Distant de la religion

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Distant de la religion

Die grosse Mehrheit der Schweizer Bevölkerung hat zur christlichen Religion und zur Spiritualität ein distanziertes Verhältnis. Dennoch spricht sie den beiden Landeskirchen eine grosse Bedeutung für sozial Benachteiligte zu. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie.

Woran glauben die Menschen in der Schweiz? Eine kürzlich erschienene Studie zeigt, dass sich die grosse Mehrheit der Schweizer Bevölkerung dem Religiösen und Spirituellen gegenüber nicht gleichgültig oder ablehnend, sondern distanziert zeigt. Die sozialwissenschaftlich erstmals breit identifizierte Gruppe der Distanzierten wird in den kommenden Jahren noch mehr wachsen, vermuten die Forschenden.

Anstieg der Konfessionslosen
Laut der repräsentativen Untersuchung sind die Anteile der Christen an der Wohnbevölkerung in den letzten Jahren weiter gesunken: 31% sind Katholiken, 32% Reformierte, 12% Angehörige nicht-christlicher Religionen. Der grösste Wandel betrifft die Konfessionslosen: Sie machen bereits rund 25% aus. Konfessionszugehörigkeit und Konfessionslosigkeit sagen jedoch noch nichts über die religiösen Praktiken und Glaubensvorstellungen aus. Auch Konfessionslose können an Gott glauben oder alternativ spirituell sein.

Die Forschenden unterscheiden innerhalb der Schweizer Wohnbevölkerung vier Religiositätstypen: Distanzierte (64%), Institutionelle (17%), Säkulare (10%) und Alternative (9%). In den vergangenen Jahrzehnten ist die Gruppe der Institutionellen stark geschrumpft. Die Alternativen haben sich in ihrer Grösse kaum verändert. Dagegen haben die Distanzierten und Säkularen zugelegt.

Die Distanzierten glauben nicht nichts
Die grösste Gruppe der Distanzierten glaubt nicht nichts. Sie verfügt über religiöse und spirituelle Vorstellungen, die aber in ihrem Leben nicht besonders wichtig sind und nur in Ausnahmefällen aktiviert werden. Die Distanzierten sind meist Mitglieder der katholischen oder reformierten Landeskirchen und bezahlen Kirchensteuern, doch die Konfessionszugehörigkeit bedeutet ihnen nicht viel. Distanz zeigen sie auch gegenüber alternativen Formen von Religiosität - und gegenüber Religionsgegnern.

Bei den Institutionellen handelt es sich um Mitglieder der Kerngemeinden der beiden Landeskirchen sowie um Mitglieder der evangelischen Freikirchen. Sie pflegen einen lebendigen Glauben an einen einzigen, persönlichen und überweltlichen Gott. Die Alternativen kultivieren holistische und esoterische Glaubensansichten und praktizieren Astrologie, heilende Atem- und Bewegungstechniken und andere Rituale. Die Säkularen schliesslich sind jeglicher Form von Religiosität gegenüber entweder indifferent oder lehnen diese gar ab.

Männer religionsfeindlicher als Frauen
Hervorstechend ist, dass sich unter den Konfessionslosen nicht mehrheitlich Säkulare (nur 20%), sondern vor allem Distanzierte (68%) finden. Die Institutionellen weisen einen eher tiefen, die Distanzierten und Säkularen einen mittleren, die Alternativen einen höheren Bildungsstand auf. Zudem finden sich Alternative häufiger unter Frauen (11%) als unter Männern (4%). Umgekehrt sind unter Männern (15%) mehr Säkulare als unter Frauen (5%) anzutreffen.

Ist die Schweiz ein christliches Land?
Unabhängig vom religiösen Typus spricht eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung den Kirchen eine grosse Bedeutung für sozial Benachteiligte zu. Weniger Bedeutung wird den Kirchen für das eigene Leben eingeräumt. Die Institutionellen sind der festen Überzeugung, dass die Schweiz ein christlich geprägtes Land sei. Demgegenüber geben sich die anderen drei Gruppen - also der Grossteil der Bevölkerung - in dieser Frage zurückhaltend.

Die Forschenden haben in der deutschen, französischen und italienischen Schweiz eine repräsentative Umfrage durchgeführt (1229 Frauen und Männer). Ergänzt wurde diese mit 73 halb-standardisierten Interviews. Anhänger nichtchristlicher Religionen wurden nicht berücksichtigt.