Wann Crowdfunding-Projekte im Tourismus Erfolg haben

Wann Crowdfunding-Projekte im Tourismus Erfolg haben
Die Finanzierung von Projekten über Crowdfunding etabliert sich in der Schweiz. Die Kampagnen funktionieren je nach Branche jedoch sehr unterschiedlich. Eine Studie der Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur hat erstmalig Erfolgsfaktoren für Tourismus-Projekte analysiert. Wer zum Beispiel eine Kampagne im Team durchführt, eine Auswahl an sinnvollen Gegenleistungen anbietet, das Finanzierungsziel nicht zu hoch ansetzt und einen Twitter-Account zielgruppengerecht bespielt, erhöht die Chancen auf den Erfolg des Projekts.

Ob interaktiver Stadtrundgang, Mittelaltermarkt oder Snowpark: Auch im Tourismus wird Crowdfunding mittlerweile für eine Vielzahl an Projekten in der Hotellerie, der Gastronomie oder im Eventbereich genutzt. Dennoch existieren für den Tourismus keine Erkenntnisse darüber, was den finanziellen Erfolg einer Crowdfunding-Kampagne beeinflusst. Kerstin Wagner und Dr. Michael Beier von der HTW Chur analysieren erstmals Tourismusprojekte der Crowdfunding-Plattform 100 Days.


Kooperationen sind wichtig für den Crowdfunding-Erfolg
Kooperationen im Tourismus sind auch beim Crowdfunding wichtig: Kampagnen, die von Teams gestartet werden, haben höhere Erfolgsaussichten, das gesetzte Finanzierungsziel zu erreichen. «Wir vermuten, dass mehr Teammitglieder mehrere unterschiedliche Netzwerke mitbringen, die sie dann für die Kampagne aktivieren», so Wagner. Die Auswertungen der 104 Projekte zeigen zudem, dass eine höhere Anzahl an Gegenleistungen die Erfolgschancen erhöhen. Je mehr geeignete und sinnvolle Gegenleistungen als Ergänzung zum Projekt kreiert werden, desto mehr Geldgeber können bei ihrer individuellen Zahlungsbereitschaft abgeholt werden. Durchschnittlich werden pro Projekt sechs Gegenleistungen angeboten. Dies können Geschenke rund um das Produkt, Belohnungen oder das Produkt bzw. die Dienstleistung selbst sein.


Projekte von der Schweiz für die Schweiz

Auch haben Projekte, die in Schweizer Franken lanciert werden, höhere Erfolgschancen: Geldgeber bevorzugen Projekte, die sich in räumlicher Nähe zu ihrer Heimat befinden. Im Tourismus sind auch Einheimische und Urlauberinnen und Urlauber eine wichtige Zielgruppe: Jedes Vorhaben, das über Crowdfunding finanziert und realisiert wird, verbessert insgesamt die Angebote in einer Region und zieht letztlich mehr Gäste an.

Social Media zeigt nur bedingt Wirkung
Obwohl gerade Social Media Plattformen das Word-of-mouth Marketing verstärken und die Ansprache neuer oder loser Kontakte auf den Online-Kanälen erleichtern sollen: Weder die Einbindung einer eigenen Homepage noch die Verlinkung mit einer Facebook-Seite erhöhen nachweislich die Erfolgschancen. Der einzige externe Kanal, der Wirkung zeigt, ist Twitter. Offensichtlich wird über die Einbindung von Twitter die Reichweite derart gesteigert, dass die Anzahl der Geldgeber massgeblich erhöht werden kann. 25 Prozent der untersuchten Tourismus-Projekte haben einen Twitter-Kanal genutzt.

Nicht zu hohe Finanzierungsziele wählen
Das eindeutigste Ergebnis: Je niedriger das Finanzierungsziel, desto höher die Erfolgschancen. «Projektinitiatoren sollten sich daher immer überlegen, wie hoch die Summe sein muss, die sie bei der Crowd erfragen», so Beier. Die höchste angefragte Summe lag bei CHF 29’000, der Durchschnitt über alle touristischen Projekte bei knapp CHF 6’000. Damit ist die durchschnittliche Projektsumme leicht unter dem Durchschnitt über alle Projekte über alle Branchen.

Das ausführliche Paper steht unten zum Download zur Verfügung.

und Veröffentlichungen zum Thema Crowdfunding.




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