Gruselbilder schrecken nicht ab

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Gruselbilder schrecken nicht ab

„Ich könnte ja jederzeit aufhören.“ Dies die Reaktion vieler Jugendlicher auf die abschreckenden Botschaften der Anti-Tabak-Prävention. Eine Studie zeigt, dass die auf den Zigarettenpäckchen abgedruckten Warnungen nahezu keinen Einfluss auf das Verhalten jugendlicher Raucher haben.

Die als Abschreckung gedachten Botschaften auf den Zigarettenpäckchen waren bisher selten Gegenstand von wissenschaftlichen Untersuchungen. Von einer genaueren Messung der Wirkung auf die Zielgruppe erhofft man sich eine Optimierung der vermittelten Inhalte, damit die Botschaften von den Adressaten besser verarbeitet und verstanden werden.

Die Studie lief in drei Etappen ab: Zuerst wurden relevante Botschaften kreiert und getestet, welche die kognitive Aufnahme bei den Jugendlichen fördern sollen. Als zweites wurde erfasst, welche Haltungen die 14-, 16- und 18-Jährigen in Bezug auf das Rauchen einnehmen und im Anschluss daran geprüft, ob sich diese Einstellungen verändern, wenn die Jugendlichen mit den Botschaften konfrontiert werden. Drei Monate später wurde in einer dritten Phase schliesslich untersucht, ob und wie sich die Haltungen und allenfalls auch die Verhaltensweisen langfristig veränderten.

Die Messungen wurden sowohl in der Zeitachse (mehrere Messungen bei einem Teilnehmenden zu verschiedenen Zeitpunkten) als auch im Quervergleich (die Teilnehmenden wurden in verschiedene Testgruppen eingeteilt) vorgenommen. Dabei wurden die Jugendlichen sowohl mit kurz- und langfristigen Gesundheitsbotschaften konfrontiert, wie auch mit Botschaften, die zwischenmenschliche Beziehungen betreffen. Es wurde festgestellt, dass der langfristige Einfluss der Botschaften fraglich bleibt, auch wenn die Jugendlichen im Moment der Aufnahme der Botschaft empfänglich für deren Inhalt waren. Gemäss der Studie haben auch Bilder auf den Zigarettenpäckchen keinen bemerkbaren Einfluss auf die Rauchergewohnheiten der Jugendlichen.

Zielgruppen entwickeln sich weiter

Die Untersuchung zeigt generell, dass die jugendlichen Raucher (knapp 15 Prozent der Jugendlichen) überzeugt sind, ihren Konsum unter Kontrolle zu haben: 73 Prozent denken, dass sie in fünf Jahren immer noch rauchen werden, während 95 Prozent angeben, dass sie jederzeit damit aufhören könnten. Allerdings sind die Identitätsveränderungen bei den 14- bis 18-Jährigen derart signifikant, dass sie nicht als homogene Gruppe erfasst werden können. So scheinen etwa die Jüngsten unter ihnen weit weniger empfänglich für Botschaften über langfristige Konsequenzen des Rauchens für die Gesundheit (Krebs) oder das Aussehen (gelbe Zähne), während diese Botschaften bei älteren Jugendlichen durchaus Gehör finden. Ausserdem haben einzelne Erlebnisse einen grossen Einfluss darauf, wie die Botschaften aufgenommen werden: Eine erste Zigarette oder ein erster Alkoholrausch können bereits zu einer veränderten Haltung gegenüber den Warnhinweisen führen.

Schliesslich bleibt die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Identitätsgruppe äusserst unbeständig. Deshalb ist es in der Prävention sehr schwierig, die Zielgruppe einer Botschaft längerfristig zu begleiten. Die Lösung könnte in einer Dauerberieselung mit stetig erneuerten Botschaften liegen, welche einerseits verschiedene Identitätsgruppen erreichen, andererseits aber auch eine einzelne Person zu verschiedenen Zeitpunkten im Leben ansprechen. „Die Studienresultate können nicht auf eine einzelne Ursache zurückgeführt werden“, erklärt Projektleiter Pascal Gygax. „Bei den Jugendlichen muss vielmehr ein ganzes Netz von Verhaltensweisen untersucht werden. Wir konnten beispielsweise eine enge Verknüpfung zwischen Alkoholkonsum und dem Rauchverhalten feststellen. Diese beiden Bereiche zu trennen wäre wahrscheinlich kontraproduktiv.“

Link zur Studie:

http://www.unifr.ch/psycho/site/units/psycholinguistique/prevention-tabagisme1


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