Neuer Schädling in der Schweiz entdeckt

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Drosophila suzukii Matsumura

Drosophila suzukii Matsumura

Die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) wurde in der Schweiz erstmals im Juli 2011 an Beeren im Tessin und in Graubünden festgestellt. Aufgrund der Schäden wurden schweizweit Insekten-Fallen in Obstbauregionen aufgestellt und überwacht. Aktuell sind keine weiteren Befallsherde zu vermelden. Im Moment werden verschiedene Bekämpfungsmöglichkeiten geprüft.

Die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii Matsumura) gehört zur Familie der Fruchtfliegen (Drosophilidae). Sie wird 2-3 mm lang, hat rote Augen und einen gelblich-braunen Körper. Die Bestimmung der Männchen ist relativ einfach, weil sie an den Flügelspitzen einen sehr deutlichen, schwärzlichen Fleck aufweisen, was sie von den einheimischen Fruchtfliegenarten unterscheidet (siehe Bild 2). Die Weibchen weisen allerdings keine Flecken auf den Flügeln auf und müssen daher von Fachleuten bestimmt werden. Die Tiere legen ihre Eier in gesunde Früchte (1-3 pro Frucht). Die geschlüpften Larven ernähren sich vom Fruchtfleisch. Ausgewachsen messen die cremefarbigen Larven 5-6 mm. Die Puppe ist zylinderförmig, rötlich-braun und 2-3 mm lang. Bis eine neue Generation entsteht, braucht es im April durchschnittlich etwa 30 Tage, im Juli 18 Tage. In unseren Breitengraden dauert die Flugperiode von April bis November. Eine ausgewachsene Fliege lebt während 3 bis 9 Wochen. Jedes Weibchen legt im Schnitt 400 Eier.

Eines der typischsten Befallssymptome ist dadurch gekennzeichnet, dass das Fruchtfleisch der befallenen Früchte in sich zusammenfällt (kollabiert). Die anfälligsten Kulturen sind Erdbeere, Heidelbeere und andere Beeren, Kirsche, Pfirsich, Aprikose und anderes Steinobst. Weitere Früchte nehmen als Wirtspflanze eine sekundäre Bedeutung ein: Traube, Apfel, Kaki, Kiwi und Birne sowie verschiedene weiche Wildfrüchte.

Befallsherde im Tessin und in Graubünden

Die Kirschessigfliege ist wegen ihres breiten Nahrungsspektrums (Polyphagie), der raschen Verbreitung und ihrer Biologie ein besonders wichtiger Schädling. Sie befällt mit Vorliebe nicht geerntete, fast reife Früchte. Ursprünglich stammt sie aus Japan, wurde nach Nordamerika eingeschleppt und 2008 erstmals in Spanien festgestellt. Im November 2009 trat sie im italienischen Trentino und 2010 in Südfrankreich und Korsika auf.

2011 lancierte Agroscope ACW eine Überwachungskampagne, um festzustellen, ob sich der Schädling bereits in der Schweiz aufhält. In den Kantonen Genf, Thurgau, St. Gallen, Graubünden, Tessin, Aargau, Basel-Land, Zürich, Waadt und Wallis wurden Beeren- und Steinobst-Produzenten ausgewählt. Die Überwachung erfolgt mittels einer Falle; einem Behälter mit etwas Apfelessig und einem Leimplättchen, das die Fangkontrolle erleichtert (Bild 1).

Ausgewachsene Individuen von Drosophila suzukii wurden Ende Juli in Fallen bei Beerenpflanzungen in Graubünden und im Tessin gefunden, während in der übrigen Schweiz und in den Steinobstpflanzungen noch keine dieser Schädlinge nachgewiesen werden konnten. Im Tessin wies eine Heidelbeerpflanzung einen starken Larvenbefall auf - der Schaden betraf 70% bis 80% der Früchte. Die befallenen Zonen werden auch weiterhin mit Fallen überwacht, um die Verbreitung und das Ausmass der Schädlingspopulationen beurteilen zu können.

Schwierige Bekämpfung

In Zusammenarbeit mit den bereits betroffenen Nachbarländern sind auch Bekämpfungsversuche geplant. Ihr Schädigungspotenzial und die Fähigkeit, gesunde Früchte kurz vor der Ernte zu befallen, machen die Kirschessigfliege allerdings zu einem schwer zu bekämpfenden Schädling. Darum ist davon auszugehen, dass sie sich in den nächsten Jahren in allen mittel- und südeuropäischen Ländern ausbreiten wird. Die Arbeitsgruppe von Agroscope ACW untersucht gegenwärtig die Erfahrungen bei der Prävention und Bekämpfung in bereits befallenen Ländern und arbeitet an der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln.

Kasten: Weil sich Drosophila suzukii hauptsächlich über den Obsthandel verbreitet, sind Pflanzenschutzkontrollen und vorbeugende Massnahmen an der Grenze kaum wirksam. Einerseits sind Menge und Vielfalt der eingeführten Früchte, die potenzielle Wirtspflanzen sind, hoch. Andererseits ist ein schwacher Befall auf diesen Importen schwierig nachzuweisen. Die Pflanzenschutzorganisation Europas und der Mittelmeerländer EPPO hat die Kirschessigfliege auf ihre Warnliste gesetzt. Weil es aber schwierig ist, die möglichen Einschleppungswege zu kontrollieren, ist nicht gewiss, ob die Einstufung des Schädlings als Quarantäneorganismus zielführend ist.


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