Schmetterlinge, die so tun, als ob

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Schmetterlinge, die so tun, als ob

Eine neue Studie löst das Rätsel um das Nachahmungsverhalten gewisser Schmetterlingsarten zum Schutz vor natürlichen Feinden. Forschende haben das als Mimikry bekannte Phänomen untersucht.

Die Forschergruppe konnte zum ersten Mal aufzeigen, wie ein Schmetterling aus dem Amazonas andere, giftige Arten imitiert, und damit seine natürlichen Feinde, wie etwa Vögel, täuscht. Diese erstaunliche evolutionäre Überlebensstrategie, bekannt als Müllerscher Mimikry, beschäftigt die Evolutionsforscher seit Charles Darwin. Die Studie zeigt nun auf, dass ein sogenanntes Super-Gen hinter dieser faszinierenden List steckt. Durch das Nachahmen der Erscheinung von potentiell gefährlichen Spezies beschaffen sich diese Schmetterlinge einen wichtigen Vorteil in der natürlichen Selektion.

Super-Gen sorgt für Variantenreichtum

Bei der Untersuchung eines Schmetterlings, der im Amazonas vorkommt (Heliconius numata) und verschiedene giftige Schmetterlingsarten imitiert, fanden die Forschenden heraus, dass bei diesem Insekt parallel drei Chromosomentypen bestehen, welche die Nachahmung von drei verschiedenen Arten ermöglichen. In den Chromosomen entdeckten die Wissenschaftler eine Gruppe von etwa 30 Genen, die im Zuge der Evolution bewegungsunfähig wurden und so die natürliche genetische Vermischung von Generation zu Generation verhinderten. Auf diese Weise werden bestimmte Gene quasi als Block vererbt, was zu sehr unterschiedlichen Erscheinungsformen bei den Schmetterlingen führen kann, ohne dass Zwischenformen gebildet werden. Derartige Gruppierungen werden in der Biologie als „Super-Gene“ bezeichnet. Sie steuern zahlreiche weitere Unterschiede, wie etwa Formvariationen bei den Blüten der Primeln oder die Motive und Formen bei einigen Schneckenhäusern. „Dank dieser Entdeckung verstehen wir besser, wie sich die prachtvollen Zeichnungen auf den Schmetterlingsflügeln entwickelt haben“, erklärt Christoph Haag, Forscher an der Universität Freiburg. „Es ist beeindruckend, festzustellen, dass die unterschiedlichen Motive hauptsächlich auf die Variationen in der Reihenfolge und in der Ausrichtung der Gene in einem Chromosomenabschnitt zurückzuführen sind.“


CW