Schweizer Bevölkerung vertraut der Wissenschaft

Hohes Vertrauen in die Wissenschaft in der Schweiz.

Hohes Vertrauen in die Wissenschaft in der Schweiz.

Wissenschaftliches Wissen ist in vielen Lebensbereichen bedeutsam. Es beeinflusst Entscheidungen Einzelner – etwa zu Gesundheit, Ernährung oder Kindererziehung – ebenso wie politische und wirtschaftliche Entscheidungen. Dies gilt insbesondere für die Schweiz – eine Wissensgesellschaft mit hohen Ausgaben für Wissenschaft und Forschung, die zu den innovativsten Ländern der Welt gehört. «Die Schweizer Bevölkerung ist sich dieser Bedeutung der Wissenschaft bewusst und steht ihr insgesamt positiv gegenüber», erklärt Mike S. Schäfer, Professor der Universität Zürich. Er hat zusammen mit Julia Metag, Professorin an der Universität Fribourg den ersten «Wissenschaftsbarometer Schweiz» erhoben.

Grosser Rückhalt für Forschung


«Drei Viertel der Schweizer Bevölkerung halten wissenschaftliche Forschung für notwendig, auch wenn sich daraus kein unmittelbarer Nutzen ergibt», sagt Mike S. Schäfer. Eine ebenso grosse Zahl der Befragten ist der Ansicht, dass Wissenschaft und Forschung staatlich unterstützt werden sollten. Dies spiegelt sich auch in ihren Einstellungen wider: Das Interesse der Schweizer Bevölkerung an Wissenschaft und Forschung ist gross. Mehr als die Hälfte von ihnen interessiert sich stark oder sehr stark für diese Themen, mehr als für Wirtschaft und Finanzen oder für Sport. Nur für Politik interessieren sich mehr Befragte.

Auch das Vertrauen der Bevölkerung in die Wissenschaft ist ausgeprägt. Bei 57 Prozent der Bevölkerung ist das Vertrauen stark bis sehr stark. Bei nur 5 Prozent ist es gering oder sehr gering. Besonderes Vertrauen geniessen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an Universitäten. Die Befragten sind mehrheitlich der Meinung, dass Wissenschaft und Forschung ihr Leben verbessern, auch wenn sie der Ansicht sind, dass es Grenzen für die Forschung geben sollte. Nur Wenige sind allerdings daran interessiert, selbst in wissenschaftlichen Projekten mitzuforschen.

Information über Zeitungen und Internet


Das Wissenschaftsbarometer zeigt darüber hinaus, wo sich die Schweizer Bevölkerung über Wissenschaft und Forschung informiert: In erster Linie über die traditionellen Massenmedien wie Tagesund Wochenzeitungen sowie Wochenmagazine. Das Internet ist mittlerweile die zweitwichtigste Informationsquelle. Online werden am häufigsten Wikipedia und Webseiten öffentlicher Einrichtungen zur Information über wissenschaftliche Themen genutzt. Wissenschaft und Forschung sind auch zwischenmenschlich ein Thema: Mehr als ein Drittel der Befragten spricht häufig mit Freunden und Bekannten über wissenschaftliche Erkenntnisse und Resultate aus der Forschung.

Hintergrund des Projektes



Das Langzeitprojekt «Wissenschaftsbarometer Schweiz» erhebt, was die Schweizer Bevölkerung über wissenschaftliche Themen denkt, und wie unterschiedliche Informationsquellen von Massenmedien über Facebook und Twitter bis hin zu Familie und Freundeskreis die Wahrnehmung von wissenschaftlichen Themen beeinflussen.

Mittels einer repräsentativen, alle drei Jahre stattfindenden Telefon-Befragung der Schweizer Bevölkerung werden aktuelle Wandlungsprozesse der Wissenschaftskommunikation und ihres Publikums nachvollzogen. Dabei stehen die Zusammenhänge zwischen Wissenschaftskommunikation, ihrer Nutzung und Reaktionen auf Seiten des Publikums im Mittelpunkt. Mit diesen Daten sind internationale Vergleiche mit ähnlichen Umfragen zur Wissenschaftskommunikation in anderen Ländern möglich. Befragt wurden 1051 Personen – 651 in der Deutschschweiz, 200 in der Westschweiz und 200 im Tessin – durch das Adligenswiler Institut DemosCope.

Die erste Befragung hat im Juni 2016 stattgefunden. Die nächsten Befragungen finden 2019 und 2022 statt. Das Projekt wird von der Gebert Rüf Stiftung, der Stiftung Mercator Schweiz und dem Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung (IPMZ) der Universität Zürich finanziert. Durchgeführt wird es von Prof. Mike S. Schäfer und seiner Abteilung «Wissenschaftskommunikation» des IPMZ und Prof. Julia Metag von der Universität Fribourg.