Sprachkompetenzen der fremdsprachigen Bevölkerung des Kantons Zürich

Sprachkompetenzen der fremdsprachigen Bevölkerung des Kantons Zürich

Die Chance, als fremdsprachige Immigrant/innen gut Deutsch zu lernen, nimmt mit dem Bildungsstand zu. Portugiesen und Albanerinnen sind sprachlich am schlechtesten integriert. Die Mehrheit der Immigrierten besucht auf eigene Initiative Deutschkurse.

63% der Befragten gaben an, bei der Einreise in die Schweiz kein Deutsch zu sprechen, 25% ein wenig, 11% gut bis muttersprachlich. Die Chance, in der Schweiz gut Deutsch zu lernen, nimmt mit dem Bildungsstand zu. Unter den aus Europa immigrierten Personen lernen diejenigen mit mittlerer Qualifikation am besten Deutsch - nicht zuletzt deshalb, weil dies den Berufseinstieg erleichtert. Sie haben zudem mehr Zeit und Geld, um Kurse zu besuchen, während gering wie hoch Qualifizierte aus beruflichen Gründen oft wenig Zeit für Deutschkurse haben. Wenig qualifizierten Personen fehlt zudem oft die Lernerfahrung: Wenn sie Deutsch lernen, dann im Alltag und damit vor allem Schweizerdeutsch.

Bei den südamerikanischen Befragten nehmen die Deutschkenntnisse mit der Qualifikation zu. Auch Personen mit hoher Qualifikation brauchen in der Regel Deutsch, um den Einstieg in den Schweizer Arbeitsmarkt zu finden. «Der Anteil derjenigen, die Deutschkurse besuchen, ist relativ hoch - trotz finanzieller und zeitlicher Belastung», stellt Thomas Heyn von der Fachstelle für Integrationsfragen fest. «Ebenso hat sich das Bild der südamerikanischen Befragten korrigiert: Viele sind gut qualifiziert und überdurchschnittlich motiviert, Deutsch zu lernen», fügt Heyn an.

Am schlechtesten schneiden die Personen aus der portugiesischen Sprachgruppe ab: Sie sind oft gering qualifiziert, sprechen schlecht Deutsch, besuchen überwiegend keine Deutschkurse und haben schlechte Integrationsvoraussetzungen. Ebenso problematisch ist die Situation vieler Albanerinnen: Eine Mehrheit der Befragten ist sehr jung in die Schweiz gekommen, um hier einen bereits ansässigen albanischen Mann zu heiraten. Im Gegensatz zu den männlichen Befragten besuchen sie zwar oft Deutschkurse, sind jedoch sehr isoliert und haben wenig Freiraum, um ihre Sprache zu festigen.

Die englischsprachigen Befragten sind sehr motiviert, Deutsch zu lernen. Nach fünf Jahren Aufenthalt in der Schweiz haben 21 von 25 Befragten einen Deutschkurs besucht. Das Hauptproblem liegt hier bei den fehlenden Kommunikationsmöglichkeiten: Sie haben meist ein englischsprachiges Umfeld und wenig beruflichen Druck zum Deutsch lernen. Es zeigt sich aber auch, dass es die Schweizerinnen und Schweizer sind, die mit ihnen nicht Deutsch, sondern Englisch sprechen wollen. Fabienne Tissot, Linguistin an der ZHAW: «Ein grosses Potenzial ist bei den englischsprachigen Frauen vorhanden. Alle Befragten verfügen mindestens über einen Hochschulabschluss, viele sind jedoch nicht im hiesigen Arbeitsmarkt integriert.» Dass sie ihre berufliche Integration dennoch schaffen, ist laut Tissot bezeichnend: «Kenntnisse der Landessprache sind ohne Frage von sehr hoher Wichtigkeit. Die Formel "Die Sprache als Schlüssel zur Integration" ist jedoch zu einfach. Ob und wie jemand Deutsch lernt, ist von vielen Faktoren abhängig.» Und die Studie zeigt deutlich: Deutschkurse werden auch besucht, ohne dass der Staat Druck ausüben müsste - 61% aller Befragten haben in der Schweiz einen Deutschkurs besucht.

In Telefons wurden Personen der im Kanton Zürich meistvertretenen Sprachgruppen
(Albanisch, Englisch, Italienisch, Portugiesisch, Spanisch, Serbisch/Bosnisch/Kroatisch) befragt, die seit 2006 bzw. seit 2010 in der Schweiz leben. Neben Fragen zu ihrem biographischen Hintergrund und ihren Lernerfahrungen wurden die Befragten gebeten, einzuschätzen, wie sie unterschiedliche Situationen auf Deutsch meistern können. Als Basis diente der Gemeinsame europäische Referenzrahmen für Sprachen (GER).