschaftssystem verfolgen. Die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer wurden gefragt, ob die Tatsache, für den/die ebenfalls im Wissenschaftsbetrieb tätige/n Partner/in eine adäquate Beschäftigung finden zu müssen, die Entscheidung für ihren jüngsten Job beeinflusst hat. In immerhin der Hälfte der 16 Länder (Kanada, Spanien, Schweden, Frankreich, USA, England, Schweiz, Deutschland) antworteten mehr als 20 % der Befragten, dies habe ihre Entscheidung in hohem Maße beeinflusst. In Deutschland äußerten sich 27 % der Befragten entsprechend – dies ist der höchste Wert unter den 16 Ländern.

Neben den Zufriedenheitswerten enthält die Studie auch Angaben zu den Gehältern der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Deutlich werden weiterhin große Gehaltsunterschiede zwischen der gewerblichen Wirtschaft und dem universitären Bereich. So liegen die Gehälter in der gewerblichen Wirtschaft um durchschnittlich 40 % bis 50 % über denen im Wissenschaftsbetrieb. Postdocs verdienen in Europa in etwa so viel wie in Nordamerika. Im weiteren Karriereverlauf steigen die Gehälter der nordamerikanischen Forscherinnen und Forscher jedoch deutlich schneller an als diejenigen ihrer europäischen Kolleginnen und Kollegen. Spürbare Unterschiede zeigen sich auch, wenn man die Gehälter nach Geschlecht differenziert betrachtet: Wissenschaftlerinnen verdienen noch immer zwischen 18 % und 40 % weniger als Wissenschaftler. Die Unterschiede nehmen zudem im Karriereverlauf zu. Trotz der disparaten Gehaltsstrukturen sind die Wissenschaftlerinnen alles in allem mit ihrem Beruf jedoch genauso zufrieden wie ihre männlichen Kollegen.  

CW