Diversität steigert den Ertrag und schützt die Umwelt

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Blühstreifen (Gabriela Brändle, Agroscope)

Blühstreifen (Gabriela Brändle, Agroscope)

Die Kräfte der Natur und die Vielfalt der landwirtschaftlichen Praxis nutzen - das ist Diversifizierung. Diese bringt Vorteile - positive Effekte auf Ertrag und Umweltschutz. Das zeigt eine internationale Studie, an der Agroscope-Forschende mitgearbeitet haben und die kürzlich in der Fachzeitschrift «Science Advances» veröffentlicht wurde.

Die Landwirtschaft produziert unser Getreide, Fleisch, Gemüse und unsere Früchte. Doch in grossen Agrarländern dominieren Weizen oder Mais, die in riesigen Monokulturen angebaut werden. Dies führt zu Bodenerosion, zum Verlust von Artenvielfalt und zu Gewässerverschmutzung. Die Schweizer Landwirtschaft hingegen ist heute schon vielfältiger - Diversifizierung ist das Schlagwort. Sie wird auch vom Bund gefördert. «Es geht um verschiedene Massnahmen, wie etwa darum, unterschiedliche Nutzpflanzen in der Fruchtfolge anzubauen, Blühstreifen und Hecken anzulegen oder organischen Dünger und Kompost auszubringen statt Mineraldünger», sagt Marcel van der Heijden, Boden-Ökologe bei Agroscope und Mitautor der Studie.

5000 Studien ausgewertet: positive Effekte überwiegen

Tamburini, van der Heijden und ihre Ko-Autoren haben über 5000 Studien aus der ganzen Welt statistisch ausgewertet. Deren Fazit: Diversifizierung führt bei zwei Drittel der Studien zu positiven Effekten auf Ertrag, Artenvielfalt oder Wasserhaushalt. Ebenso reduziert sie Klimagase wie CO2 und Methan, dämmt Schädlinge ein und begünstigt bestäubende Insekten. Auch die Bodenqualität lässt sich mit Diversifizierung halten oder gar verbessern. Der humusreiche Oberboden wird nämlich immer dünner, wenn er intensiv genutzt wird ohne bodenfördernde Massnahmen wie etwa die Ausbringung von Mist. Eine ganzjährige Bodenbedeckung wirkt sich ebenfalls positiv aus - weil dadurch nützliche Bodenlebewesen gefördert werden, die den Boden und die darauf wachsenden Pflanzen gesund erhalten.

Bei rund 15% der Studien ergaben sich trotz Diversifizierung Ertragsrückgänge. Van der Heijden: «Um negative Effekte zu vermeiden, ist es wichtig, standortgerechte Diversifizierungs-Optionen zu wählen.»

Beispiele für gute Lösungen

Statt ein Feld einzig mit Kunstdünger fruchtbar zu machen, könnte man beispielsweise eine Gründüngung mit Klee oder Wicken einsetzen oder vermehrt Wiesen mit Gras-Klee-Mischungen in die Fruchtfolge integrieren. Klee bindet in seinen Wurzeln den Luftstickstoff und verwandelt ihn in Dünger. Ebenso können Blühstreifen an den Feldrändern die Biodiversität deutlich erhöhen. Dies wehrt Schädlinge ab und fördert ökologische Leistungen wie die Bestäubung der Feldfrüchte und Obstbäume.

Fazit der Studie

«Die Möglichkeiten, welche die Natur bietet, um nachhaltig zu produzieren, können heute schon genutzt werden. Diversität hilft mit, zukünftigen Umweltschäden vorzubeugen - und das meistens ohne Ertragsverluste» sagt van der Heijden.

Internationaler Kontext

In grossen Agrarländern wie etwa in den USA, in Frankreich oder Deutschland hat sich die Diversifizierung noch nicht flächendeckend durchgesetzt. Oft dominieren dort grosse Monokulturen. Dies hat langfristige Konsequenzen für die Umwelt: Gewässerverschmutzung, Bodenerosion, Verlust von Artenvielfalt und zu hohe Treibhausgas-Emissionen. In dieser Studie wird aufgezeigt, dass Diversifizierung Chancen bietet, diesen Problemen vorzubeugen.

AGROSCOPE
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