Innovation im alpinen Tourismus: So stellen die Besten ihre Weichen für die Zukunft

Innovation im alpinen Tourismus: So stellen die Besten ihre Weichen für die Zuku

Innovation im alpinen Tourismus: So stellen die Besten ihre Weichen für die Zukunft



Innovationen spielen im schwierigen Marktumfeld des Schweizer Alpentourismus eine immer wichtigere Rolle. Die HTW Chur fasst in einer neu erschienenen Publikation die Ergebnisse einer länderübergreifenden Best-Practice-Studie zusammen und gibt Einblicke, wie die erfolgreichsten Destinationen in Graubünden, Vorarlberg, Tirol und Südtirol und die dort ansässigen Leistungsträger Innovationen realisieren.

Besonders innovative Leistungsträger im alpinen Tourismus sind sich einig: Innovationen stellen die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft. Innovieren ist jedoch mit Risiken verbunden. Die Studie zeigt, dass es einige Erfolgsfaktoren beim Innovieren im Tourismus gibt.

Eine Frage der Qualität
Ferien in den Schweizer Alpen sind teuer geworden, wie ein Vergleich von Hotels aller Klassen in Österreich, dem Südtirol und der Schweiz zeigt. Die Schweizer Preise für Hotelübernachtungen sind je nach Kategorie bis zu 50% teurer. Diese Tatsache lässt unternehmerisch nur einen Weg offen, wie Jürg Schmid, Direktor von Schweiz Tourismus, klar machte: "Das Preisniveau können wir nicht stark beeinflussen. Deshalb gibt es nur eine Lösung. Wir müssen auf Qualität setzen und besser sein." (Samstagsrundschau SRF, 11. Mai 2013). Innovationen spielen vor diesem Hintergrund eine entscheidende Rolle, um eine erfolgreiche Zukunft des Bündner Tourismus zu sichern.

Kooperation anstatt Futterneid
Ein wichtiger Erfolgsfaktor beim Innovieren ist die Kooperation zwischen Leistungsträgern. "Die Kooperationsfähigkeit unserer Tourismusakteure stellt die Grundlage für unseren Erfolg dar", meint Paul Greiter, Bürgermeister von Serfaus etwa.

"Dolomiti Superski" im Val Gardena ist zweifellos ein Vorbild und Pionier im Alpenraum, was Kooperationsfähigkeit anbelangt. Unter dem Konsortium arbeiten 130 eigenständige Bergbahnunternehmen zusammen. Sie bilden gemeinsam das gemäss eigenen Aussagen "grösste Skikarussel der Welt" mit 12 verbundenen Skigebieten, 1200 Pistenkilometern und 450 Anlagen. Durch ein ausgeklügeltes System gelingt es, die Kräfte effizient zu bündeln und zugleich einen schädlichen Preiskampf in der Region zu vermeiden. Zur Kooperation haben sich die teils sehr unterschiedlichen Skigebiete entschieden, weil sie erkannten, dass nur durch die Zusammenarbeit ein wirklich einzigartiges Angebot geschaffen werden konnte, von dem alle profitieren würden. Heute stellt die Kooperation unter anderem auch ein Fundament für Innovationen aller Art dar. Gerhard Vanzi, Geschäftsführer von Dolomiti Superski im Val Gardena bringt es auf den Punkt: "Innovation ist die Seele einer erfolgreichen Zukunft. Ohne Innovation keinen Fortschritt. Innovation ist für uns unabdingbar."

"Gemischtwarenl­aden" reicht nicht mehr

Auffällig viele erfolgreiche Leistungsträger im Tourismus haben erkannt, dass es heute nicht mehr reicht, einen "Gemischtwarenladen" zu führen. Vielmehr richten sie sich konsequent auf eine bestimmte Zielgruppe und deren Bedürfnisse aus und differenzieren sich mit innovativen Angeboten von Mitbewerbern.

Wenn Unternehmen eine solche klare Richtung einschlagen, dann geht das nie ganz schmerzlos vonstatten: Einerseits muss unter Umständen viel Geld investiert und damit ein grosses, unternehmerisches Risiko in Kauf genommen werden. Und bestehende Stammgäste sind möglicherweise wenig begeistert von den Veränderungen. Bei vielen Leistungsträgern, die einen solchen radikalen Weg eingeschlagen haben - darunter etwa das Familienhotel Furgler in Serfaus, das Posthotel in Achenkirch oder auch das Hotel Der Weinmesser in Schenna - überwiegen aber die Vorteile. So konnten innert kürzester Zeit neue Gäste gewonnen, das Image verbessert und die Auslastung massiv gesteigert werden.

