Verkehrsbelastung als Chance

(Image © Fotolia)

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Die Studie «Mobility Lake» untersucht die Verkehrssituation im Bodenseeraum. Sie zeigt, wie sich diese hochfrequentierte Region als Pioniermodell für zukunftsfähige Mobilität positionieren könnte.

Die Bodenseeregion gehört zu den beliebtesten Freizeitgegenden Europas. Während das touristische Angebot in den letzten Jahren stets gewachsen ist, hat sich das Verkehrsmanagement aber kaum weiterentwickelt. Dies trifft insbesondere auf die grenzüberschreitende Mobilität zu. «Mobility Lake» hat Informationen über die Verkehrssituation und Angebote zusammengetragen. Die ZHAW-Studie zeigt die beiden grössten Hindernisse für eine nachhaltige Entwicklung auf: mangelnde Vernetzung und Partikularinteressen, die aus den Länder-, Tarif- und Verkehrsverbundgrenzen hervorgehen. So dauert beispielsweise eine Reise von Kreuzlingen ins 60 Kilometer entfernte Bregenz mit der Bahn fast doppelt so lang wie mit dem Auto. Grund dafür sind zwei- bis dreimaliges Umsteigen sowie zusätzliche Wartezeiten im öffentlichen Verkehr.

Bodenseeregion als mögliches Pioniermodell

«Die Grenzen der Zuständigkeiten müssen überwunden werden, es gilt das Denken im eigenen Entscheidungsraum zugunsten einer Gesamtsicht auf die Region zu öffnen», erklärt Projektleiterin Merja Hoppe vom Institut für Nachhaltige Entwicklung der ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. ,,Mit weiterhin wachsendem Verkehrsaufkommen und steigenden Energiepreisen werden sich die Probleme verschärfen.» Ihr Ziel ist die Entwicklung eines grenzüberschreitenden nachhaltigen Mobilitätskonzepts basierend auf den Ergebnissen der Studie. Die unzureichende Ist-Situation betrachtet Hoppe als Chance. «Die Bodenseeregion könnte zu einem Eldorado der Nachhaltigkeit in Europa werden und sich als Pioniermodell für zukunftsfähige Mobilität und Lebensqualität positionieren.» Derzeit wird nach einer Finanzierung gesucht, um ein solches Mobilitätskonzept zu realisieren. Die Studie selbst wurde durch die Internationale Bodensee-Hochschule IBH finanziert und von der ZHAW zusammen mit den Instituten für Dienstleistungsmanagement und Systemdynamik der HTWG Konstanz durchgeführt.

Vernetzung ist zentral

Erste nachhaltige Angebote wie Carsharing, Car-Bike-Sharing, den Verleih von E-Bikes oder Elektromobilen gibt es bereits, aber sie sind lokal oder regional begrenzt. Mit der Euroregio-Tageskarte, einem länderübergreifenden Verkehrsticket, wurde ein erster Schritt in Richtung stärkerer Vernetzung getan. Potenzial ist vorhanden, jedoch noch nicht voll genutzt. Vernetzung ist das Schlüsselwort hierfür: grenzüberschreitende Angebotsplanung und Information - beispielsweise über eine Online-Plattform zum Verkehrsangebot - gehören ebenso dazu wie eine gemeinsame Vision für die Region.


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