HIV-Epidemie: Erfolgreicher Einsatz von Selbsttests im ländlichen Afrika

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In Afrika organisieren Gesundheitszentren «Tür-zu-Tür»-Kampagnen, die den Zugang

In Afrika organisieren Gesundheitszentren «Tür-zu-Tür»-Kampagnen, die den Zugang zu medizinischer Versorgung in entlegenen Regionen erleichtern. Nun wurden die Hausbesuche erstmalig mit oralen HIV-Selbsttests kombiniert. Fallen diese positiv aus, wird zur endgültigen Diagnose noch ein Bluttest bei einer Fachperson vorgenommen. Durch die Einbeziehung der Dorfgesundheitsberater sind die Betroffenen lokal betreut. ( Universität Basel / Swiss TPH, Alain Amstutz)

In Afrika organisieren Gesundheitszentren «Tür-zu-Tür»-Kampagnen, die den Zugang zu medizinischer Versorgung in entlegenen Regionen erleichtern. Nun wurden die Hausbesuche erstmalig mit oralen HIV-Selbsttests kombiniert. Fallen diese positiv aus, wird zur endgültigen Diagnose noch ein Bluttest bei einer Fachperson vorgenommen. Durch die Einbeziehung der Dorfgesundheitsberater sind die Betroffenen lokal betreut. (Bild: Universität Basel / Swiss TPH, Alain Amstutz)

Trotz grosser Fortschritte in der Prävention und Therapie stecken sich jedes Jahr immer noch Millionen von Menschen mit dem HI-Virus an. Die Hauptlast von HIV/Aids fällt dabei auf Afrika. Zur Eindämmung der Epidemie braucht es innovative Methoden, um die frühzeitige Diagnose aller Betroffener zu ermöglichen. Eine Basler Forschungsgruppe konnte nun den Erfolg von «Tür-zu-Tür»-Testkampagnen dank HIV-Selbsttests massgeblich verbessern.

2019 waren weltweit rund 38 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert. Zwei Drittel der Betroffenen leben in Afrika, vor allem südlich der Sahara. Für die Eindämmung der Epidemie ist es zentral, dass alle Betroffenen Zugang zu antiretroviraler Therapie haben, welche die Übertragung des Virus verhindern kann. Dafür braucht es jedoch eine möglichst frühzeitige Diagnose. Gerade in abgelegenen Regionen, wo der Weg zu Kliniken und Testzentren weit ist, bleibt dies aber eine Herausforderung.

Fallbeispiel Lesotho

Zum Beispiel ist in Lesotho jeder vierte Erwachsene mit HIV infiziert. Man schätzt, dass ca. 15 Prozent der Infektionen in dem kleinen Bergland an der Südspitze Afrikas unerkannt bleiben und somit zur Weiterverbreitung von HIV beitragen. Für viele Einwohnerinnen und Einwohner Lesothos liegt die nächste Klinik einen mehrstündigen Fussmarsch oder eine teure Taxifahrt entfernt. Um den Zugang zu Gesundheitsdiensten und HIV-Tests zu erleichtern, organisieren Gesundheitszentren regelmässig ’Tür-zu-Tür’-Kampagnen. Studien haben jedoch gezeigt, dass sie damit nur ca. 60 Prozent der Dorfbevölkerung erreichen.

Ein Team um Niklaus Labhardt, Professor an der Universität Basel und Forschungsgruppenleiter am Swiss TPH, hat nun eine Strategie entwickelt, mit der die Testabdeckung um 20 Prozent verbessert werden konnte. Dabei kombinierte das Team Hausbesuche erstmalig mit HIV-Selbsttests. Sollten Dorfbewohner während der Hausbesuche abwesend sein, hinterlässt das Kampagnenteam Selbsttests mit Instruktionsmaterial in lokaler Sprache. Dorfgesundheitsberater, welche in der Anwendung und Auswertung der Selbsttests geschult wurden, sammeln die Selbsttests im Nachgang wieder ein.

Einfacher Ansatz, grosse Wirkung

Die gross angelegte randomisierte Studie umfasste über 150 Dörfern mit mehr als 7000 Dorfbewohnern. Die Resultate dieses einfachen Ansatzes sprechen für sich: ’Mit 81 Prozent lag die HIV-Testrate in der gesamten Bevölkerung der Interventionsgruppe um 20 Prozent höher als in der Kontrollgruppe’, sagt die Biostatistikerin Dr. Tracy Glass vom Swiss TPH.

In einer Substudie analysierte das Forschungsteam die Strategie unter Jugendlichen und ergänzte die Untersuchungen mittels Interviews. ’Die traditionellen HIV-Testkampagnen erreichen die Jugendlichen nur ungenügend, obwohl gerade bei jungen Frauen die Infektionsrate hoch ist’, erklärt Erstautor Dr. Alain Amstutz vom Swiss TPH. ’In der Interventionsgruppe führte die Selbsttestabgabe dazu, dass der Anteil Jugendlicher, die ihren HIV-Status kannten, um 36 Prozent höher war als in der Kontrollgruppe.’

Die Zahl der Aids-Todesfälle ist seit 2010 weltweit rückläufig. Gleichzeitig kam es 2019 nach wie vor zu 1,7 Millionen Neuansteckungen, die Hälfte davon in Afrika. ’Gerade in den ländlichen Regionen braucht es daher eine Alternative zu den klassischen Gesundheitskampagnen, um eine optimale Testabdeckung zu erreichen. Unsere Strategie ist ein weiterer wichtiger Baustein auf dem Weg die HIV/Aids Epidemie im südlichen Afrika zu beenden’, so Labhardt.

Die Studie basierte auf einer engen Zusammenarbeit mit der Gesundheitsbehörde in Lesotho und der Schweizer NGO SolidarMed. Finanzielle Unterstützung erhielt das Projekt durch den Schweizerischen Nationalfonds, die International AIDS Society sowie durch die Stiftung für Infektiologie beider Basel.

Originalbeiträge

Amstutz A, Lejone TI, Khesa L, et al.
HOSENG trial - Home-based oral self-testing for absent and refusing individuals during a door-to-door HIV testing campaign: a cluster randomised clinical trial in rural Lesotho.
The Lancet HIV (2020); doi:

Amstutz A, Kopo M, Lejone TI, et al.
“If it is left, it becomes easy for me to get tested?: Use of oral self-tests and community health workers to maximize the potential of home-based HIV testing among adolescents in Lesotho.
Journal of the International AIDS Society (2020); doi: 10.1002/jia2.25563