Da liegt noch mehr drin!

Da liegt noch mehr drin!

Die Mehrheit der Schweizer Betriebe unterschätzt ihr Energiesparpotenzial. Laut Cleantech-Experten könnten sie mit bereits implementierten oder neuen Technologien das Doppelte herausholen.


Die letzten Jahre zeigen, dass die Schweizer Industrie auf Cleantech setzt und mit den heutigen Technologien schon einiges erreicht hat: Die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie konnte ihren Energieverbrauch zwischen 1990 und 2010 um 39% senken, die CO2-Emmissionen wurden halbiert, der Erdölverbrauch um über 80% reduziert und durch andere Energieträger ersetzt. Es liegt aber noch mehr drin.

Fachleute aus dem Energie-Bereich schätzen das Energiesparpotenzial von Schweizer Unternehmen auf 30% ein. Die Firmen selbst sagen hingegen etwas anderes: sie erachten Einsparungen von 15% als realistisch. Dies ist das Ergebnis einer Studie, die die Hochschule  Luzern durchgeführt hat. Die Autoren Bruno R. Waser und Christoph Hanisch erstaunen diese unterschiedlichen Aussagen nicht. «In den meisten Unternehmen wurde die Selbsteinschätzung nicht von Energie-Experten vorgenommen. Um das ganze Potenzial zu erkennen, braucht es aber fachliches Knowhow», lautet ihre Begründung. Für die Studie befragt wurden rund 700 Schweizer Industrie-Unternehmen ab 20 Mitarbeitenden aufwärts.

Kosten sind das Hauptmotiv


Da die nicht erneuerbaren Energiequellen ständig knapper werden, müssen alternative ausgebaut werden. Das lässt die Preise ansteigen: Der Energieverbrauch wird mehr und mehr zu einem relevanten Kosten- und somit Wettbewerbsfaktor für die Unternehmen. Prioritär investieren Firmen denn auch in Effizienztechniken, mit denen sie in erster Linie die Kosten reduzieren können. Im Rahmen der Studie wurde untersucht, inwieweit folgende fünf Energieeffizienz-Techniken eingesetzt werden: Elektromotoren mit Drehzahlregelung, Rückgewinnung von Bewegungs- und Prozessenergie, Steuerungskonzept zur Abschaltung von Maschinen, Kraft-Wärme (-Kälte)- Kopplung und Einsatz von Hocheffizienzpumpen.

Herausgestellt hat sich, dass ca. ein Drittel der Unternehmen keine dieser fünf Energieeffizienztechniken einsetzt, ein Drittel ein bis zwei Techniken nutzt und ein weiteres Drittel drei und mehr dieser Techniken implementiert hat. Im letzteren Drittel befinden sich vor allem Grossunternehmen. Laut Waser haben sie eine Vorreiterrolle. «Das zeigt sich auch in der Wahl der innovativsten Techniken: Grosse Unternehmen setzen Kraft-Wärme (-Kälte)-Kopplung und Hocheffizienzpumpen mehr als doppelt so oft wie KMU ein», sagt er. Diese beiden gehören zu den teureren Investitionen. Die Studie hat aber auch ergeben, dass das hauptsächliche Hemmnis für die Implementierung von Energieeffizienztechniken nicht der Preis, sondern fehlendes Know-how über die effektiven Einsparpotenziale ist.

Am meisten zum Einsatz, bei rund 45% der befragten Unternehmen, kommt die Drehzahlregelung an Elektromotoren. Praktisch alle Branchen greifen auf diese Technologie zurück, mit der der Stromverbrauch etwa um einen Viertel reduziert werden kann. 38% setzen auf die Rückgewinnung von Bewegungs- und Prozessenergie, hauptsächlich energieintensive Unternehmen wie beispielsweise die Kunststoffindustrie. Bei etwas mehr als einem Viertel kommen Steuerungskonzepte zur Abschaltung von Maschinen in Schwachlastzeiten zum Zug, vor allem in der Papierindustrie. 18% der befragten Unternehmen haben wiederum eine Kraft-Wärme (-Kälte)-Kopplung eingerichtet, hier ist die Grafikindustrie führend. Hocheffizienzpumpen haben zwar ein beträchtliches Einsparpotenzial, implementiert haben sie  aber nur 14% der befragten Unternehmen, am meisten im Einsatz sind sie ebenfalls in der Kunststoffindustrie.

Umweltmanagementsystem: Mehr wissen und die Zahlen kennen


Dass ein Unternehmen Energieeffizienztechniken hat, heisst noch nicht, dass ihr Potenzial vollumfänglich ausgeschöpft wird. Beispielsweise haben 63% der Betriebe, bei denen Elektromotoren mit Drehzahlregelung implementiert sind, angegeben, dass sie diese gar nicht oder nur in Ansätzen nutzen. Obwohl also Firmen Geld für Effizienztechniken ausgegeben haben, sind diese in den Arbeitsalltag noch wenig integriert. Gerade auch hier sehen die Autoren der Studie Handlungsbedarf.

«Es nützt nichts, wenn Umweltvorgaben von der Politik oder der Geschäftsleitung gemacht werden, wenn zur Umsetzung die erforderlichen Kompetenzen fehlen», so Waser. Er empfiehlt allen Unternehmen, eine spezifische Analyse durch Fachleute machen zu lassen und ein Umwelt- oder Energiemanagementsystem einzurichten. Darin werden beispielsweise die Kennzahlen für den Energieverbrauch regelmässig aktualisiert und kommuniziert. Sie verschaffen dem Unternehmen einerseits eine konkrete Vorstellung davon, wie es bzgl. Energieeffizienz im nationalen und internationalen Bereich dasteht, und bilden andererseits die Grundlage für Verbesserungsmassnahmen. Waser: «Unternehmen mit einem Umweltkennzahlensystem nutzen Energieeffizienztechniken signifikant häufiger als Betriebe ohne dieses Instrument.»

CW

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