Interessant ist auch, dass einige der erfolgreichsten Destinationen über eine ganz klare Positionierung verfügen, welche eine starke Aussenwahrnehmung generiert. Beispiele dafür sind etwa die Destination Kleinwalsertal als Familiendestination oder Scuol als Destination, welche die Natürlichkeit und Tradition verkörpert.

Skalenund Synergieeffekte
Die Rentabilität von Hotelbetrieben ist stark grössenabhängig. Grosse Betriebe profitieren von Skalenund Synergieeffekten und realisieren so deutlich höhere Umsätze und Erträge pro Gast. Dadurch können Innovationen finanziert werden. Kleine Betriebe sind also nicht weniger innovativ - sie haben häufig einfach nicht die finanziellen Mittel für den "ganz grossen Wurf" zu Verfügung. Kurt Baumgartner von der Belvédère Hotelgruppe in Scuol war von Anfang an klar, dass ein Hotel eine bestimmte Grösse haben müsse, um effizient und rentabel zu sein. Heute koordiniert er bestimmte Prozesse über die ganze Hotelgruppe hinweg und lanciert Innovationen, wie etwa ein zentraler Weinkeller, welche die Nutzung von Synergien noch verbessert.

Innovieren will gelernt sein

Der Innovationsprozess stellt auch erprobte Innovatoren vor grosse Herausforderungen. Karl Reiter vom Posthotel in Achenkirch stellt fest: ,,Gute Ideen zu generieren ist für uns nicht schwierig. Viel anspruchsvoller ist die Umsetzung." Bei grösseren Innovationsprojekten geht es sehr schnell um beachtliche Investitionssummen und entsprechend hohe Risiken. Ein angepasstes Risikomanagement, eine systematische Implementierung sowie ein ständiges Controlling können über Erfolg und Misserfolg entscheiden. Umso mehr erstaunt es, dass viele erfolgreiche Leistungsträger recht unsystematisch vorgehen, wenn es darum geht, eine Vision umzusetzen. Im Bereich des Risikound des gezielten Innovationsmanagements ist noch Handlungsbedarf in der Branche auszumachen.

Zur Studie
Die neu erschienene Publikation "Lernen von den Besten. Innovation im alpinen Tourismus" wird am 4. Dezember 2013 veröffentlicht. Sie richtet sich an touristische Leistungsträger aus Graubünden und will Impulse zum Thema Innovation setzten. In der Publikation kommen erfolgreiche Leistungsträger aus dem Alpenraum zu Wort. Sie zeigt Erfolgsfaktoren rund um das Thema Innovationen im alpinen Tourismus und fasst Ergebnisse der qualitativen Best-Practice-Studie zusammen, welche 2012/2013 in Kooperation des Schweizerischen Instituts für Entrepreneurship SIFE und dem Institut für Tourismus und Freizeit ITF der Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur erarbeitet wurde. Das Ziel war herauszufinden, wie Innovationen auf der Ebene von Destinationen wie auch auf betrieblicher Ebene entstehen und realisiert werden. Dazu wurden, basierend auf dem BAK Basel Top Index, die erfolgreichsten Destinationen aus dem Südtirol, Tirol, Vorarlberg und Graubünden ausgewählt und innerhalb dieser wiederum die innovativsten und bedeutsamsten touristischen Betriebe und Organisationen t. Insgesamt wurden über 70 s in 10 Destinationen durchgeführt.


Brigitte Küng
Schweizerisches Institut für Entrepreneurship SIFE, HTW Chur
E-Mail: brigitte.kueng @ htwchur.ch
Tel.: +41 (0)81 286 24 06

Roger Walser
Institut für Tourismus und Freizeit ITF, HTW Chur
E-Mail: roger.walser @ htwchur.ch
Tel.: +41 (0)81 286 24 74

Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur
Die Hochschule für Technik und Wirtschaft beschäftigt 210 fest angestellte Mitarbeitende. Mit zusätzlich rund 130 Lehrbeauftragten bildet die Hochschule 1600 Studierende aus. Es werden Bachelor-, Masterund Weiterbildungsstudien in den sechs Disziplinen "Bau", "Informationswissenschaft", "Management", "Medien und Kommunikation", "Technik" sowie "Tourismus" angeboten. Die HTW Chur betreibt in allen Fachbereichen angewandte Forschung und Entwicklung, führt Beratungen durch und bietet Dienstleistungen an. Die gesamte Hochschule ist ISO 9001:2008 zertifiziert. Die Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur ist Teil der FHO Fachhochschule Ostschweiz.




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