Sprachkenntnisse fördern Integration

Sprachkenntnisse fördern Integration

Der Kompetenz in einer der Landessprachen kommt laut Bundesamt für Migration eine Schlüsselfunktion bei der Integration zu. Welche Strategien Asylsuchende und ihre Betreuungspersonen anwenden, wenn die gemeinsame Sprache Deutsch noch im Aufbau ist, zeigt eine Studie auf.

Sprachkompetenzen sind laut dem Bundesamt für Migration eine wichtige Voraussetzung für die reibungslose und schnelle berufliche und soziale Integration von Migrantinnen und Migranten. Doch beginnen diese meist erst nach der Ankunft im Aufnahmeland mit dem Erlernen der Landessprache. Bei ihrer Ankunft bringen sie meist ungenügende Sprachkenntnisse mit, um sich in der neuen Umgebung sprachlich adäquat ausdrücken zu können. In der Schweiz wird die Lernsituation zusätzlich erschwert durch das Nebeneinander von Schweizerdeutsch und Hochdeutsch.

Welche Strategien Asylsuchende und ihre Betreuerinnen im Gespräch anwenden, um sich trotz eingeschränkter Sprachkenntnisse zu verstehen, dies untersuchten zwei Absolventinnen des Bachelorstudiengangs Übersetzen in ihrer Abschlussarbeit. Nina Felder und Manuela Näf untersuchten Gespräche zwischen Asylsuchenden und ihren Betreuerinnen in einem Asyltreffpunkt und förderten dabei vielfältige Strategien zutage, wie das Verständnis in informellen Kommunikationssituationen ermöglicht und gesichert wird: Die Betreuungspersonen sprechen mehrheitlich Deutsch und so auch die Asylsuchenden. Bei Formulierungsschwierigkeiten wird im Deutschen neu formuliert, vereinfacht und gelegentlich auch aufs Englische ausgewichen. Die Gespräche sind in der Regel gekennzeichnet durch eine grosse Fehlertoleranz und haben einen Fokus auf den zu übermittelnden Inhalten, was charakteristisch ist für die Lingua-Franca-Kommunikation.

Jedoch zeigen die Betreuerinnen auch Elemente des Lehr-Lern-Dialogs: Sie korrigieren Fehler, statt ihr Augenmerk auf die Verstehensund Verständnissicherung zu richten. Reicht die Sprachkompetenz der Asylsuchenden für die Verständigung nicht aus, können sie nicht nur auf die Hilfe ihrer Betreuungspersonen zählen, sondern auch auf die sprachliche Unterstützung der anderen Asylsuchenden.

Die Arbeit zeigt damit auch auf, dass eine angepasste und optimierte Sprachförderung - von Asylsuchenden und (angehenden) Betreuungspersonen - die spätere Integration nach einem positiven Asylentscheid erleichtern würde.

Die Arbeit wurde am 18. Oktober 2012 an der Diplomfeier des IUED Institut für Übersetzen und Dolmetschen der ZHAW mit dem Preis der Johann Jacob Rieter-Stiftung ausgezeichnet. Barbara Meili, die den Preis übergab, würdigte die Arbeit wie folgt: Die Arbeit nimmt «einen gesellschaftlich relevanten Bereich auf, in dem die Verständigung über sprachliche und kulturelle Grenzen hinweg eine grosse Rolle spielt. Sie ist wissenschaftlich auf gutem Niveau, gleichzeitig aber von unmittelbarem praktischem Nutzen. Damit erfüllt sie eine Kernaufgabe der Fachhochschulen.»

Mit Nina Felder und Manuela Näf schlossen 93 Absolventinnen und Absolventen ihr Studium am IUED Institut für Übersetzen und Dolmetschen des Departements Angewandte Linguistik der ZHAW ab.

Der Bachelorstudiengang Übersetzen mit den Vertiefungen Mehrsprachige Kommunikation, Multimodale Kommunikation und Technikkommunikation ist die Hochschulausbildung für mehrsprachige KommunikatorInnen und TechnikkommunikatorInnen. Er vermittelt hervorragende Sprachkompetenz in mindestens drei Sprachen sowie praxisrelevantes Kommunikationswissen für die mündliche oder schriftliche Sprachmittlung bzw. für die verständliche Vermittlung technischer Inhalte an verschiedene Zielgruppen.