Weshalb tun wir Gutes?

Weshalb tun wir Gutes?

Wie können Menschen dazu motiviert werden, Freiwilligenarbeit zu leisten? Wenn Menschen zum Allgemeinwohl beitragen, fallen beim einzelnen Individuum Kosten an. Der Profit liegt bei der gesamten Gesellschaft. In der Forschung stellt dieses sogenannte Trittbrettfahrerproblem und seine Überwindung eine grosse Herausforderung dar. Forschende haben diese Frage am Beispiel des Blutspendens untersucht und schlagen konstruktive Lösungen vor, wie das prosoziale Verhalten erhöht werden kann.

Die Forschenden gingen von der Hypothese aus, dass eine Nichtbeteiligung an der Herstellung eines öffentlichen Gutes nicht automatisch eine prinzipielle Ablehnung bedeutet, sondern ein Resultat der fehlenden Auseinandersetzung mit dem entsprechenden Thema sein kann. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die Auseinandersetzung – wie im Beispiel der Blutspende – eher unangenehm ist. Man stellt sich nicht gerne vor, selber eine solche Spende zu benötigen. Da der Gedanke verdrängt wird, wird auch der Nutzen einer Blutspende, das Potenzial Leben zu retten, tendenziell ignoriert. Die Strategie, unangenehme Gedanken zu vermeiden, hat zur Folge, dass sich Leute an Spendeaktionen nicht beteiligen, weil sie sich des Werts ihrer eigenen Spende nicht bewusst sind.

Diese für alle unvorteilhafte Situation, so die Hypothese der Forschenden, kann überwunden werden, indem man die Menschen zu aktiven Entscheiden auffordert, wodurch eine geistige Auseinandersetzung mit dem Thema erfolgt. Dies führt dazu, dass die Leute ihrem potenziellen prosozialen Verhalten einen subjektiven Wert beimessen, was sie schliesslich zu einer Erhöhung des prosozialen Verhaltens motivieren kann.

Alois Stutzer und Michael Zehnder von der Universität Basel haben die Wirkung dieser aktiven Entscheide in Zusammenarbeit mit Lorenz Götte von der Universität Lausanne getestet. In einem Feldexperiment, das im Rahmen einer Blutspendeaktion des Roten Kreuzes durchgeführt wurde, fanden sie deutliche Evidenz für ihre positive Wirkung. Personen, die bisher nicht über das Thema Blutspenden nachgedacht hatten, konnten zu einer Spende motiviert werden, indem man sie um eine konkrete Entscheidung bat. Dabei wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Experimentes nach dem Zufallsprinzip in eine von drei möglichen Vorgehensweisen eingeteilt.

Die erste Gruppe wurde lediglich über die Möglichkeit der Blutspende informiert. Die zweite Gruppe wurde mit einer aktiven Entscheidung konfrontiert, indem man sie sogleich um ein Zu- oder Absage bat, die auch schriftlich festgehalten wurde. Die dritte Gruppe hatte in einer abgeschwächten Form die Möglichkeit, ihren Entscheid sofort zu fällen oder ihn auf später zu verschieben.

Personen, die sich der Bedeutung des Blutspendens bereits bewusst waren, wurden durch eine entsprechende Testfrage identifiziert. Bei diesen zeigten die oben beschriebenen unterschiedlichen Vorgehensweisen keine relevante Wirkung.

Das Experiment zeigte, dass Personen, die bisher keine persönliche Einschätzung der Bedeutung des Blutspendens angestellt hatten, sehr stark reagierten. Das Forscherteam konnte eine deutliche Steigerung der Spendewahrscheinlichkeit bei der Gruppe nachweisen, von der ein sofortiger Entscheid verlangt worden war. Ihre Bereitschaft, Blut zu spenden, stieg um acht Prozentpunkte. In Anbetracht der durchschnittlichen Beteiligungsrate von rund acht Prozent in der gesamten Stichprobe ist dies ein sehr hoher Wert. Die schwächere Form der aktiven Entscheidungsfindung in Gruppe drei führte auch zu positiven Resultaten, wenn auch in geringerem Umfang.

Prosoziales Verhalten kann also verstärkt werden, indem man Leute, die über ein Thema bisher nicht nachdenken mochten, mit sanfter überzeugung dazu bringt, sich ernsthaft damit auseinander zu setzen. Im besprochenen Experiment konnte die Blutspendewahrscheinlichkeit mit dieser Methode der aktiven Entscheidung deutlich erhöht werden. Es darf erwartet werden, dass diese Resultat Anwendung auch in anderen Bereichen finden könnten, beispielsweise bei der Organspende. Weitere Experimente werden dies klären.

 


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